Es war Ende März 2018, als ich und meine Frau einen Urlaub brauchten. Meine Frau ist in der Dritten Welt aufgewachsen und als Philippinerin empfand sie die Idee auf Island auf das Land zu fahren als eine Herausforderung, da auf den Philippinen auf dem Land oft Einsamkeit und Armut zu finden sind. Als ich aber die Gletscherlagune Jökulsárlón erwähnte, hatte sie plötzlich ihre Meinung geändert. Nachdem wir uns mit allen nützlichen Dingen eingedeckt hatten ging die Fahrt los. 

Was sollte man beachten, wenn man mit einem Kleinwagen im Winter auf Islands Ringstraße fährt?

Es gibt Vieles zu beachten! Man muss sich erst mal sicher sein, dass es mit dem Wetter klappt. Das heißt, sich auf der Homepage der Isländischen Wetterzentrale (veðurstofa) zu erkundigen und sicher sein, dass es keinen Schneesturm gibt. Was immer häufiger vorkommt ist, dass Reisende sich Kleinwagen mieten, die ohne Nagelreifen auf der Straße fahren. Falls es viel schneien sollte sitzen diese Wagen auf der Straße fest und blockieren diese, bis der Isländische Rettungsdienst mit spezialausgerüsteten Wagen zur Rettung kommt. Sehr typisch sind auch Reisende, die kein English sprechen und die Vorschriften des Autovermieters nicht verstehen. Bei neuen Autos ist es ausreichend, an vielen Orten in der Welt nur das Tagfahrlicht an zu haben, was dann dazu führt, dass die Rücklichter abgeschaltet sind und die Autos im Schneesturm unerkennbar sind; was oft Unfälle hervorruft. Schalte die Lampen auf die normale Einstellung, wie man es bei normalen Dunkelheitsverhältnissen macht, so dass die Rücklichter an sind. In Island ist es immer Pflicht, mit Licht zu fahren, auch im Sommer, wenn es  fast zwanzig Stunden lang hell ist.

Was man auch im Voraus bedenken sollte ist, was man mitbringt. Essen beziehungsweise Lebensmittel sind teurer auf dem Land als in den billigeren Supermärkten in Reykjavik. Was aber bei dieser Frage vor allem wichtig ist, sind die Dinge, die man für die Sicherheit mitbringt: Winterkleidung ist sehr wichtig, denn man kann im Stau landen oder das Auto kann stecken bleiben und im schlimmsten Fall vom Weg abgetrieben werden. Temperaturschwankungen im Winter können sehr extrem sein und man muss darauf vorbereitet sein im Schneesturm den warmen Wagen verlassen zu müssen um zu schieben oder im schlimmsten Falle Hilfe zu holen. Alle anderen Sicherheits-Gegenstände sollten wenn möglich mitgebracht werden. Dazu gehört: Verbandskasten, Werkzeug, Taschenmesser, Notproviant, Ersatzkleidung, Zelt, Schlafsäcke, Schaufel, Salz oder Sand etc. 

Winterfahrt zu der Gletscherlagune Jökulsárlón

Meine Frau Katrina und meine Tochter Mira Sol bei Hvolsvöllur. Hinter ihnen steht unser Hyundai i10, mit dem wir die Tour gefahren sind. 

Die Landschaft war schneefrei und die Wettervorhersage war gut. Das Gras hatte seine gelbe Winterfarbe und wir hatten den Plan, bis nach Gerði bei Jökulsárlón in einem Ruck zu fahren, ohne viele Stopps auf dem Weg zu machen. So fuhren wir bei den schönen Wasserfällen in Südisland vorbei und machten nur einen technischen Stopp bei Hvolsvöllur und hielten bei dem Bauernhof Þorvaldeyri, wo wir einen Blick auf den Eyjafjallajökull-Vulkan und Gletscher werfen konnten. Mittagessen hatten wir in Vík, aber als wir weiter fuhren bemerkten wir, dass die Landschaft und die Berge voll verschneit waren. Ich rief die Straßenauskunft unter der 117 an, die erklärte, dass der Weg nach Jökulsárlón befahrbar wäre und das auch mit einem Kleinwagen wie meinem möglich sei. 

