Ein Rundflug im Helikopter klingt nach Luxus und Abenteuer - daher ergriff ich Ende letzten Jahres nur zu gerne die Chance, als mir angeboten wurde, spontan eine Tour zu testen. Spontan. Das hieß in meinem Fall: „Die Tour beginnt in 15 Minuten!“ Ausgestattet mit nicht viel mehr als meinen Alltagsklamotten und dem iPhone sprintete ich zum Inlandsflughafen in Reykjavík, von dem die Helikopter-Touren des Anbieters Norðurflug starten.

helicopter

Der Flughafen in Reykjavík befindet sich am Rande der Innenstadt und ist zwar überschaubar, ich schaffte es aber dennoch, mich erst einmal zu verlaufen. Die Zentrale von Norðurflug befindet sich auf der Rückseite des Flughafens, beim Icelandair Hotel Reykjavík Natura. Leicht zu spät und abgehetzt, aber voller Adrenalin, folgte ich kurz darauf den Einführungen unseres Piloten Gísli. Er sollte mich und ein älteres amerikanisches Ehepaar in die Lüfte befördern.

Schon beeindruckend, so einen Hubschrauber vor sich zu sehen! Nunja, zumindest für mich. In den paar Momenten in denen ich Zeit hatte darüber nachzudenken wurde mir dann schon ein wenig mulmig zumute, vor allem, als die Kopfhörer angelegt waren und das laute Schlagen der Rotorblätter langsam begann. Vor Jahren hatte ich einmal einen Rundflug in einem kleinen Flugzeug gehabt, mit dem Fluggefühl im Helikopter kann man das allerdings kaum vergleichen. Doch schon kurz nach dem Start legte sich die Nervosität und ich war schwer begeistert von der atemberaubenden Aussicht, die uns zu Füßen lag.

Reykjavíks bunte Häuser hatte ich bisher nur vom Turm der Hallgrímskirka gesehen, nun konnte man sogar auf ihr Dach spucken!

reykjavik from above

Wir flogen von Reykjavík in Richtung Norden, über das Bergmassiv des Hausbergs Esja und hin zu dem zweithöchsten Wasserfall des Landes, Glymur. Lange dachte man, er wäre der höchste... bis ihn im Jahr 2011 ein neu gemessener Wasserfall im Vatnajökull Nationalpark überholte. Seine 198 Meter sind aber immer noch ziemlich beeindruckend, vor allem, wenn man nicht zu ihm wandern muss, sondern ganz komfortabel von oben in seine Schlucht linsen kann!

glymur

Unser Pilot Gísli drehte ein paar Runden, damit wir ihn von jeder Seite aus gut sehen konnten - inklusive ziemlicher Schräglage! Für einen kleinen Angsthasen wie mich recht abenteuerlich. Ich war übrigens auf dem gesamten Flug wie gebannt und habe das an den Kopfhörern verbaute Mikrofon so gut wie nie genutzt, was meine Mitflieger öfter dazu veranlasste zu fragen, ob es mir gut ginge ;-)

Der Gletscher Langjökull

Über schwarz gefärbte Hochebenen führte uns der Flug anschließend zu meinem absoluten Highlight der Tour: dem Gletscher Langjökull. Hier verwöhne ich euch mal mit ein paar Bildern, denn dieses Erlebnis war für mich wirklich unbeschreiblich.

langjökull

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Wirklich keine gute Idee, mit Jeans auf einen Gletscher zu gehen!

Wie man sieht, sind wir auf dem Gletscher sogar gelandet. Ich muss zugeben, dass ich nicht so wild darauf war, auszusteigen. Das Wetter sah hinterhältig aus: Strahlend blauer Himmel und Sonne - aber eiskalter Wind. Typisches Fenster-Wetter, wie es die Isländer nennen. Und dann auch noch in so etwa 1.300 Meter Höhe... ich wünschte wirklich, ich hätte mich vernünftig anziehen können, aber es half ja nichts: Wir stiegen aus und nutzten unsere etwa 10 Minuten Aufenthalt, mitten auf der fast 1.000 km² weiten Eiskappe des Langjökull. 

