Auto fahren in Island

Autofahren in Island ist ein klein wenig anders. Und dass ich nach fünf Wochen wieder zu Hause bin, merke ich daran, wie hektisch und aggressiv auf der Straße miteinander umgegangen wird. Die Isländer fahren im Allgemeinen gerne zügig (Innerorts 50 bzw 30 km/h, außerhalb 90 km/h, Schotterpisten 80 km/h). In der Regel rast hier niemand. Man hat einfach Zeit. Die Strafen wären drakonisch. Man nimmt Rücksicht aufeinander und vor allem auf jene, z. B. Reisende, die sich nicht ganz sicher fühlen in der neuen Umgebung. Fußgänger haben immer Vorrang. Und sobald Fußgänger nur den Anschein erweckt, die Straße überqueren zu wollen, hält man an und lässt ihn gewähren. Egal ob ein Zebrastreifen vorhanden ist oder nicht. Das ist Rücksichtsvoll. Das ist höflich. 

Noch etwas Grundlegendes: Es besteht Lichtpflicht, es besteht Gurtpflicht für alle Fahrzeuginsassen und für Kinder eine Kindersitzpflicht (jeder Autovermieter vermietet auch Kindersitze; Strafe ca. 220 €), Telefonieren ist nur mit einer Freisprecheinrichtung gestattet, bei Tierunfällen ist es Pflicht die Polizei zu verständigen, beim Fahren unter Alkoholeinfluss (Grenze 0,5 Promille) drohen Bußgelder ab etwa 590 Euro.

Viele Kreisverkehre und Temposchwellen drosseln die Geschwindigkeit. Wenn man sich jedoch erst einmal daran gewöhnt hat, sich darauf eingelassen hat, wird man schnell merken, wie zügig und überaus entspannt man auf diese höfliche Art und Weise mit dem PKW voran kommt. Sicher, es spielt auch die viel geringere Verkehrsdichte eine Rolle. Größere Entfernungen lassen sich so in einer angemessenen Zeit bewerkstelligen. Man kann getrost eine Tagestour von mehr als 300 km in Angriff nehmen und es bleibt immer noch Zeit für eine Wanderung. So genau man seine Islandreise auch plant, man wird seinen Zeitplan nie wirklich einhalten können. Es kommt immer etwas dazwischen: Ein toller Ausblick hinter der Kurve, das Wetter, der Straßenzustand... Lehnt Euch zurück und nehmt Euch einfach die Zeit, die Ihr braucht. 

geringe Verkehrsdichte

Es gibt jedoch auch einige Besonderheiten im Verkehr. Mit denen jedoch kommt man, hat man sich auf diese entspannte und vorausschauende Art des Autofahrens erst einmal eingelassen, recht gut zurecht:

Zum Ersten wären da die einspurigen Brücken. Man fährt umsichtig heran und kann immer das andere Brückenende sehen. Wer also als Erster an der Brücke ist, der überquert sie auch als Erster. Der andrer Fahrer wartet. Nach einem schweren Unfall im vergangenen Dezember wird die Geschwindigkeit beim überqueren der Brücke auf 50 km/h herabgesetzt.

Dann gibt es noch einspurige Tunnel. Hier gibt es eine Fahrtrichtung die Vorrang hat. Die entgegengesetzte Fahrrichtung ist nachrangig und muss in entsprechende Buchten ausweichen und dort verharren, bis der Verkehr der vorrangigen Fahrrichtung das jeweilige Teilstück passiert hat. Ist die Fahrspur frei, fährt man weiter. Taucht der vorrangig geführte Gegenverkehr auf, weicht man erneut aus und wartet. Hierbei ist Sicherheitsabstand und das Einhalten der vorgeschriebenen Geschwindigkeit von entscheidender Bedeutung. Und nie die Nerven verlieren, auch wenn man sich mal verschätzt hat. Es findet sich eine Lösung.

Blinde Hügel gibt es in Hülle und Fülle. Da hier niemand weiß, was auf einen zukommt ist hier besondere Vorsicht und Umsicht geboten. Besonders auf den Schotterpisten. Denn hier wird auch gerne einmal die andere Fahrspur genutzt, wenn es diejenige Seite der Straße ist, die sich besser befahren lässt. Oder, es gibt nur eine Fahrspur, die sich in Laufe der Zeit auf der Piste etabliert hat.

Logisch, dass man auch mit Schafen, Pferden oder plötzlich haltenden Touristen, die selbige fotografieren wollen rechnen muss. Auch Wanderer, und sehr beliebt bei isländischen Autofahrern, Fahrradfahrer können plötzlich am Straßenrand auftauchen und sind besonders in Dämmerung eine Gefahr, da es so gut wie keine Standstreifen an den Straßen gibt. 

Trampen ist nicht ungewöhnlich und gilt allgemein als sicher. Ist zwar eine kostengünstige Variante des Reisens, kann aber auf Grund geringer Verkehrsdichte auch eine sehr langwierige Angelegenheit werden.

