In welcher Region Islands liegt die Sightseeing-Route Diamond Circle? Welche Naturattraktionen befinden sich entlang der Strecke? Welche Touren gibt es für besonders abenteuerlustige Besucher?

Was ist die Sightseeing-Route Diamond Circle? Welche Naturattraktionen befinden sich entlang der Strecke? Welche Touren gibt es für besonders abenteuerlustige Besucher? Hier erfährst du alles, was du über Islands Diamond Circle wissen musst. 



Ein kurzer Blick auf die Webseite von Guide to Iceland genügt, um zu sehen, wieviel absolut unglaubliche Attraktionen und Aktivitäten das Land aus Feuer und Eis seinen Besuchern zu bieten hat. Die Auswahl ist so groß, dass es nicht immer leicht ist, sich zu entscheiden und seine Reise zu planen. Aber wenn du die Möglichkeit hast, alle von Islands atemberaubenden Regionen zu besuchen, dann wird dir der Nordosten wahrscheinlich am längsten in Erinnerung bleiben.

"Warum?", höre ich dich fragen. Um es kurz zu machen: Der Grund ist der Diamond Circle – eine von Islands beliebtesten Sightseeing-Routen.

INHALT
         2.1 -Der Namaskard-Pass
         2.2 - Dimmuborgir
         2.4 -Die Myvatn-Naturbecken
         6.1 -Der Wasserfall Godafoss
         6.2 - Aedafossar (“Eiderfoss”)

Was ist der Diamond Circle?  

Ohne die überall spürbaren, aktiven Prozesse von Mutter Natur wäre der Diamond Circle nicht die Attraktion, als die wir ihn heute kennen. Die nicht aufzuhaltenden, geologischen Vorgänge, immenser Druck und glühende Hitze – all das zeigt sich in den blubbernden, heißen Quellen, vulkanischen Seen und erstarrten Lavaburgen.


Nicht allen Islandurlaubern wird diese 260km-lange Route bekannt sein, obwohl sie allgemein als die nordöstliche Version des berühmten Golden Circle gilt.



Aufgrund der Entfernung von der Hauptstadt Reykjavík bekommen die Attraktionen des Diamond Circle weniger Aufmerksamkeit, was angesichts der dramatischen, einzigartigen und überwältigenden Schönheit der Region ein grobes Versäumnis ist.

Und welche Attraktionen sind das, die man unbedingt gesehen haben sollte? Die vier wichtigsten Stationen auf dem Diamond Circle sind der See Mývatn, der Dettifoss-Wasserfall, die Ásbyrgi-Schlucht und das Fischerstädtchen Húsavík.

Der Námaskarð-Pass unter der Aurora Borealis. Das ist nur eines von vielen Highlights am Diamond Circle.

Aber genau wie beim Golden Circle gibt es auch hier eine Reihe weiterer Orte, die einen Besuch wert sind. Dazu später mehr. Zuerst schauen wir uns die Superstars an, die den Diamond Circle berühmt gemacht haben.

Der See Myvatn  

Der See Mývatn ist ein atemberaubender Ort im Nordosten Islands.

Der glitzernde Mývatn-See bedeckt eine Fläche von 37 km² und gehört mit den fruchtbaren Feuchtgebieten, zahlreichen Vogelarten und bizarren Lavasäulen, die die Umgebung prägen, zu den beliebtesten Attraktionen des Diamond Circle.

Sein Name bedeutet “See der Mücken” und kommt daher, dass sich während der Sommermonate riesige Schwärme dieser winzigen Insekten wie Wolken in der Luft über dem Gebiet aufhalten. Einige Besucher tragen zum Schutz sogar ein Netz vor dem Gesicht. Es wird vermutet, dass dieses Gewässer durch Vulkanausbrüche vor circa 2.300 Jahren entstand. 

Der Namaskard-Pass  

Eine Fotografin hält ihre Eindrücke vom Námaskarð-Pass fest.

Der See an sich ist schon wahnsinnig beeindruckend, aber es gibt in der Umgebung noch weitere wichtige Orte wie den gewaltigen Berg Námafjall und an seinem Fuße den Námaskarð Pass.

