Gastartikel von Tina Bauer. 

Niemand kehrt von einer Reise so zurück, wie er aufgebrochen ist. Den Sinn dieses Satzes habe ich am eigenen Leib erfahren. Seit 2007 bin ich jedes Jahr in Island gewesen und habe insgesamt zwei Jahre in Reykjavík gelebt und dort auch als Text- und Fotojournalistin gearbeitet. Das Leben auf der Insel im Nordmeer und die Mentalität und Lebenseinstellung der Isländer haben mich verändert – mir vieles offenbart: erfüllte Träume, Kreativität, Geborgenheit, Gelassenheit, Sehnsüchte, Zeitlosigkeit. Es ist eine intensive Zeit mit Höhen und Tiefen, mit beeindruckenden Begegnungen mit Menschen gewesen – und dauert bis heute an.

Vergangenes Jahr habe ich versucht, meine ganz persönlichen Erfahrungen und Gefühle, die ich mit Island verbinde, in der Serie „Verleih´ mir Flügel“ fotografisch umzusetzen. Sechs Wochen war ich auf der Insel unterwegs. Fotografiert habe ich analog mit einer Minolta-Kleinbild-Spiegelreflexkamera. Die Farbigkeit der Bilder und die Motive sind nicht am Computer entstanden, sondern direkt beim Fotografieren. Erarbeitet habe ich  die Serie im Rahmen des Jahresseminars bei der Fotografin Linn Schröder an der Ostkreuzschule für Fotografie in Berlin. Hier teile ich nun meine sieben schönsten Momente, Augenblicke, Dinge oder Orte, die mich während meiner Reise rund um Island besonders berührt haben.

Offene Menschen in Seyðisfjörður

Blick in den Seyðisfjord in Ostisland

Seyðisfjörður – dies ist für mich ein besonderer Ort. Ich erinnere mich noch daran, wie ich 2007 das erste Mal dort war. Eines Nachts bin ich aufgewacht, habe mir meine Kamera geschnappt und bin durch den dunklen Ort gelaufen. Nebel lag über dem Fjord – ein magischer, schöner Moment. Es war still, nur der Flügelschlag einiger Seevögel war zu hören. Damals habe ich mir geschworen, einmal mit der Fähre nach Island zu kommen, um den Ort am Fuße der Berge vom Meer aus zu sehen – es ist ein Erlebnis wert! Besonders finde ich in Seyðisfjörður die Offenheit der Menschen gegenüber Kunst. Zahlreiche Künstler lebten und leben dort, jeden Sommer gibt es das Kunstfestival LungA. Empfehlenswert ist auch die Übernachtung in der Jugendherberge, besonders die Unterkunft ihm ehemaligen Krankenhaus ist wunderschön gestaltet mit einer großen gemütlichen Wohnküche.

Svarfarðardalur nahe Dalvík

Elfen im Alltag – oder springende Kinder auf einem Trampolin?

Elfen im Alltag – oder springende Kinder auf einem Trampolin. Immer einen Besuch wert ist der Hof Skeið im Svarfarðardalur nahe Dalvík. Dort lebt meine Freundin Myriam mit ihrer Familie und betreibt ein einzigartiges Gästehaus. Im umgebauten ehemaligen Schafstall sind gemütliche Kojen und Stockbetten eingerichtet. Im Sommer lohnt sich der Spaziergang zum kleinen Bergsee am Ende des Tales – oder der Sprung aufs Trampolin im Garten. Im Winter lädt Myriam Künstler und Handwerker aus der Umgebung ein, die ihre Sachen auf einem kleinen Weihnachtsmarkt zu verkaufen – bei Tiefschnee, Lagerfeuer, Nordlichtern und heißer Schokolade ist das ein einmalig schönes Erlebnis.

Freundliche Islandpferde

Pferdemähne eines Islandpferdes

Pferde dürfen auf Fotos aus Island nicht fehlen. Ich habe meine Kamera einfach in die wuschelige Mähne der schneeweißen Stute von Myriam auf dem Hof Skeið gehalten. Der Wind wehte dann noch für einen Moment durch – ein für mich perfekter Moment.

