Wie viele Vulkane gibt es in Island? Wo fanden die stärksten Eruptionen statt und kamen schon Menschen ums Leben bei Vulkanausbrüchen in Island? Sind isländische Vulkane gefährlich? Welche sind die beliebtesten und berühmtesten Vulkane in Island?



Durch die Lage auf dem mittelatlantischen Rücken hat Island viele aktive und ruhende Vulkane (ca. 130 insgesamt!). Das Land liegt praktisch in der Mitte zwischen bzw. auf zwei tektonischen Platten und 30 aktive Vulkansysteme ziehen sich durch die Insel.

Der letzte große Vulkanausbruch in Island ereignete sich zwischen August 2014 und März 2015 in Holuhraun in Bardarbunga – das ist im Landesinneren, gleich nördlich vom Vatnajökull-Gletscher.

Bisher ist niemand durch einen direkten Kontakt mit einem Vulkan gestorben (z.B. durch Lavaströme), aber auf indirekte Weise waren die Vulkane dennoch sehr tödlich. Hier einige der bemerkenswertesten, berühmtesten und „tödlichsten“ Vulkane von Island:

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Eyjafjallajökull: Islands berühmtester Vulkan 

Ausbruch Eyjafjallajökull 2010 von Ragnar Þ SigurðssonFoto von Ragnar Þ Sigurðsson

Die meisten kennen den Eyjafjallajökull-Vulkan, seit sein Ausbruch 2010 zu einer massiven Beeinträchtigung des europäischen Flugverkehrs führte. Diese Eruption war vielleicht ein Ärgernis für viele Flugreisende, aber im Vergleich zu Islands großen Vulkanausbrüchen in der Vergangenheit doch nur (buchstäblich) die Spitze des Eisbergs (oder Gletschers).

Der Eyjafjallajökull liegt im Süden Islands – direkt neben dem Katla, einem der gefährlichsten Vulkane des Landes. 

Der Ausbruch von 2010 war der bisher größte des Eyjafjallajökulls. Es gab früher noch ein paar andere Eruptionen, aber keine in dieser Größenordnung. Ein eher kleiner, aber langer Ausbruch ereignete sich zwischen 1821 und 1823; ihm folgte eine große Eruption des riesigen Nachbarn Katla. Außerdem fanden am Eyjafjallajökull in den Jahren 1612-1613 und im Jahr 920 Ausbrüche statt, allerdings ist über diese nur wenig bekannt.

Normalerweise bricht der Katla gleich nach dem Eyjafjallajökull aus – und verursacht weitaus mehr Schaden. Das geschah 2010 zum Glück nicht.

Vulkanausbruch Eyjafjallajökull im Jahr 2010Foto von Ingólfur Bjargmundsson

Der Eyjafjallajökull hat sich nach seinem Ausbruch 2010 zu einer beliebten Sehenswürdigkeit entwickelt. Während der ersten Tage des Ausbruchs kamen Hunderte – ja sogar Tausende – von Interessierten zum Vulkan, um das Spektakel zu bestaunen. Als der Ausbruch richtig losging, wurde es jedoch zu gefährlich, da der Vulkan nun begann, unendlich viel Asche und auch ein bisschen Lava auszuspucken. 

Aus der neuen Lava entstanden zwei neue Berge. Diese beiden Berge wurden Magni und Móði genannt (dieselben Namen tragen auch die Söhne des Thor in der nordischen Mythologie). Noch heute – Jahre später – spüren Wanderer die warme Erde auf dem Berggipfel, und wer ein wenig tiefer gräbt, kann sogar ein Sandwich darin aufwärmen!

Sowohl der Eyjafjallajökull als auch der Katla sind auf allen Südküsten-Touren zu sehen.

Þríhnúkagígur: Der einzige Vulkan, den du betreten kannst 

Der Þríhnúkagígur ist der einzige Vulkan – nicht nur in Island, sondern in der ganzen Welt –, dessen INNERES man betreten kann. Die Þríhnúkar-Krater liegen unweit von Reykjavík und ruhen seit etwa 4.000 Jahren. Sie befinden sich in der Nähe von Reykjavíks Ski-Gebiet Bláfjöll (Blaue Berge) – viel Hitze ist hier also nicht zu erwarten!

Dafür wartet auf dich ein Besuch in einer riesigen Magmakammer – sie misst rund 150.000 Kubikmeter! Der Eingang zur Magmakammer ist nur ca. 4 x 4 Meter groß; von dort wirst du per Lift 120 Meter in die Tiefe hinabgelassen – zum Boden der Höhle, der etwa die Größe eines Fußballfelds hat. Von hier aus führen zahlreiche Tunnel bis in eine Tiefe von 200 Meter hinab.