Kaum noch erkennbare Strasse im Winter

Das ungewöhnlichste aber sind die Straßen selbst. Es gibt asphaltierte Straßen, aber es gibt noch viel mehr nicht asphaltierte Strassen und darunter sind auch reichlich unangenehme Schotterpisten. Die Straßenzustände dieser "Gravel Roads" ändern sich ständig und vor allem in Abhängigkeit vom Wetter. Besondere Vorsicht ist an dem Übergängen zwischen den asphaltierten Straßen und den Schotterpisten geboten! Das man auf den unbefestigten Straßen 80km/h fahren darf, heißt nicht, dass man es auch tun sollte. Gerade bei Gegenverkehr, wenn man also den ausgefahren Fahrweg verlassen muss, um Platz zu schaffen, kann man auf dem losen Untergrund schnell die Bodenhaftung verlieren.

Schotterpiste

Und dann sind da noch die F-Straßen. Diese führen vornehmlich in und durch das Hochland (sind im Winter gesperrt) und können für einen Fahrer eine echte Herausforderung sein.Vor Fahrtantritt sollte man sich mit Hilfe einer aktuellen Straßenkarte darüber informieren, was einen bei einer bevorstehenden Tour erwartet und ob das jeweilige Fahrzeug auch für F-Strassen geeignet ist. Es gibt Straßen, für die ist Allradantrieb vorgeschrieben. Und wenn solch ein Schild (4x4)  am Straßenrand einmal auftaucht, dann steht das auch wirklich nicht zum Spaß da. Das ist ernst gemeint! Und man tut gut daran, sich daran zu halten. Mit einem Allradfahrzeug ist man generell gut beraten. Wer sich also einen Mietwagen bucht, der sollte sich gut überlegen, welche Wege er damit zurücklegen möchte. Ich habe auf meinen Reisen, auch innerhalb einer Reise, für verschiedene Abschnitte und verschiedene Erfordernisse auch verschiedene Fahrzeuge angemietet. Von einem Kleinwagen für die Stadt, einem kleinen SUV für Alltägliches, bis hin zu einem großen Geländewagen für Fahrten ins Hochland. In jedem Falle sollte man seine Fähigkeiten und Grenzen und die seines jeweiligen Autos kennen. Das heißt: Man sollte wissen, wie hoch das Wasser eines Flusses sein darf, den man vielleicht auf einer Fahrt ins Hochland zu durchfahren hat. Das heißt Wattiefe und kann für jedes Fahrzeug nachgeschlagen werden. Auch selbstverständlich, dass man vor dem Furten, die Wassertiefe kontrolliert...Und man sollte sich auch über die notwendigen (und nicht notwendigen) Versicherungen informieren und welche Schäden abgedeckt sind. Die Selbstbeteiligung ist recht hoch. Grundlegend sind Schäden, die bei Flussdurchfahrten entstehen nicht versichert, ebenso wie Schäden an den Reifen. Nähre Auskünfte dazu erteilt der Autovermieter.

F-Strasse

Noch etwas: Man geht in Island recht sparsam mit Warnschildern um. Wenn schon ein warnendes Verkehrsschild auftaucht, dann hat es mit Sicherheit seine Berechtigung und man sollte es zwingend erst nehmen.

Warnung vor Steinschlag

Auch wenn es verlockend erscheint, das Off-Road-Fahren ist streng verboten und die Strafen für Verstöße sind sehr hoch. Ebenso ist wildes campen nicht mehr erlaubt. 

Das Wetter ist wohl die größte Unwägbarkeit Islands. Das darf man nie unterschätzen. Es ändert sich unglaublich schnell und kann einen schnell in unangenehme Situationen bringen. Das gilt im Sommer, wie im Winter. Der Wind kann einen von der Straße wehen, besonders die Windböen haben es manchmal in sich.Da kommt man gemütlich aus einer Kurve um einen Berg und ehe man es richtig begreift, hat einen der Wind schon aus der Spur gedrückt. Hier ist Achtsamkeit und Konzentration oberstes Gebot. Im Winter kann eine gut befahrbare Straße, in kurzer Zeit durch Schneewehen oder Eisbildung unpassierbar werden. Und bei Regen im Sommer (gibt’s sehr häufig in Island), wird aus einer kleinen nicht asphaltierten Straße plötzlich eine große Herausforderung.

