Auto fahren in Island

Autofahren in Island ist ein klein wenig anders. Und dass ich nach fünf Wochen wieder zu Hause bin, merke ich daran, wie hektisch und aggressiv auf der Straße miteinander umgegangen wird. Die Isländer fahren im Allgemeinen gerne zügig. Aber in der Regel rast hier niemand. Die Strafen wären drakonisch. Man nimmt Rücksicht aufeinander und vor allem auf jene, z. B. Reisende, die sich nicht ganz sicher fühlen in der neuen Umgebung. Fußgänger haben immer Vorrang. Und sobald Fußgänger nur den Anschein erweckt, die Straße überqueren zu wollen, hält man an und lässt ihn gewähren. Egal ob ein Zebrastreifen vorhanden ist oder nicht. Das ist Rücksichtsvoll. Das ist höflich. 

Viele Kreisverkehre und Temposchwellen drosseln die Geschwindigkeit. Wenn man sich jedoch erst einmal daran gewöhnt hat, sich darauf eingelassen hat, wird man schnell merken, wie zügig und überaus entspannt man auf diese höfliche Art und Weise mit dem PKW voran kommt. Sicher spielt auch die viel geringere Verkehrsdichte eine Rolle. Größere Entfernungen lassen sich so in einer angemessenen Zeit bewerkstelligen. Man kann getrost eine Tagestour von mehr als 300 km in Angriff nehmen und es bleibt immer noch Zeit für eine Wanderung.

geringe Verkehrsdichte

Es gibt jedoch auch einige Besonderheiten im Verkehr. Mit denen jedoch kommt man, hat man sich auf diese entspannte und vorausschauende Art des Autofahrens erst einmal eingelassen, recht gut zurecht:

Zum einen wären da die einspurigen Brücken. Man fährt umsichtig heran und kann immer das andere Brückenende sehen. Wer also als Erster an der Brücke ist, der überquert sie auch als Erster.

Dann gibt es noch einspurige Tunnel. Hier gibt es eine Fahrtrichtung die Vorrang hat. Die entgegengesetzte Fahrrichtung ist nachrangig und muss in entsprechende Buchten ausweichen und dort verharren, bis der Verkehr der vorrangigen Fahrrichtung das jeweilige Teilstück passiert hat. Ist die Fahrspur frei, fährt man weiter. Taucht der vorrangig geführte Gegenverkehr auf, weicht man erneut aus und wartet. Hierbei ist Sicherheitsabstand und das Einhalten der vorgeschriebenen Geschwindigkeit von entscheidender Bedeutung. Und nie die Nerven verlieren, auch wenn man sich mal verschätzt hat. Es findet sich eine Lösung.

Blinde Hügel gibt es in Hülle und Fülle. Da hier niemand weiß, was auf einen zukommt ist hier besondere Vorsicht und Umsicht geboten. Besonders auf den Schotterpisten. Denn hier wird auch gerne einmal die andere Fahrspur genutzt, wenn es diejenige Seite der Straße ist, die sich besser befahren lässt.

Logisch, dass man auch mit Schafen, Pferden oder plötzlich haltenden Touristen, die selbige fotografieren wollen rechnen muss. Auch Wanderer und sehr beliebt, Fahrradfahrer können plötzlich am Straßenrand auftauchen.

Trampen ist nicht ungewöhnlich und gilt allgemein als sicher. Ist zwar eine kostengünstige Variante des Reisens, kann aber auf Grund geringer Verkehrsdichte auch eine sehr langwierige Angelegenheit werden.

Das ungewöhnlichste aber sind die Straßen selbst. Es gibt asphaltierte Straßen, es gibt viele nicht asphaltierte Strassen und ziemlich unangenehme Schotterpisten. Vor Fahrtantritt sollte man sich mit Hilfe einer aktuellen Straßenkarte darüber informieren, was einen bei einer bevorstehenden Tour erwartet. Es gibt Straßen, für die ist Allradantrieb vorgeschrieben. Und wenn solch ein Schild (4x4) einmal auftaucht, dann steht das auch wirklich nicht zum Spaß da. Das ist ernst gemeint! Und man tut gut daran, sich daran zu halten. Mit einem Allradfahrzeug ist man generell gut beraten. Wer sich also einen Mietwagen bucht, der sollte sich gut überlegen, welche Wege er damit zurücklegen möchte. Ich habe auf meinen Reisen, auch innerhalb einer Reise, für verschiedene Abschnitte und verschiedene Erfordernisse auch verschiedene Fahrzeuge angemietet. Von einem Kleinwagen für die Stadt, einem kleinen SUV für Alltägliches, bis hin zu einem großen Geländewagen für Fahrten ins Hochland. In jedem Falle sollte man seine Fähigkeiten und Grenzen und die seines jeweiligen Autos kennen. Das heißt: Man sollte wissen, wie hoch das Wasser eines Flusses sein darf, den man vielleicht auf einer Fahrt ins Hochland zu durchfahren hat. Das heißt Wattiefe und kann für jedes Fahrzeug nachgeschlagen werden.

Auch wenn es verlockend erscheint, as Off-Road-Fahren ist streng verboten und die Strafen für Verstöße sind sehr hoch. Ebenso ist wildes campen nicht mehr erlaubt. 