Im Inneren des Þríhnúkagígur-Vulkans

Diese Magmakammer gilt als eines der größten und bemerkenswertesten Naturphänomene der Erde; sie präsentiert eine bunte Farbenpracht und ist ein faszinierendes Ausflugsziel! Der erste Abstieg in die Höhle fand schon 1974 statt, doch die ersten Touristen folgten erst 2012 – nachdem Anlagen errichtet waren, um die Besucher nach unten zu befördern. Man betritt die Höhle in sehr kleinen und geführten Gruppen, damit keine Schäden entstehen – und das Betreten dieser Höhe ist für viele der Hauptgrund, um nach Island zu reisen!

Verpasse nicht die Tour mit Fahrt ins Innere eines Vulkans!

Grímsvötn: Die tödlichsten Vulkane von Island 

Von den 30 Vulkansystemen in Island ist das Grímsvötn-Vulkansystem (Seen von Grímur) das unberechenbarste. Es handelt sich dabei um subglaziale Seen in der Gegend des Vatnajökull-Gletschers in Südisland, die an der Oberfläche nicht zu sehen sind. Der Vulkan liegt unterhalb dieser Seen, sodass das Eis bei jedem Ausbruch extrem schnell schmilzt; so werden ungeheure Explosionen und riesige Aschewolken hervorgerufen.

Die verhängnisvollste Eruption aller Zeiten in Island ereignete sich in den Jahren 1783/84 in Skaftáreldar (Skaftá-Feuer). Sie erfolgte in einer Reihe von Kratern namens Lakagígar (Krater von Laki), die Teil des Grímsvötn-Vulkansystems sind. Diese Kraterreihe erstreckt sich nördlich des Vatnajökull-Gletschers.

Etwa ein Viertel der isländischen Bevölkerung (9.350 Menschen) starben nach dieser Eruption in Lakagígar – allerdings nicht durch den Lavastrom, sondern an den indirekten Folgen des Ausbruchs; zu diesen mittelbaren Todesursachen zählten z.B. Klimawandel und Krankheiten im Viehbestand, die durch giftige Gase und Aschewolken verursacht wurden. 50% von Islands Nutztieren starben und im Land herrschte bald Hungersnot.

Skaftáreldar dargestellt von Ásgrímur Jónsson (1876 –1958)

In der Zeit danach waren auch heftige globale Auswirkungen zu beobachten: Es kam zu einem weltweiten Temperaturabfall und Schwefeldioxid wurde in die nördliche Hemisphäre gespien. Dies führte zu Ernteausfällen in Europa und womöglich zu einer Dürre in Indien. Schätzungsweise kostete dieser Ausbruch 6 MILLIONEN Menschen in der Welt das Leben. Dieses Vulkansystem ist somit das bei weitem tödlichste in Island. Auch die Französische Revolution steht in Zusammenhang mit dem Ausbruch in Island, da die Ernteausfälle zum Aufstand der Bauern geführt hatten.

Man geht davon aus, dass bei der Eruption von 1783 in Lakagígar die größte Lavamenge ausgeworfen wurde, die je in der Geschichte bei einem einzelnen Ausbruch austrat – und die Eruption gilt zudem als tödlichste in historischen Zeiten.

Die Gegend um Lakagígar ist atemberaubend schön; für eine Erkundung empfiehlt sich dieser Rundflug über Laki.

Hekla-Vulkan: Das Tor zur Hölle 

Hekla-Vulkan in Island von Sverrir Thorolfsson von Wikimedia Commons

Der Hekla-Vulkan ist einer der berühmtesten und aktivsten Vulkane in Island. Im Mittelalter war er als „Tor zur Hölle“ bekannt. Der Hekla liegt im südwestlichen Teil von Island, etwa zwei Autostunden von Reykjavík entfernt.

Die Eruptionen am Hekla sind verschiedenster Art und schwer vorherzusagen. Manche dauern nur einige Tage, andere wiederum können mehrere Jahre anhalten. Im Allgemeinen gilt: Je länger der Hekla schläft, desto größer und katastrophaler die nächste Eruption! Seit der Besiedlung Islands im Jahr 874 ist der Hekla über 20 Mal ausgebrochen – in Abständen von 9 bis 121 Jahren.

Die größte Eruption ereignete sich im Jahr 1104, als der Vulkan plötzlich – ohne Vorwarnung – ausbrach und Millionen Tonnen von Tephra ausspuckte.

Ein Ausbruch in den Jahren 1300/1301 führte zu erheblichen Schäden in Skagafjörður und Fljót und zu 500 Todesfällen im damaligen Winter. Bei einer weiteren Eruption – 40 Jahre später – starb ein großer Teil des Viehbestands. 