Was sollte man auf der Ringstraße mit einem Auto im Winter auf Island beachten?

Die Höchstgeschwindigkeit auf der Ringstraße sind 90 Stundenkilometer. Wenn man durch Ortschaften fährt ist die Höchstgeschwindigkeit oft 50 oder weniger. Die Straßen sind in der Winterzeit oft verschneit und unter dem Schnee liegt Eis. Wichtig ist, sich die Homepage der Isländischen Straßenverwaltung anzusehen, die Auskunft über Windstärke, gesperrte Straßen und Vereisung der Straßen gibt. Das Wetter auf Island ist unberechenbar und Wettervorhersagen nur zu 80% genau. Der Wind zum Beispiel kann plötzlich in einer Druckwelle den Wagen von der Straße treiben. Das kann geschehen, wenn der Wind sehr stark ist. Die Homepage der Straßenverwaltung gibt die Normalwindstärke an, ebenso wie stark der Wind sein kann, wenn er bläst. Bei starkem Wind immer langsamer fahren und auch bei vereisten Straßen, denn das verringert die Gefahr eines Unglückes. Auch können sich im Asphalt im Winter Öffnungen gebildet haben, die Schäden an Reifen und Fahrwerk verursachen, ganz besonders, wenn diese Löcher wegen schnellem Fahren nicht berücksichtigt werden, oder weil sie vom Schnee zugedeckt sind. Solche Straßenschäden werden im Winter nicht oft repariert. Viele unerfahrene Fahrer fahren viel zu schnell und über der Höchstgeschwindigkeit hinaus und müssen oft heftig Strafen zahlen, wegen Geschwindigkeitskameras, die von der Isländischen Polizei neben der Straße installiert sind. Auch manche Einheimische fahren zu schnell, diese kennen sich aber besser aus und kennen oft genau die Stelle, wo eine Geschwindigkeitskontrolle stattfindet. Wenn man auf der Straße ist und fast von frechen Autofahrern in den Rücken gestupst wird, dann sollte man die, die es eilig haben, einfach überholen lassen. 

Kurze Aufnahme mit meiner Kitvision-Kamera zeigt den Zustand der beschneiten Landschaft und der Straßen. 

Gegen etwa fünf Uhr am Nachmittag schafften wir es zur Gletscherlagune, nachdem wir auf dem Skeiðarásandur einen Halt gemacht hatten, wo 1996 wegen eines Vulkanausbruches bei Grímsvötn die große Flutwelle runterkam und 12 Kilometer der Ringstraße und zwei Brücken mit sich riss. Der Besuch der Gletscherlagune war ein einzigartiges Erlebnis für mich und meine Frau, die sich aber über die Sicherheit unserer Tochter Sorgen machte. Aber unsere Tochter warf nur mutig Steine ins Wasser, das ganzjährig nur zwei Grad hat und dessen Gefahr von Reisenden oft unterschätzt wird, da sich die Eisberge im Wasser plötzlich drehen können. 

Winterfahrt zu der Gletscherlagune Jökulsárlón

Meine Tochter Mira wirft Steine in die Lagune. 

Am Abend übernachteten wir bei Gerði in einer schlichten Unterkunft, speisten und gingen schlafen. Am nächsten Morgen wurde ich gleich besorgt, als ich aus dem Fenster schaute. Es war alles zugeschneit und hatte nicht aufgehört zu schneien. Wir führen gleich nach dem Frühstück los, denn es war östlich von Vík viel Schneefall angesagt. Der Weg zurück führte über viele einspurige Brücken. Als wir uns Vík um die Mittagszeit näherten stellten wir fest, dass wir dem Winter davongefahren wahren. Wir schauten uns in aller Ruhe Südisland mit dem schwarzen Strand Reynisfjara, die Wasserfälle Skógar- und Seljalandsfoss sowie das Skógar-Museum an. Eine Nacht verbrachten wir in Hella in einer Hütte. Und nach der Reise sagte meine Frau: „Diese Reise war die schönste bisher, noch viel schöner als unser Spanienurlaub“.  

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