Die Islandpferde werden traditionell auf riesigen Feldern in großen Herden gehalten, doch über die Wintersaison werden die Reitpferde in den Stall geholt, um diese zu konditionieren und trainieren.

Auch in den Städten gibt es Ställe in denen Pferde gehalten werden, in den sogenannten „Stall-Dörfer“.
Diese Stallanlagen bestehen meist aus vielen kleineren Ställen die nebeneinander angelegt und meist im Privatbesitz sind.
Die Stallbesitzer teilen sich dort den vorhandenen Reitplatz, Ovalbahn und die Reitwege die von dem ansässigen Reitverein instand gehalten werden.
Stallanlage in Hafnarfjördur mit Pferdeanhänger auf Island.
Zum Sommeranfang werden die dort gehaltenen Pferde in ihre wohlverdiente Sommerpause zurück aufs Land geschickt.

Dies geschieht oft auf ganz traditioneller Art und zwar vom Rücken der Pferde. Hierfür werden die Islandpferde meist über mehrere Tage zu ihrem Ziel geritten, auf der so genannten Sleppitur.
In vielen Fällen werden hierbei freilaufende Pferde mitgenommen, dies können bis zu 70 Stück sein die ohne Reiter mitkommen.
Auf manch dieser Trips folgt man oft altertümliche Strecken die damals genutzt wurden bevor es Autos und richtige Straßen gab.
Dieser Reitausflug zählt für die meisten Reiter als das Highlight der Saison und wird mit viel Sorgfalt und Vorfreude geplant.

Gute Stimmung bei Pferd und Reiter bei dem Highlight der Saison - die Sleppitur.

Dieses Jahr habe ich das erste Mal selber an einer Sleppitur teilgenommen.

Der Stallbesitzer hat schon Monate im Voraus die Route zusammengestellt, die wir täglich mit den Pferden zurücklegen müssen um am Ende der mehrtägigen Reise an der Sommerweide einkehren zu können. Entsprechend entlang der Route haben wir bei anderen Farmern angefragt, ob wir dort über Nacht unsere Pferde bei ihnen unterbringen können.
Für uns Reiter wurde ein großes Sommerhaus gemietet, welches wir uns alle geteilt hatten und als Ausgangspunkt nutzten.

Sommerhaus im Süden Islands.

Tag 1: von Hafnarfjörður nach Þingvellir zu Þóroddsstadir

Der erste Tag startete früh morgens in Hafnarfjörður. Alle von unserer kleinen Stallgemeinschaft hatten sich gemeinsam am Hof getroffen um die Reitausrüstung und Proviant in den Autos zu verstauen.
Wir hatten uns entschieden für diesen Ritt keine freilaufenden Pferde dabei zu haben, weshalb wir einen Transporter für die anderen Islandpferde arrangieren mussten, die uns nicht während dem Ritt begleiten sollten.
Die Situation hatten wir gleich voll ausgenutzt und alle Vierbeiner aufgeladen, auch die, die wir für die Sleppitur nutzen wollten. So konnten wir die Tour bereits weiter in ländlicher Region starten und mussten nicht direkt von der Stadt aus los, wo viele Reitwege entlang der Straße führen.

Verladen der Pferde in Hafnarfjördur.

Unser Ausgangspunkt des ersten Rittes lag in der Nähe von Þingvellir. Als wir am Startpunkt angekommen sind, haben wir die Zeit genutzt alles für das Eintreffen der Pferde vorzubereiten. Es wurde ein provisorischer Weidezaun aufgestellt und die Reitausrüstung ausgepackt und die erste Etappe des Rittes besprochen, als schon kurz darauf der große Transporter eintraf. Von dort holten wir die 11 Pferde die wir für die nächsten Tage brauchten, die restlichen Islandpferde wurden auf direktem Weg zum Sommerfeld gefahren.

Riesiger Pferdeanhänger in der Nähe von Thingvellir.

Da ich mich dazu entschlossen hatte am ersten Tag die Gruppe mit dem Auto zu unterstützen und erst am zweiten Tag auf dem Rücken des Pferdes zu begleiten, bin ich zurück geblieben und habe den Zaun abgebaut und alles was nicht gebraucht wurde wieder im Wagen verstaut.
Währendessen machten sich die Reiter querfeldein über einen alten Reitweg davon, auch ich machte mich letztendlich als alles wieder verladen war mit meinem Fahrbarenuntersatz zur nächsten Etappe.

Erster RItt des Tages auf Island.

Da wir unglaublich gutes Wetter hatten, konnte ich mich etwas ins Gras legen und entspannen bevor auch die Reiter nach ca. 1 ½ Stunden eintrafen.

Diese Stelle hatte einen befestigten Zaun und fließendes Wasser, deshalb konnten wir die Pferde absatteln und ihnen eine Pause gönnen und etwas zum Trinken anbieten, während alle Reiter sich ebenfalls etwas stärkten.
Solche angelegten Stellen findet man auf ganz Island und dienen den Leuten die auf solche Tages- oder Mehrtagesritte gehen.

Kurze Pause für Pferd und Reiter auf Island.

Im Anschluss wurden die Pferde wieder geputzt und gesattelt und weiter ging die Reise für die Reiter.

Da es die letzten Tage über sehr warm und trocken war, waren die Wege alle sehr ausgetrocknet und staubig, alle Reiter hatten eine braune Staubschicht im Gesicht und auf der Kleidung.
Am zweiten und vorletzten Stopp des Tages, haben sich die Pferde dann optisch den Reitern angepasst und sich genüsslich im sandigen Untergrund gewälzt.