Auch von Bergen über die Strassen wehender Schnee kann gefährlich werdenIch hatte in letzten Jahr meinen ersten „Whiteout“, d.h. einen Schneesturm so dicht und plötzlich, dass ich nicht einmal mehr das Ende meiner Motorhaube erkennen konnte. Etliche Fahrzeuge kamen an diesem Tag von der Straße ab oder steckten für viele Stunden im Schnee fest. Da hilft es nur noch, sich einen sicheren Parkplatz zu suchen und zu abzuwarten. Schnell kann man bei dem von Bergen heruntergewehten Schnee die Orientierung verlieren (gilt auch für Wanderungen). Wer das Fahren bei Wind, Eis und Schnee nicht gewöhnt ist, der sollte sehr vorsichtig an die Sache herangehen. Im Winter sind alle Mietwagen mit Spikes ausgerüstet und das macht das Fahren eindeutig leichter und sicherer. Wer also im Herbst in Island unterwegs ist, sollte seinen Autovermieter fragen, ob die Fahrzeuge bereits mit Spikes ausgerüstet sind bzw., wenn man weiß es könnte Schnee auf der Reise geben, auf ein Fahrzeugs mit Spikes bestehen. Lässt sich meistens durch einen kurzen Anruf klären. Besondere Gefahren lauern bei Temperaturen um den Gefrierpunkt durch plötzlich auftretende Glätte auf Brücken und auf Straßenabschnitten an der Küste. Hier kann es durch die Wetterbedingungen rund um die Insel und die Temperaturschwankungen von - sagen wir Fjord zu Fjord - zu plötzlich auftretender Straßenglätte kommen. 

Unwägbares Wetter

Mein Tipp: Immer eine gute Wetter-App ( z.B. vedur.is) dabei haben und auch benutzen! Vor jedem Fahrtantritt, aber auch zwischendurch, Wetter und Straßenzustand (auch gesperrte Straßen) bei road.is checken oder unter der Telefonnummer 1777 erfragen. Immer für einen vollen Tank sorgen, Essen und Getränke dabei haben und auch ein Schlafsack oder eine Decke. Eine Schaufel kann auch sehr nützlich sein. Denn steckt man einmal fest, kann es eine Weile dauern, bis Hilfe kommt, denn einige Straßen sind nur sehr wenig befahren. Bleibt im/am Fahrzeug und macht euch nicht zu Fuß auf den Weg. Wartet auf Hilfe. In Island gilt, man hilft einander so gut es geht. Einen Pannenservice im herkömmlichen Sinne gibt es hier nicht. Bei einer Panne ruft man den Mietwagenverleih an oder erkundigt sich bei savetravel.is nach der nächsten Servicestation oder Werkstatt. Bei einem Notfall oder Unfall wählt man die Notrufnummer 112. Hier gibt auch eine sehr nützliche App, wo Autfoahrer, aber auch Wanderer, ihre Routen mit, geplanten Zielen und voraussichtlichen Ankunftszeiten angeben kann. Erscheint man nicht zur entsprechenden Zeit am entsprechenden Ort, werden Such- und Rettungskräfte alarmiert. Und damit man seine eigene Position auch kennt, ist eine gute GPS-App, die einem die genauen Standortkoordinaten angibt empfehlenswert.

Noch ein Hinweis für die Nordlichtjäger, die im Winter auf Islands Straßen unterwegs sind: Bitte behaltet die Augen auf der Strasse. In letzter Zeit passieren immer wieder Unfälle, weil die Fahrer auf Nordlichtjagd, mehr in den Himmel , als auf die Strasse geschaut haben. Der Fahrer fährt, der Beifahrer hält Ausschau!

Gegenseitige Starthilfe

Wer also unabhängig von allem in Island unterwegs sein möchte, der kommt an einem Mietwagen kaum vorbei. Auch wenn es ratsam ist, im Vorfeld ein Fahrzeug zu buchen, habe ich es noch nie erlebt, dass man nicht auch sehr kurzfristig ein Auto mieten konnte. Macht Euch Gedanken, welche Strecken ihr fahren wollt und wählt die Art eures Fahrzeuges dementsprechend. Budgetschonend ist eine Kombination aus Bus und Mietwagen.

Für den Sommer gibt es verschiedene Buspässe für ganz unterschiedliche Touren und Rundfahrten. Das Busunternehmen Strætó bietet einen Linienbusverkehr zu den größeren Orten und eignet sich gut für das Fortkommen in und um Reykjavik. Je weiter man sich jedoch von der Hauptstadtregion entfernt, desto geringer wird die Taktung. Schaut genau hin, mache Orte werden nur einmal am Tag angefahren. Auch das Fliegen innerhalb Islands kann durchaus eine echte Alternative sein.

Fahren mit dem Auto

Wer länger in Island ist, kann sich in Sachen Mietwagen auf satte Rabatte freuen. Hierbei ist mir besonders der Anbieter Arctic Cars aufgefallen, der in meinen Augen für eine Fahrzeuganmietung ab mehr als 30 Tagen, den besten Rabatt in Kombination mit dem umfangreichsten Versicherungspaket angeboten hat. Klar geht es günstiger, aber dann schlagen die optionalen Versicherungen wieder zu kräftig zu Buche. Bitte bedenkt, bei einem langen Aufenthalt und vielen Kilometern auf der Uhr, kann auch eine Menge passieren. Aber für seinen Versicherungsschutz, ist ja jeder selbst verantwortlich. 

Zu guter Letzt noch ein witziges und sehr lehrreiches Video (Englisch) zum isländischen Straßenverkehr.

Viel Spaß & allzeit gute Fahrt!

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