Námaskarð ist ein geothermales Tal, das wegen seines zinnoberroten Sandes und den Felskratern oft mit dem Planeten Mars verglichen wird. Wabernde Dampfsäulen und gluckernde Schlammkessel verstärken den unwirklichen Eindruck nur noch. Dank einiger mit Holz befestigter Wege, kann man die blubbernde, zischende Energie aus der Nähe betrachten. 

Dimmuborgir  

Dimmuborgir ist auch als ‘Dunkle Burg’ bekanntCopyright: Arian Zwegers von Wikimedia Commons

Dimmuborgir, auch als ‘Dunkle Burg’ bekannt, ist ein genauso faszinierender Ort und befindet sich ebenfalls in der Nähe des Mývatn-Sees. Die charakteristischen, dunklen Säulen und bizarren Felsformationen sind das Ergebnis 2.300 Jahre zurückliegender Vulkanausbrüche, bei denen sich der Lavastrom in das Gewässer ergoss und dadurch schneller abkühlte.

Heute ist Dimmuborgir ein beliebter Drehort. Fans der HBO-Fantasyserie Game of Thrones werden Dimmuborgir aus Staffel 3 wiedererkennen, wo der Ort als Lager der Wildlinge von Manke Rayder diente.

Isländern ist der Ort aus ihrer Folklore bekannt. Der Legende zufolge ist Dimmuborgir das Zuhause von Grýla, die halb Troll und halb Oger ist, und ihres ergebenen, unterwürfigen Ehemanns Leppalúði. Sie sind die Eltern der dreizehn Weihnachtsmänner Islands.

Während der Weihnachtszeit kommen diese schelmischen Gnome jede Nacht – einer nach dem anderen – heraus, um die Kinder in der Umgebung zu erschrecken oder zu belohnen.


Der Weihnachtsgnom Giljagaur (Schaumschuft) zum Beispiel ist bekannt dafür, Milch aus dem Kuhstall zu stehlen. Ein anderer, Skyrgámur (Skyrschlund), stiehlt das liebste Joghurterzeugnis der Isländer. Und Stúfur (Kurzer) hält sich an den verkrusteten Resten in stehengebliebenen Kochtöpfen schadlos.

Grýla und Leppalúði haben auch eine riesige Katze, die eine unangenehme Gemeinsamkeit mit ihren Besitzern hat: ihren Appetit auf Kinder. Die Weihnachtszeit in Island ist etwas angsteinflößender und blutrünstiger als anderswo.

Die Pseudokrater Skutustadagigar  

Eine Luftaufnahme der Pseudokrater Skutustadagigar.Foto aus Lofthellir Höhlen-Erkundung | ab dem Mývatn-Gebiet

Am Südufer des Mývatn-Sees können Besucher die spektakulären Pseudokrater Skútustaðagígar entdecken. Sie gehören zum Vulkansystem Krafla und entstanden vor Tausenden von Jahren infolge einiger unterirdischer Gasexplosionen. Heute befinden sich die Krater in den Feuchtgebieten der Mývatn-Region, die bei Vogelkundlern sehr beliebt sind. 



Zu den hier beheimateten Vogelarten gehört z. B. die Reiherente, die Pfeifente, die Bergente, die Trauerente und sogar der herrliche Jagdfalke. Wenn du mehr über Islands Vogelwelt erfahren möchtest, kannst du Sigurgeirs Vogelmuseum auf dem Bauernhof Ytri Neslönd in der Nähe des Mývatn-Sees besuchen. 

Die Myvatn-Naturbecken    

Ein Pärchen entspannt in den Mývatn-Naturbecken im Norden IslandsFoto aus Highlights des Norden-Tour | Abreise aus Akureyri

Wenn du deiner Erkundungstour durch die Mývatn-Region zum Schluss noch das i-Tüfelchen aufsetzen möchtest, kannst du dies mit einem Besuch der Mývatn-Naturbecken tun. Dieses wunderbare Wellnessbad gilt als günstigere, ruhigere und entspanntere Alternative zu der weltberühmten Blauen Lagune auf der Halbinsel Reykjanes



Die Mývatn-Naturbecken eröffneten im Jahr 2004 und es sprach sich schnell herum, dass dies einer der besten Orte im Nordosten des Landes war, um im Sommer unter der Mitternachtssonne oder im Winter unter den Nordlichtern zu entspannen. 