Islandpferd wälzt sich auf sandigem Untergrund.

Die letzte Etappe des Tages war die Pferdefarm Þóroddstaðir bei Laugarvatn, auf der wir gegen Bezahlung unsere Pferde auf ein großes Weidestück über Nacht lassen durften.
Insgesamt legten die Pferde an diesem ca. 25 Kilometer zurück.

Im Anschluss ging es zu unserem Sommerhaus, wo wir erst mal das Wasser im Hotpot einlaufen ließen und jeder eine ausgiebige Dusche nahm bevor wir gemeinsam unser Abendessen zubereitet haben.

Hotpot im Sommerhaus auf Island.


Tag 2: von Þóroddsstaðir nach Brjánsstaðir

Für den zweiten Tag war die kürzeste Strecke der ganzen Tour vorgesehen, insgesamt waren es "nur" ca. 10 Kilometer, die auf dem Rücken der Pferde zurückgelegt wurde.
Deshalb starteten wir den Tag gemütlich mit einem ausgiebigen Frühstück und einem warmen Bad im Hotpot, bevor es mittags für uns zurück zu den Pferden ging.
Dort dauerte es erst einen Augenblick die Pferde von der riesigen Koppel zu holen.

Große Weide auf einer isländischen Pferdefarm.
Im Anschluss sattelten wir diese und es ging mit voller Vorfreude auf die bevorstehende Strecke vom Hof.

Reiter verlassen isländische Pferdefarm.
Da dies der Tag mit der kürzesten Strecke war, konnten wir die meiste Zeit im schnelleren Tempo reiten mit nur kurzen Pausen.
Wir hatten wie schon am Vortag unglaublich gutes Wetter und die Pferde sowie die Reiter waren bestens gelaunt.

An diesem Tag durfte ich dann selber erleben warum alle Reiter am Vortag so dreckig wurden.
Dadurch, dass fast windstille herrschte und alles so ausgetrocknet war wirbelten die Reiter vor einem den ganzen Sand auf, teilweise konnte man überhaupt nichts mehr sehen.

Schlechte Sicht vom Rücken des Islandpferdes.
Ein großer Abstand zum Vordermann tat hierbei jedoch Abhilfe.
Als wir unser Etappenziel für den Tag erreichten, hatten wir festgestellt das eine Menge an Rhabarber auf dem Feld der Pferde wächst, deshalb hatten wir uns kurzerhand dazu entschlossen etwas davon mitzunehmen.
Als Nachtisch gab es an diesem Abend einen leckeren Rhabarberkuchen.


Tag 3: Skalholt-Kirche bis Spóastaðir

Dieser Tag war in meinen Augen der aufregendste!
Wir ritten an Sanddünen entlang, überquerten eine Brücke und ebenso kamen wir an der berühmten Skalholt-Kirche vorbei.

Skalholt Kirche bei Thingvellir auf Island.
Auch ging es im vollen Galopp entlang einiger schöner Reitwege bevor wir einen kleinen Fluss erreichten in dem die Pferde etwas trinken konnten bevor es für uns wieder weiter ging.

Überquerung der Brücke mit einer Gruppe von Reitern auf Islandpferden.

Im Anschluss ging es über Reitwege entlang der Straße und über Felder, bis wir den Hof eines befreundeten Pärchens erreichten, die uns ebenfalls bei diesem Ritt begleitet hatten.

Dort angekommen ließen wir die Pferde gemeinsam auf eine grüne Weide, wo sie bis zum nächsten Tag bleiben durften.

Stute mit Fohlen auf Weide in Island.

Bevor es aber für uns zurück zum Sommerhaus ging, konnten wir die bereits geborenen Fohlen von diesem Jahr auf der gegenüberliegenden Weide besuchen.

Islandpferde mit Fohlen.


Tag 4: Pause

An diesem Tag stand nur ein sehr kurzer Ritt über einige Felder an.
Die ansässigen Farmer zeigten uns einen schönen Ausreitweg auf ihrem Gelände, insgesamt waren wir nur ca. 45 Minuten auf dem Pferd.
Wir wollten den Pferden an diesem Tag eine kleine Pause gönnen bevor sie am Folgetag die letzte Etappe zurück legen und sie ihre Sommerweide erreichen.

Die Pferde kamen im Anschluss wieder auf die Weide die sie am Vortag bezogen hatten.

 

Tag 5: Letzte Etappe der Sleppitur - Ankunft an der Sommerweide

Der heutige Tag war wieder ein sehr langer Tag mit einer Strecke von 20 Kilometern die wir gemeinsam zurück legen mussten.
Wir ritten entlang unglaublicher Natur abseits von Straßen und Zivilisation, zwischen Berglandschaften.

Reiter auf Islandpferden in isländischer Natur.
Wir trafen auf diesem Ritt viele Schafe und andere Pferde an.
Dieser Tag hatte landschaftlich das absolut Beste zu bieten.

Islandpferde in isländischer Natur.
Es war fast etwas traurig, als wir am Ende des Tages unser aller letztes Ziel eine Farm in der Nähe von Fludir erreichten auf dem die Pferde ihren Sommer verbringen.

Ich freue mich jetzt schon auf den Winter wenn wir die Pferde wieder in den Stall holen.

 

Wer nun selber Lust bekommen hat an einem Ausritt in isländischer Natur teilzunehmen kann sich hier nach einer passenden Tour umsehen: Ausritte.

 

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