Im Jahr 1693 ereignete sich einer der verheerendsten Ausbrüche des Hekla-Vulkans. Die Tephra verursachte Lahars und Tsunamis, beschädigte und zerstörte Farmen und kostete viele Wildtiere das Leben.

Der Hekla ruhte mehr als 60 Jahre, bevor er 1845 plötzlich wieder ausbrach: Nach explosiven Eruptionen war die gesamte Insel mit giftiger Vulkanasche übersät und unzählige Nutztiere fanden den Tod.

Zum letzten Mal brach der Hekla am 26. Februar 2000 aus, ohne allerdings viel Schaden anzurichten.

Mehrere Hekla-Touren bringen dich zum Vulkan und zum nahegelegenen Landmannalaugar-Gebiet.

Katla: Islands gefährlichster Vulkan 

Mýrdalsjökull-Gletscher von Chris 73 von Wikimedia Commons

Der Vulkan Katla ist bekanntermaßen einer der gefährlichsten Vulkane Islands. Er befindet sich im Mýrdalsjökull-Gletscher im Süden des Landes und wenn er ausbricht, kann er schwere Gletscherfluss-Überschwemmungen hervorrufen, die u.U. Häuser und Farmen zerstören.

Katla ist einer der größten Vulkane Islands, und er ist zwischen 930 und 1918 – in Abständen von 13 bis 95 Jahren – 20 Mal ausgebrochen. 

Die letzte große Eruption war im Jahr 1918, aber die Vulkanologen erwarten bald die nächste – und die Geschichte hat uns gelehrt, dass diese eine Katastrophe werden könnte.

Vulkanausbruch Katla 1918Foto von Wikimedia Commons

Die meisten Ausbrüche führten zu Gletscherfluten, und die heftige Spalteneruption im Jahr 934 war eine der größten Lava-Eruptionen der vergangenen 10.000 Jahre!

Vor dem Bau der isländischen Ringstraße 1974 hatten die Menschen Angst, die südlichen Ebenen Islands vor dem Katla zu durchqueren. Grund hierfür waren häufige Gletscherausbrüche und riskante Flussübergänge. Der Gletscherausbruch nach der Eruption im Jahr 1918 war besonders gefährlich.

Der Katla ist nur schwer zugänglich – du musst entweder hinwandern oder mit dem Hubschrauber hinfliegen. Wenn du entlang der Ringstraße Nr. 1 von Reykjavík Richtung Süden fährst, erreichst du nach 2,5 Stunden den Skógafoss. Auf der Wanderung vom Skógafoss nach Þórsmörk (die Route heißt Fimmvörðuháls) kannst du den Anblick des Katla genießen und unterwegs den Eyjafjallajökull überqueren.

Snæfellsjökull: Die Pforte zum Mittelpunkt der Erde 

Snæfellsjökull-Vulkan in IslandFoto von Hótel Búðir

Der Snæfellsjökull ist – wie so viele andere Vulkane in Island auch – sowohl Vulkan als auch Gletscher. Es handelt sich hierbei um einen besonders malerischen Stratovulkan. Im Jahr 1864 erlangte der Snæfellsjökull weltweiten Ruhm – jedoch nicht aufgrund eines Ausbruchs, sondern weil Jules Verne ihn in seinem Romanklassiker als Einstiegspunkt für „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ wählte.

Zum letzten Mal brach der Snæfellsjökull um 200 n.Chr. (+/- 150 Jahre) aus.

Der Vulkan ist von wunderschöner Lava umgeben, und der Berg und seine Umgebung – bis hinunter zum Meer – bilden einen Nationalpark. Durch die Erderwärmung hat sich der Gletscher in den letzten paar Jahren verkleinert, und 2012 war der Gipfel des Gletschers zum ersten Mal seit Beginn der Geschichtsschreibung eisfrei.

Askja: Islands Vulkan mit heißer Quelle 

Askjas zugefrorener SeeFoto von der Askja Private Tour

Interessanterweise haben die meisten isländischen Vulkane weibliche Namen: z.B. Hekla, Katla und Askja. Hekla, Katla und Askja zählen außerdem zu den größten Vulkanen Islands mit den gewaltigsten Eruptionen. Askja bedeutet wörtlich „Caldera“ oder „Schachtel“ – ein passender Name, denn im Krater des Vulkans liegt ein See.

