Seitdem ich nun vor rund zwei Jahren aus Deutschland nach Island kam, habe ich mich bereits an so manche Marotte oder Besonderheit der Isländer gewöhnt. Dennoch gibt es einige Dinge, die mich bei meiner Ankunft ziemlich überraschten.

Der erste Teil dieser Reihe, die ich gerne „Island-Kuriositäten“ nennen möchte, ist einer ganz besonderen isländischen Vorliebe gewidmet: Der Eiscreme.

Des Isländers liebste Sünde: Das Eis

Island-Kuriosität Nr. 1: Isländer lieben Eis!

Bei einem Land wie Island, das eine Jahresdurchschnittstemperatur von etwa 5 Grad hat, würde der Durchschnittsdeutsche, der gerne bei 20 Grad im Sommer jammert und bei leichtem Luftzug von Wind spricht, eher an gemütliche Glühwein-Treffen oder Schokoladen-Gelüste denken, als an Eis. Die Mehrzahl der deutschen Eisdielen schließt sogar im Winter - so wenig denkt der Deutsche in der kalten Jahreszeit scheinbar daran, sich die Kälte auch noch in den eigenen Mund zu holen. Und bestimmt hat auch schon die Mutter gesagt, dass es doch viel zu kalt sei, um ein Eis zu essen! Man könnte sich ja erkälten oder, noch schlimmer, ...nein, was ist denn noch schlimmer?!

Über das können die Isländer jedenfalls nur lachen: Hier wird Eis fröhlich und zu jeder Jahres- und fast jeder Tageszeit geschlemmt. Eisdielen erscheinen als reinste Goldminen, schaut man sich so die ellenlangen Schlangen an, die sich oft vor den beliebtesten Adressen der Stadt bilden.

Soft-Eis

Eis von der Ísbúð HuppuQuelle: Facebook von Ísbúð Huppu

„Traditionell“ wird in Island eher Soft-Eis gegessen, hier kann man sich eine Basis aussuchen, die man dann auch mit diversen Süßigkeiten und Soßen garnieren kann - frisches Obst sucht man oft leider vergebens, daher bin ich persönlich eher nicht so ein Fan.

Gute Adressen für Soft-Eis und Milkshake-Liebhaber, die sich nach einem Stadtbummel so eine richtige Kalorienbombe gönnen möchten, sind Ísbúð Vesturbæjar, die mehrere Standorte in der Stadt hat, sowie Ísbúðin Laugalæk, nahe des Schwimmbad Laugardalslaug. Auch die Ísbúð Huppu, die sich dem Kuh-Motto verschrieben hat, ist hier zu erwähnen (Achtung: die kleinste Größe für den Soft-Eis Mix ist bereits mächtig groß!). Diese Läden verkaufen oft auch italienisches Eis, doch meist ist es nicht selbst gemacht...

„Italienisches“ Eis

Was in Deutschland eher als die Regel gilt, ist in Reykjavík tatsächlich erst seit einigen Jahren stark im Kommen: das Kugeleis. Pionier war hier seit Sommer 2013 Ísbúðin Valdís, gelegen am alten Hafen im sogenannten Grandi-Areal, in dem sich in den letzten Jahren viele tolle Cafés und Restaurants angesiedelt haben. Hier wird das Eis selbst gemacht und es gibt etliche ausgefallene Sorten, die auch je nach Tag oder Jahreszeit wechseln. Auch die Waffeln sind alle hausgebacken und einfach lecker! 

Mit oder ohne Waffel ein Genuss - Eis von Valdís

Valdís war lange Zeit unangefochten auf dem Gebiet des Kugeleises, doch seit dem Frühjahr 2017 hat sich Konkurrenz hinzugesellt: Skúbb Ísgerð, wiederum nahe des Schwimmbads Laugardalslaug (wenn ihr nach einem Spaziergang in Laugardalur oder dem Planschen im Hot Pot also Eis-Hunger habt, gibt es dort ein paar Adressen!).

Skúbb macht Eis und Waffeln ebenso selbst und setzt dabei vermehrt auf ausgewählte lokale Zutaten und ausgefallene Kreationen, wie z.B. Bier und Bretzeln. Es gibt hier aber natürlich auch die klassischen Eis-Kassenschlager, keine Sorge. Skúbb scheint eine Umweltpolitik zu verfolgen und es gibt hier ausschließlich Holzlöffel (oder Plastiklöffel, die sich organisch zersetzen).

Eis von Skúbb

Was an allen Bildern auffällt (außer, dass ich scheinbar immer ähnliche Sorten-Kombinationen bestelle...), ist, dass die Kugeln und Portionen riiiiiesig sind. Die Preise sind natürlich mal wieder teuer als in Deutschland, dafür bekommt man aber auch Kugeln, die locker zwei Kugeln hätten werden können!

Da muss man schon mal aufpassen, dass sich keine Kugel davonmacht - denn anders als in Deutschland wird das Eis nicht aufeinander gequetscht und fixiert, sondern kunstvoll aufgetürmt.

Schlangestehen und Öffnungszeiten

Wundert euch nicht, wenn ihr schon von weitem eine Menschentraube vor den Läden herumstehen seht: Ihr müsst euch in den meisten Fällen darauf einstellen, Schlange zu stehen. Vergesst auf keinen Fall, am Eingang bei den meist roten Apparaten eine Nummer zu ziehen! Sonst wartet ihr euch dusselig ;-) Das garantiert dann aber auch, dass ihr im isländischen Warte-Chaos nicht vergessen oder abgedrängt werdet - Schlange stehen ist nämlich etwas, das Isländer nicht wirklich können.

Eis-Hunger spät am Abend? Kein Problem. Die meisten Eisdielen haben bis spät in den Abend oder sogar bis 23 Uhr offen! Das verrät wohl viel über die isländische Eis-Kultur ;-)

In diesem Sinne: Probiert auf jeden Fall ein Eis bei eurem Besuch!

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