Der Wasserfall Dettifoss  

Der tosende Wasserfall Dettifoss.

Der Wasserfall Dettifoss im Vatnajökull-Nationalpark gilt als der leistungsstärkste Wasserfall Europas. Mehr als 430.000 Liter Wasser strömen pro Sekunde über seinen Rand – das ist eine Fließrate von unglaublichen 193 m³/s.

Der Wasserfall ist 100 Meter breit und 45 Meter hoch. Er ergießt sich in die atemberaubende Schlucht Jökulsárgljúfur und der Sprühnebel ist an manchen Tagen noch aus einer Entfernung von mehreren Kilometern zu sehen. 

Die Schlucht Jökulsárgljúfur (dt. “Schlucht des Gletscherflusses”) ist 25 Meter lang und war einmal selbst ein Nationalpark. Heute bildet sie den nördlichsten Teil des Vatnajökull-Nationalparks.


Die Schlucht beherbergt noch eine Reihe weiterer Wasserfälle wie z. B. Selfoss, Hafragilsfoss und Réttarfoss. Manche nennen sie den Grand Canyon Islands. 

Dettifoss diente als Kulisse für Ridley Scotts Science Fiction-Epos ‘Prometheus’ (2012). Mit seinen weißen Schaumkronen und eindrucksvollen, dunkeln Felswänden passte er perfekt in die unwirkliche Szenerie. Außerdem inspirierte er Jón Leifs gleichnamige Sinfonie (Op. 57).

Die Asbyrgi-Schlucht  

Die hufeisenförmige Ásbyrgi-Schlucht.Wikimedia. Creative Commins. Michal Klajban

Ásbyrgi ist eine hufeisenförmige Schlucht am Rand des Vatnajökull-Nationalparks, circa 80 Kilometer, eine 45-minütige Fahrt, östlich von Húsavík. Sie ist 3,5 Kilometer lang und 1,1 Kilometer breit. Die Felswände von Ásbyrgi erreichen eine Höhe von bis zu 100 Metern und an ihrem Fuße stehen Birken- und Weidenwälder. 

Eine weitere faszinierende Besonderheit der Schlucht ist die Felsstruktur Eyjan ("Die Insel"), die mit ihrer Länge von 25 Metern fast Hälfte der Schlucht in zwei Teile teilt. Ich könnte noch mehr Gründe aufzählen, warum Ásbyrgi einer der einzigartigsten Orte in Island ist!

Ihrer charakteristischen Form verdankt die Schlucht ihren Platz in der isländischen Folklore: Der Überlieferung zufolge war es Odins achtbeiniges Pferd Sleipnir, das an dieser Stelle mit einem Huf die Erde berührte, wodurch die Schlucht entstand. Vielleicht ist das der Hauptgrund, warum Brauchtumsforscher Ásbyrgi als Hauptstadt der verborgenen Wesen, oder Huldufólk, bezeichnen – einer Art von Elfen, die oft in isländischen und färöischen Sagen auftauchen. 

Die Stadt Husavik  

Das Fischerstädtchen Húsavík ist zwar klein, hat aber einen großen Namen als Europas Whale Watching-Hauptstadt. Das liegt vor allem an den guten Futtergründen in der Skjálfandi-Bucht.



Whale Watching ist eine der beliebtesten Aktivitäten in Island.Bild aus Traditionelles Whale Watching in Husavik

Dadurch kommen viele der 20 in Island heimischen Walarten wie Minkwale, Buckelwale und Schweinswale relativ nah an die Küste. Es ist aber absolut nicht ausgeschlossen, dass man auch selteneren Arten wie Orkas oder dem ehrfurchtgebietenden Blauwal begegnet. Da immer mehr Touristen in Húsavík danach fragten, starten seit Mitte der 1990er-Jahre Whale Watching-Touren in der Skjálfandi-Bucht. 



In Húsavík leben ungefähr 2.200 Menschen und der Ort hat seinen Gästen noch weit mehr zu bieten als eine Begegnung mit den sanften Meeresriesen. Sein bekanntestes Wahrzeichen ist die 1907 erbaute Holzkirche Húsavíkurkirkja. Außerdem gilt Húsavík als der erste Ort in Island, an dem sich ein Wikinger, der Norweger Garðar Svavarsson, niederließ. Er hielt sich 870 n.Chr. für einen Winter hier auf.

