Ist es hier wirklich so düster, wie man uns weißmachen will?

 

Aktuell sorgt ein Buchkapitel über Island, geschrieben vom deutschen Satiriker Oliver Maria Schmitt, für anregende Diskussionen in den islandbezogenen Medien. Mit seinem Abschnitt „Sachliche Betrachtung einer Insel (Island)" aus seinem Buch "Ich bin dann mal Ertugrul. Traumreisen durch die Hölle und zurück." provoziert der ehemalige Titanic Chefredakteur Schmitt recht unterschiedliche Reaktionen mit seinem satirischen Reisebericht über Island.

Mit Aussagen wie: „Island ist so groß und tot wie die DDR. [...] Als Immobilie ist das Land gescheitert, es gilt als unvermietbar und ist bis unter die Erde in einem beklagenswerten, umfassend ruinierten Zustand. [...] Nachts ist es stockdunkel, oft monatelang. Die Naturgesetze werden nicht befolgt, von keinem. Wer versucht, diese rettungslos pornographische Insel zu verlassen, wird harpuniert“ und so weiter, und so fort, hat er für die ein oder andere Diskussion innerhalb der deutsch-isländischen Fangemeinde gesorgt. Auf der anderen Seite kann ich mir vorstellen, dass er andererseits ziemlich genau den doch recht schwarz angehauchten Humor der Isländer trifft. Ich will hier gar nicht so sehr darauf eingehen, ob die schriftlichen Reiseerlebnisse des Herrn Schmitt nun lustig sind oder nicht oder ob es überhaupt Satire ist? Ich persönlich habe hier und da ein wenig geschmunzelt (aber auch nicht überall) und bin erstaunt, wie viele dunkle Seiten der Isländer er in nur einem Islandbesuch herausfinden konnte. Das ist mir in über drei Jahren nicht gelungen und ich habe vor wenigen Monaten erst den schlimmsten Winter meines Lebens (üb)erlebt. Auch braucht Herr Schmitt keine Strafverfolgung zu befürchten, das isländische Gesetz gegen Blasphemie wurde gerade erst aufgehoben. ;-) Ich möchte an dieser Stelle auch an ein Zitat von Kurt Tucholsky erinnern:  „Satire darf alles“, und für mein Empfinden hat dieser Satz in Island deutlich mehr bestand, als anderswo. Was für uns Deutsche aufgrund unseres geschichtlichen Hintergrunds manchmal befremdlich ist (Witze auf Kosten anderer Länder und Nationen), ist nach meinen Erfahrungen ganz normaler Spaßalltag hier in Island. Anstatt nun also weiter auf einem (sowieso) auf Polarisierung ausgelegten Artikel von Oliver Maria Schmitt herumzureiten (warum haben sog. Intelektuelle eigentlich immer zwei Vor- oder Nachnamen?), anbei und im Gegenzug ein paar (wie ich finde) lustige Beispiele isländischem Humors:

Jón Gnarr: Punk, Comedian, Ex-Bürgermeister von Reykjavik  

Der wohl bekannteste Comedian der Insel ist Jón Gnarr, der eine wohl einmalige wie auch beindruckende Laufbahn in seinem Leben eingeschlagen hat. In einem sehenswerten Städteportrait von ORF/3sat präsentiert er "sein" Reykjavík, wo man natürlich auch eine Menge über seine Person und Werdegang erfährt. Eins kann man sagen, und das erlebe ich hier in Island immer wieder, sich über andere Nationen lustig zu machen gehört hier mehr oder weniger zum Alltag. So auch Jón Gnarr, der sich über die ehemalige Besatzungsmacht Dänemark und deren (aus seiner Sicht) über die Jahrhunderte degenerierte nordische Sprache lustig macht.

Auch wir Deutschen kriegen unser Fett weg. Alle, die schon einmal in die CD-Compilation „No Regrets“, zusammengestellt von Adolf Hitler, reinhören wollten können das nun jetzt und hier, direkt und online tun:

Cloud of Ash

Oder „Wolken aus Asche“. Davon gibt es in Island jede Menge. Erst vor kurzem wurde die Webserie „Cloud of Ash“ veröffentlicht, die sich über Touristen und Isländer gleichermaßen lustig macht. Auch hier kriegen wir Deutschen natürlich wieder unser Fett weg, dieses Mal in Form eines nörgelnden Hipstertouristen mit deutschem Akzent. Für mich erfrischend anders, aber muss man halt mögen (ich mag´s):

Aber auch Selbsthumor ist den Isländern alles andere als fremd. In einem anderen Webvideo nimmt die Cloud of Ash Truppe den Walfang in Island aufs Korn:

Huglaukur Dagsson

Wem das bisher gezeigte schon reicht, der sollte jetzt lieber nicht weiterlesen, denn Huglaukur Dagsson setzt dem ganzen mit seinen Comics die Krone des vermeintlich schlechten Geschmacks auf. Unter dem Titel „Finden Sie DAS etwa komisch“ erschienen seine Werke auch in deutscher Sprache und sind voll von bitterbösen, gesellschaftskritischen Cartoons. In Island sind diese längst ein Kultklassiker. Die Hauptzutaten sind: Mord, Sex, Fäkalien und dann noch einmal mehr Mord, Sex und Fäkalien. Ein deutscher Amazon-Rezensent schreibt: „HUMOR! Jedoch nicht für jeden - In dem hier beschriebenen Werk geht es um eine Art der Gesellschaftskritik die sich kein Tabu verbietet. Man muss schon differenziert auf die Comics blicken, um über diesen Humor herzlich lachen zu können. Doch nehmen Sie es nicht zu hart und verschließen Sie nicht die Augen vor der Realität und man kann sich das Buch 100fach anschauen... und lachen.“

Verifizierte Islandexperten auf Guide to Iceland können kostenlos Reiseleistungen testen, um ihre persönlichen Erlebnisse anschließend hier zu teilen.  Dies ist ein Blog über Guide to Iceland

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