Nutzen, das hieß wir tippelten vorsichtig ein wenig hin und her und stellten uns für Fotos gegen den Wind. Die Weite der Eisfläche und die Aussicht auf das umliegende Land haute mich fast um. Ich fühlte mich sehr einsam, trotz meiner Mitflieger, und das auf angenehme Art und Weise. Die paar Minuten auf dem Eis waren absolut ausreichend, um mich im Anschluss wieder glücklich im Helikopter einzufinden.

Man kann den Langjökull übrigens auch auf einem Schneemobil erkunden!

Doch das war noch nicht alles: Gísli erklärte, dass wir nun in das Hochtemperaturgebiet Hengill fliegen würden, um unsere zweite Landung zu haben. Wir hoben wieder ab und entfernten uns langsam vom Gletscher, jedoch aber nicht, ohne noch einmal ein paar Schleifen über beeindruckende Eisspalten zu drehen.

Rundflug über Südisland

Das Hochtemperaturgebiet Hengill

Auf dem Weg vom Langjökull zu Hengill flogen wir eine Runde über den Nationalpark Thingvellir beim Golden Circle. Hier war ich zwar schon einige Male, aber die Spalte des Kontinentalbruchs von oben zu sehen war schon ein bisschen anders und faszinierend. Man konnte der Spalte folgen, so weit der Ausblick reichte, und die Fauna aus Moos und Flechten zauberte eine Art Muster auf den kargen Grund.

thingvellir

Rundflug über Südisland

Wir überquerten Islands größten natürlichen See, den Thingvallavatn, und flogen gemächlich zu unserem zweiten Landeziel, das sich südwestlich des Nationalparks befindet. Hengill ist nicht nur ein Hochtemperaturgebiet sondern auch ein Vulkan, der noch immer aktiv ist. Ausgebrochen ist er jedoch seit mehr als 2.000 Jahren nicht mehr. Die vulkanische Aktivität im Inneren macht sich an der Vielzahl an heißen Quellen bemerkbar. Die nahe gelegenen Kraftwerke Nesjavellir und Hellisheidi nutzen die geothermalen Kräfte der Gegend und liefern den Strom für Tausende von Haushalten im Hauptstadtgebiet. 

Die Gegend ist ebenso ein beliebtes Ziel für Wanderer. Übrigens gehört sogar die Kleinstadt Hveragerdi (die erste Stadt auf der Ringstraße gen Süden) noch zum Hengill-Gebiet. Die Wanderung ab Hveragerdi zum Tal Reykjadalur, in dem man baden kann, kann ich übrigens auch sehr empfehlen.

Wir landeten bei Hengill inmitten von brodelnden Quellen, und natürlich hatte ich ein bisschen Sorge, ob der Pilot überhaupt ein geeignetes Fleckchen zum Landen finden würde - hat er aber natürlich. Die Sonne neigte sich leider gerade am Horizont und reichte nicht mehr über die umliegenden Berge, das hat dem Erlebnis aber keinen Abbruch getan.

Rundflug über Südisland

Überall wo man hinsah stiegen (zugegeben schwefelig riechende) Dämpfe auf. Glücklicherweise bin ich das schon ganz gut gewöhnt und wagte mich entlang der blubbernden Quellen, die man ganz ungestört und ohne Touristenbusse genießen konnte.

Rundflug über Südisland

Rundflug über Südisland

Nach diesem letzten, intensiven Erlebnis machten wir uns zurück auf den Weg nach Reykjavík, diesmal auf einem anderen Weg über den Süden. Hierbei ergaben sich noch einige weitere, tolle Blickwinkel, wie z.B. die Sicht in Krater. Mich persönlich hat sogar die Architektur der Straße interessiert, die sich seltsam in die Umgebung einfügte.

Rundflug über Südisland

Rundflug über Südisland

Wenn ihr die faszinierende Natur der Insel aus einer völlig neuen Perspektive betrachten und euch etwas ganz Besonderes gönnen wollt, kann ich euch diese Helikopter-Tour tausendfach empfehlen! Mir stand während des Fluges öfter einmal der Mund offen und etwas Vergleichbares erlebt man wirklich nicht alle Tage...

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