Djúpavík in den Westfjorden

Ein geschecktes Schaaf auf dem Weg nach Djúpavík

Eng verbunden fühle ich mich auch mit den Westfjorden, insbesondere Djúpavík. Dort habe ich als eine der ersten Isländer Eva und Ási kennengelernt. Sie betreiben ein Hotel in dem Ort, der aus wenigen Häusern besteht, geprägt durch die ehemalige Heringsfabrik. Dort hatte ich auch meine erste Fotoausstellung. Eva und Ási sind die einzigen Menschen, die das ganze Jahr über in Djúpavík leben. Der Weg dorthin führt über eine steinige Schotterpiste. Schafe stehen ja in Island häufig mitten auf der Fahrbahn – auf dem Weg nach Djúpavík hatte ich diesen besonderen Moment mit dem besonderem, dem gescheckten Schaf.

In und um Holmavík

Auf dem Weg nach Holmavík

Auf dem Weg von Holmavík – wo es das sehenswerte Hexenmuseum von Siggi, dem liebenswerten Hexer, gibt – geht es Richtung Snæfellsnes. An der Spitze der Halbinsel thront der gleichnamige Gletscher – der sich oft unter Wolken versteckt. Auch nach Jahren freute ich mich immer wieder über seinen majestätischen Anblick, auch von Reykjavík aus habe ich ihn oft gesehen und bestaunt.

Zu Hause in Snæfellsnes

Die Halbinsel Snæfellsnes ist ein Stück Zuhause für mich

Die Halbinsel Snæfellsnes ist ein Stück Zuhause für mich. Da ich dort von Beginn an viel Zeit verbracht habe, zum Beispiel bei Spaziergängen von Hellnar nach Arnarstapi, stets mit Blick auf den Glescher Snæfellsjökull. Einmalig ist auch der Kieselsteinstrand Djúpalónssandur. Dort kann ich mich stundenlang aufhalten und von Wasser und Wind rundgeschliffene Steine in allen Größen sammeln, anfassen – weich wie Handschmeichler. Außerdem stammt die Familie meiner besten isländischen Freundin von der Halbinsel – ein Stück Geborgenheit auch für mich, zum Beispiel beim Spiel mit dem Familienhund.

Die Weite des Nordatlantik

Ausblick auf den nordatlantischen Ozean

Die Weite und der grandiose Ausblick auf das Meer lassen mein Herz höher schlagen. Es berührt mich auf besondere Weise, den Wellen, den Wolken und Vogelschwärmen zuzuschauen, wie sie sich verändern. Dieser Ausblick ist an der Südküste nahe Keflavík entstanden. Dort ist außerhalb der Touristen Attraktion Þingvellir ebenfalls die Kontentalspalte sichtbar. Und zum See Kleifarvatn habe ich oft Tagesausflüge gemacht – beeindruckend, wenn dort an manchen Tagen der See grölt, weil unterm ihm auch die Erde beebt.

Buch zur Fotoserie „Verleih´ mir Flügel“

Das Buch zur Fotoserie „Verleih´ mir Flügel“ ist erhältlich in einer ersten Special-Edition von 35 Exemplaren, nummeriert und signiert, gedruckt auf Munken Lynx Designpapier, fadengeheftet und in Schweizer Broschur-Bindung. Es ist für 28,- Euro direkt bei Tina Bauer erhältlich. Email: tibauna@gmail.com

Zur Gastautorin

Tina Bauer ist Text- und Fotojournalistin aus Deutschland. Sie hat selbst zwei Jahre in Reykjavík gelebt und gearbeitet. Entstanden sind dabei zahlreiche Artikel und Fotos sowie Bücher. Tina Bauer hat „Ein Jahr in Island. Reise in den Alltag“ im Verlag Herder geschrieben und erzählt darin ihre ganz persönlichen Erlebnisse. In ihrem selbstverlegten Fotobuch „Iceland – lovely home“ porträtiert sie in Texten und Fotos 14 deutsche Frauen, die nach Island ausgewandert sind. Ihr jüngstes Projekt ist ein Fotobuch, entstanden in einem Jahresseminar an der Ostkreuzschule für Fotografie in Berlin bei der renommierten Fotografin Linn Schröder. Darin zeigt Tina Bauer unter dem Titel „Verleih´ mir Flügel“ ihre ganz persönliche fotografische Sicht auf die Insel im Nordmeer.

Weitere Informationen über Tina Bauer und Ihre Werke gibt es auf Ihrer Webseite und Blog sowie auf Iceland Photography.