Der erste Wikinger, der nach Island kam—Garðar Svavarsson.Credit: http://www.explorationmuseum.com/commons/gardar-svavarsson/

Viele Besucher interessieren sich auch für das Erforschungsmuseum, eine Einrichtung, die sich den Entdeckungsreisen der Menschheitsgeschichte widmet. Auch ein preisgekröntes Denkmal für die Apolo-Astronauten gibt es hier zu sehen, die vor ihrer Mondmission in den Lavafeldern in der Nähe von Húsavik ausgebildet wurden. 

Wenn du dich hauptsächlich für die Tierwelt begeisterst, kannst du im Walmuseum von Húsavík mehr erfahren. Diese Institution informiert nicht nur über die Ökologie und Geschichte dieser Lebewesen, inklusive ihrer nicht immer konfliktfreien Beziehung zum Menschen, sondern unterhält auch eigene Forschungsprogramme, wie z. B. Fotoidentifizierung und ein internationales Freiwilligenprogramm. 

Die besten Abstecher am Diamond Circle  

Wahrscheinlich bist du mit den bisher aufgezählten Attraktionen schon mehr als glücklich. Aber der Diamond Circle beherbergt noch weitere fantastische Orte, die dich bestimmt auch umhauen werden. Island ist eine riesige Insel, wo hinter jeder Ecke eine neue, faszinierende Sehenswürdigkeit wartet. Wenn du Zeit hast, solltest du auf deiner Fahrt um den Diamond Circle ein paar der folgenden Plätze besuchen.

Der Wasserfall Godafoss 

Der Wasserfall Goðafoss ist immer ein beeindruckendes Erlebnis.

Der Wasserfall Goðafoss liegt in der Gemeinde Bárðardalur im Nordosten Islands und gehört zu den meistbesuchten und meistfotografierten Attraktionen des Landes.

Sein besonderer Platz in der Geschichte Islands hat ihm den Namen “Wasserfall der Götter” eingebracht: Im Jahr 1.000 n.Chr., nach der Christianisierung des Landes, begaben sich Stammesführer (bekannt als “Goðar”) zu dem Wasserfall und warfen zum Zeichen ihrer neuen Religionszugehörigkeit heidnische Götzenbilder in die Fluten. 

Aedafossar (“Eiderfoss”) 

10 Kilometer südwestlich von Húsavík findest du am Fluss Laxá den Wasserfall Æðafossar. Laxá ist bei Seeforellenfischern extrem beliebt.

Der Wasserfall besteht aus zwei Teilen und blickt über den schwarzen Sandstrand der Skjálfandi-Bucht. Trotz seiner bescheidenen Höhe und der vergleichsweise abgelegenen Lage ist Æðafossar ein Traumziel für Profi- und Hobbyfotografen. 

Hljodaklettar (“Echofelsen”) 

The Ultimate Guide to Iceland's Diamond CircleGuidetoiceland.is   

Bei Hljóðaklettar handelt es sich um eine charakteristische Ansammlung säulenförmiger und auffallend diagonal angeordneter Felsen in der Jökulsárgljúfur-Schlucht direkt am Anfang des Vesturdalur-Tals. Während der Wintermonate ist diese Naturattraktion nicht zugänglich, aber im Sommer sollte sie unbedingt auf deinem Reiseplan stehen, wenn du die Einzigartigkeit der isländischen Natur wirklich erfassen willst. 

Mit dieser bunten Liste von Sehenswürdigkeiten und Attraktionen hast du eigentlich keinen Grund, den Diamond Circle bei deinem Islandurlaub zu ignorieren. Es gibt geführte Touren, du kannst ihn aber auch mit einem Mietwagen selbst erfahren. Die Erinnerungen werden dich mit Sicherheit ein Leben lang begleiten.


Hast du den Diamond Circle schon besucht? Hat dir der Golden Circle oder der Diamond Circle besser gefallen? Schreib uns deine Kommentare und Fragen ins Kommentarfeld.