Die Halbinsel Reykjanes, ca. eine Autostunde südlich von Reykjavik, bietet eigentlich alles, was man von Island erwartet: ein aktives Vulkangebiet (das aktivste Islands) mit heißen Quellen, Lavafelder und bizarre Gesteinsformationen, Lavahöhlen, eine raue Meeresküste mit Steilhängen und Klippen und natürlich Hot Pots zum Erholen. Alles nur einen Katzensprung entfernt und somit wirklich ideal für jene, die ein paar Tage in der isländischen Hauptstadt verbringen. Einfach ein Auto gemietet und auf geht´s. Reykjanes eignet sich besonders für Tages- und Halbtagestouren und gehört für mich zu den spannendsten Orten des Landes.

Lupinen auf der Halbinsel Reykjanes

Meine folgende Zusammenstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, vermittelt aber hoffentlich einen Eindruck über die Vielfältigkeit der Region.

Schon die Fahrt von Reykjavik, man fährt immer in Richtung des internationalen Flughafens Keflavik, hält nur wenige Meter abseits der Hauptstraße (Route 41) einige spannende Dinge bereit. Man kann auf der Straße 420, parallel zur Straße 41, in Richtung Vogar an der Küste entlang fahren und dabei das Lavafeld Hvassahraun erkunden, oder die Kirche Kalfatjarnarkirkja besuchen. Besonders für Freunde von verlassen und morbiden Orten finden sich entlang dieser Straße schöne Motive. In den Wintermonaten bietet dieser Weg auch diverse schöne Spots, um Nordlichter zu fotografieren. Wer auf der Hauptstraße 41 bleibt passiert rechtsseitig das Feuerwehrmuseum. Hier lohnt ein Stopp in jedem Falle. Aber bitte vor einem Besuch anrufen.

Am Rande der Strasse 41

Von jetzt an hat man die Qual der Wahl. Wer es etwas ruhiger angehen möchte, der fährt weiter auf der 45 nach Garður. Dort gibt einen kleinen hübschen Leuchtturm und ein Restaurant. Folgt man der Hauptstraße kommt man nach Sandgerði, wo man einen Abstecher in das dortige Naturkundemuseum Fræðasetrið Nature Center machen sollte. Weiter geht es ganz gemütlich auf der Route 45, später 44, nach Hafnir.

Wer gleich das volle Programm Vulkanaktivität haben möchte, überspringt den ruhigen Teil und fährt von Reykjavik direkt über die Straßen 41, 44 und 425 nach Miðlína, der Brücke zwischen den Kontinenten Amerika und Europa. Und schon ist man mitten in der faszinierenden Welt der Geologie. Es ist wirklich nur ein Katzensprung, nur ein Steinwurf, zwischen den Kontinenten und wer nun auf der Brücke steht und sich so überhaupt nicht zwischen Hier oder Dort entscheiden mag, der stellt sich einfach total unentschieden in die Spalte dazwischen. Aber schon bei der Anfahrt kann man am Rand der Straße 42 an einigen Stellen halten und einfach den markierten Wanderwegen durch die Lavafelder folgen. Nehmen wir es als eine kleine Einstimmung.

Kontinentalspalte

Nächster Halt an der 425: Die heißen Quellen Gunnuhver. Und schon sind wir mitten drin im Hochtemperaturgebiet des Vulkansystems Reykjanes. Auf dem Weg zu den Hot Springs kommt man am Erdwärmekraftwerk (Reykjanes Power Plant) vorbei. Die Dauerausstellung ist für alle Geologiefans ein Muss. Nur ein paar Autominuten weiter in Richtung Küste, und das sollte man keineswegs auslassen, gleich hinter dem  Reykjanes Leuchtturm, kommt man zu den aus erstarrter Lava entstandenen und von der rauen See geformten Basaltsäulen an der Steilküste der Südspitze der Halbinsel. Hier geht es wettertechnisch bisweilen sehr rau zu. Wasserfeste Kleidung ist hier ein Muss. Die Brandung hat bei stürmischem Wetter und auflandigem Wind schon etliche Besucher klitschnass und sehr erschrocken zurückgelassen. Es ist ein bezaubernder Ort, der bei jeder Wetterlage neue Überraschungen bereithält, und den man sich nicht entgehen lassen sollte.

Reykjanes Leuchtturm

Grindavik, weiterhin der Route 427 folgend, eignet sich gut für einen kurzen Zwischenstopp und eine Tasse Kaffee, bevor man das Geothermalgebiet Seltun besucht. Den Kaffee holt man sich am besten „to go“, dazu eine Kleinigkeit zu essen, und veranstaltet ein Picknick am Fuße des Leuchtturms Hópsnesviti. Dorthin gelangt man zu Fuß oder mit dem Auto, erneut durch ein altes Lavafeld mit verlassenen Stallungen (wieder etwas für Leute auf der Suche nach „Lost Places“) auf der einen Seite, oder entlang alter Schiffswracks auf der anderen Seite.

Wrack am Leuchtturm Hopsnesviti

Zum Geothermalgebiet Seltun - Krýsuvík des  Krýsuvík-Vulkansystems gelangt man schließlich über die Straße 42. Dass man sich hier an einem aktiven Vulkan befindet erkennt man an dem Vorhandensein von Solfataren, die 100 °C bis 250 °C heiße Schwefelgase ausstoßen. Bei Sonnenschein kommen die vielen Farben der von den Gasen zersetzten Minerale erst so richtig zur Geltung. Aber auch im Winter, gerade bei kalter Umgebungstemperatur, ist das Aufsteigen der Dämpfe ein überaus beeindruckendes Naturschauspiel.

Seltun Geothermalgebiet

Eigentlich sollte jetzt ein ganzer Tag verstrichen sein. Aber wer dennoch weiter fahren möchte, dem sei ans Herz gelegt, auf die Straße 427 zurückzukehren und dem Fischerstädtchen Þorlákshöfn einen Besuch abzustatten, vorbei am Fluß Ölfusá auf der Route 34 erst nach Eyrarbakki  (hier kann man eines der ältesten Häuser Islands, heute ein Museum, besuchen), um dann weiter nach Stokkseyri zu fahren. Das dortige Restaurant Fjorubordid ist berühmt für seine Hummer.

Jahrhunderte altes Moos an der Route 380

Eine andere Möglichkeit ist es, von der 427 auf die recht ruppige Straße 380 abzubiegen. Hier durchfährt man recht einsames Weideland und wunderschöne, in Jahrhunderten mit Moos überwachsene Lavafelder, passiert den See Hlíðarvatn und gelangt schließlich zu der etwas versteckt gelegenen kleinen Lavahöhle Arnarker. Wenn man der Straße nun bis zum Ende folgt und auf die Route 39 in Richtung Reykjavik abbiegt kann man auch den großen und schönen Lavatunnel Raufarholshellir  besuchen. Von Reykjavik aus gibt es selbstverständlich auch eine Tour, die direkt zum Lavatunnel führt.  Eine weitere spannende Tagestour zu den Highlights der von Reykjanes findet ihr hier. 

Arnarker Lavahöhle

 

Kontaktiere Tobias