Der Askja war lange Zeit nahezu unbekannt – bis 1875, als eine enorme Eruption einsetzte. Der anschließende Ascheregen war heftig und gefährlich: Er vergiftete das Land und tötete das Vieh, vor allem in den Ostfjorden. Die Asche wurde bis nach Norwegen und Schweden geblasen, und der Ausbruch führte zu einer erheblichen Abwanderung aus Island.

Der See im Krater bildete sich während der Eruption von 1875; auch wenn der See ursprünglich warm war, hat er sich inzwischen abgekühlt und friert im Winter zu – und bleibt dann für die meiste Zeit des Jahres zugefroren. Allerdings gibt es hier noch einen kleineren Geothermal-See – in einem viel kleineren Krater – namens Víti (oder „Hölle“), der warm genug ist, um darin zu baden, und auf unserer Liste der 5 besten heißen Quellen in Island steht.

Askjas vulkanischer See im Hintergrund und der kleinere See VítiFoto von der Askja Super Jeep Tour from Akureyri

Im Jahr 1907 machten sich ein paar deutsche Wissenschaftler auf, um den Askja-See in einem kleinen Boot zu erkunden, aber sie verschwanden spurlos. Ein Jahr später organisierte die Verlobte eines der Forscher eine Expedition, um sie zu suchen – doch die Unternehmung war vergeblich. Bis zum heutigen Tag wurden keine Leichen im See gefunden. Der See misst ca. 12 Quadratmeter und ist 220 Meter tief.

Der Askja brach zum letzten Mal 1961 aus.

Besuchertouren zum Askja sind sehr beliebt; der Vulkan liegt im isländischen Hochland, unmittelbar nördlich vom Vatnajökull-Gletscher im Ostteil des Landes. Die Touren zum Askja starten von AkureyriSee Mývatn oder Egilsstaðir.

Krafla: Vulkan mit kaltem Kratersee 

Víti im Krater des Krafla-Vulkans in IslandFoto von Jesse.Hu

Ein weiterer berühmter isländischer Vulkan mit weiblichem Namen ist der Krafla. Genau wie beim Askja beherbergt der Krater einen See – mit demselben Namen: Víti. Der Hauptunterschied besteht darin, dass der Víti im Krafla im Gegensatz zum Víti im Askja ein kalter See ist. Der Víti im Krafla präsentiert sich auch in smaragdblauer Farbe.

Das Krafla-Vulkansystem ragt an der höchsten Stelle 818 Meter empor und reicht 2 Kilometer tief hinab. Der Krater hat einen Durchmesser von 10 Kilometern.

Seit Beginn der Geschichtsschreibung ist der Krafla 29 Mal ausgebrochen, die letzten 9 Mal zwischen 1975 und 1984. Der Krafla liegt in der Nähe des Mývatn-Sees, und gleich südlich davon triffst du auf das große, eindrucksvolle Geothermalgebiet Námafjall.

Lass dir diesen beeindruckenden Vulkan nicht entgehen, wenn du Nordisland ansteuerst!



Hverfjall/Hverfell: Der Rundwander-Vulkan 

Hverfjall / Hverfell volcano in IcelandFoto von Jesse.Hu

Und schließlich gibt es noch einen Vulkan in der Nähe des Sees Mývatn, der sich bei Wanderern großer Beliebtheit erfreut. Die Einheimischen können sich nicht auf einen Namen für den Vulkan einigen – und deshalb hat er zwei (sehr ähnliche): Hverfjall und Hverfell.

Der letzte Ausbruch des Hverfjall/Hverfell liegt schon etwa 4.500 Jahre zurück, und der Krater hat nur einen Durchmesser von 1 Kilometer; somit ist dieser erloschene Vulkan bestens geeignet für eine einfache Wanderung. Es dauert nur ca. 1 Stunde, den Rand des beliebten Tephra-Kegels zu umrunden, der sich direkt neben dem Mývatn-See befindet.

Vulkan-Tourismus in Island 

Siggi vor dem Eyjafjallajökull

Auch wenn du inzwischen einiges über die zerstörerischen Kräfte der isländischen Vulkane gelesen hast – lass dich nicht von einem Besuch in diesem Land aus Eis und Feuer abschrecken!

Vulkan-Tourismus in Island gab es auch früher schon, doch 2010 erhielt er durch die Eruptionen des Eyjafjallajökulls einen weiterer Schub: Tausende kamen, um die Krater zu sehen – die Anreise erfolgte zu Fußmit dem Wagenmit dem Schneemobil oder per Helikopter. Bei dem Ausbruch wurde niemand verletzt, und die Besucher wurden Zeugen einer spektakulären Darbietung der Naturkräfte!



Nach dieser Lektüre über das Feuer, empfiehlt sich nun ein Artikel über Islands Eis: Gletscher in Island.