Das Wetter ist wohl die größte Unwägbarkeit Islands. Das darf man nie unterschätzen. Es ändert sich unglaublich schnell und kann einen schnell in unangenehme Situationen bringen. Das gilt im Sommer, wie im Winter. Der Wind kann einen von der Straße wehen, besonders die Windböen haben es manchmal in sich. So kann im Winter eine gut befahrbare Straße, in kurzer Zeit durch Schneewehen unpassierbar werden. Und bei Regen im Sommer (gibt’s sehr häufig in Island), wird aus einer kleinen nicht asphaltierten Straße plötzlich eine große Herausforderung. Ich hatte in diesem Jahr meinen ersten „Whiteout“, d.h. einen Schneesturm so dicht und plötzlich, dass ich nicht einmal mehr das Ende meiner Motorhaube erkennen konnte. Etliche Fahrzeuge kamen an diesem Tag von der Straße ab oder steckten für viele Stunden im Schnee fest. Wer das Fahren bei Wind, Eis und Schnee nicht gewöhnt ist, der sollte sehr vorsichtig an die Sache herangehen. Gerade im Herbst bekommt man von allem etwas, Sonne, Regen, Wind und Schnee. Noch sind die Autovermieter dabei die Fahrzeuge mit Spikes auszurüsten. Bei Schneefall ist das Fahren mit Spikes eindeutig leichter. Wer also im Herbst in Island unterwegs ist, sollte seinen Autovermieter fragen, ob die Fahrzeuge bereits mit Spikes ausgerüstet sind bzw., wenn man weiß es könnte Schnee auf der Reise geben, auf ein Fahrzeugs mit Spikes bestehen. Lässt sich meistens durch einen kurzen Anruf klären.

Mein Tipp: Immer eine gute Wetter-App ( z.B. vedur.is) dabei haben und auch benutzen. Vor jedem Fahrtantritt, aber auch zwischendurch, Wetter und Straßenzustand (auch gesperrte Straßen) bei road.is checken oder unter der Telefonnummer 1777 erfragen. Immer für einen vollen Tank sorgen, Essen und Getränke dabei haben und auch ein Schlafsack oder eine Decke können nützlich sein. Denn steckt man einmal fest, kann es eine Weile dauern, bis Hilfe kommt, denn einige Straßen sind nur sehr wenig befahren. Bleibt im/am Fahrzeug und macht euch nicht zu Fuß auf den Weg. Wartet auf Hilfe. In Island gilt, man hilft einander so gut es geht. Einen Pannenservice im herkömmlichen Sinne gibt es hier nicht. Bei einer Panne ruft man den Mietwagenverleih an oder erkundigt sich bei savetravel.is nach der nächsten Servicestation oder Werkstatt. Bei einem Notfall oder Unfall wählt man die Notrufnummer 112. Hier gibt auch eine sehr nützliche App, wo Autfoahrer aber auch Wanderer ihre Routen mit geplanter Route, geplanten Zielen und voraussichtlichen Ankunftszeiten angeben kann. Erscheint man nicht zur entsprechenden Zeit am entsprechenden Ort, werden Such- und Rettungskräfte alarmiert.

Gegenseitige Starthilfe

Wer also unabhängig von allem in Island unterwegs sein möchte, der kommt an einem Mietwagen kaum vorbei. Auch wenn es ratsam ist, im Vorfeld ein Fahrzeug zu buchen, habe ich es noch nie erlebt, dass man nicht auch sehr kurzfristig ein Auto mieten konnte. Macht Euch Gedanken, welche Strecken ihr fahren wollt und wählt die Art eures Fahrzeuges dementsprechend. budgetschonend ist eine Kombination aus Bus und Mietwagen.

Für den Sommer gibt es verschiedene Buspässe für ganz unterschiedliche Touren und Rundfahrten. Das Busunternehmen Strætó bietet einen Linienbusverkehr zu den größeren Orten und eignet sich gut für das Fortkommen in und um Reykjavik. Je weiter man sich jedoch von der Hauptstadtregion entfernt, desto geringer wird die Taktung. Schaut genau hin, mache Orte werden nur einmal am Tag angefahren. Auch das Fliegen innerhalb Islands kann durchaus eine echte Alternative sein.

Fahren mit dem Auto

Wer länger in Island ist, kann sich in Sachen Mietwagen auf satte Rabatte freuen. Hierbei ist mir besonders der Anbieter Arctic Cars aufgefallen, der in meinen Augen für eine Fahrzeuganmietung ab mehr als 30 Tagen, den besten Rabatt in Kombination mit dem umfangreichsten Versicherungspaket angeboten hat. Klar geht es günstiger, aber dann schlagen die optionalen Versicherungen wieder zu kräftig zu Buche. Bitte bedenkt, bei einem langen Aufenthalt und vielen Kilometern auf der Uhr, kann auch eine Menge passieren. Aber für seinen Versicherungsschutz, ist ja jeder selbst verantwortlich. 

Zu guter Letzt noch ein witziges und sehr lehrreiches Video (Englisch) zum isländischen Straßenverkehr.

Viel Spaß & allzeit gute Fahrt!

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