Island ist bekannt als „das Land aus Feuer und Eis“. Der Grund hierfür sind seine Gletscher und Vulkane, die überall auf der Insel verstreut sind. Wie viele Gletscher gibt es in Island, wo liegen sie und was genau ist ein Gletscher?



Gletscher bestehen aus meterhohen Eisschichten und entstehen, wenn gefallener Schnee im Sommer nicht tauen kann. Verweilt er lange genug an einem Ort, beginnt er zu vereisen. Im Laufe der Jahre und Jahrhunderte schichten sich vereiste Schneeschichten auf und werden zu dicken Eismassen zusammengepresst.

Das Beeindruckende an Gletschern ist ihre Fähigkeit, sich fortzubewegen (im Fachjargon auch surgen genannt). Sie kriechen langsam vorwärts, und das nur aufgrund ihrer Masse – fast so, wie sehr langsam fließende Flüsse. Da Gletscher über einen sehr langen Zeitraum existieren, verformen sie sich langsam mit jeder Bewegung und es entstehen Spalten, Bruchstellen und manchmal auch beeindruckende Gletscherhöhlen aus Eis.

Eishöhle im Falljökull-Gletscher in Island

Natürliche Eishöhlen bilden sich jedes Jahr aufs Neue und daher ist keine Eishöhle die selbe, nicht einmal dann, wenn Sie am selben Ort wie im Jahr zuvor entsteht. Sie sind einzigartig durch Gletscherwasser geformt und bieten in ihrem Inneren faszinierende Formen und Farben - kein Wunder, dass sie eine beliebte Attraktion sind! Die meisten natürlichen Eishöhlen sind nur in den Wintermonaten von November bis März zugänglich, da sie sich erst bei ausreichender Kälte festigen.



Gletschereishöhle in Island

In Island gibt es viele aktive Vulkane - und viele Gletscher, die sich auf einem Vulkan geformt haben. Wenn diese Vulkane ausbrechen, schmilzt das sich darüber befindliche Gletschereis abrupt und löst dramatische Sturzfluten aus, die im Isländischen als Jökulhlaup (Gletscherlauf) bezeichnet werden.

Die Überreste der Skeiðarárbrú-Brücke in Südost-IslandFoto: alcoyote89

Gletscherläufe haben zum Beispiel Brücken zerstört, und die Überbleibsel der Skeiðarárbrú-Brücke kannst du auf dem Weg nach Skaftafell direkt rechts an der Straße betrachten. Im Hintergrund bietet der Svínafellsjökull eine tolle Fotokulisse für dieses apokalyptische Stück Metall. Hier gibt es die Möglichkeit kurz Rast zu machen und Info-Tafeln klären über das Ereignis im Jahr 1996 auf.

Mehr als 10% von Island ist mit Gletschern bedeckt. Die gängigste Art auf Tuchfühlung mit den Giganten zu gehen ist mittels einer Schneemobil-Tour, einer Gletscherwanderung oder auch beim Eisklettern.

Im Folgenden erhälst du weitere Informationen über die wichtigsten Gletscher Islands.



Vatnajökull-Gletscher

Blick über den Gletscher Vatnajökull

Der Vatnajökull ist der größte Gletscher Islands und Europas. Er befindet sich im Südosten des Landes und ist so groß, dass viele der Gletscherzungen (wie bei den meisten großen Gletschern in Island) jeweils einen eigenen Namen tragen.

Es gibt zu viele, um sie alle hier aufzuführen. Der bekannteste ist der Öræfajökull und ein bei Wanderern beliebtes Ziel ist der Hvannadalshnjúkur, da sich hier der höchste Punkt Islands befindet.

Gletscherwanderung in SkaftafellFoto: Skaftafell Glacier Expedition

Eine weitere beliebte Gletscherzunge ist Svínafellsjökull und Gletscherwanderungen vom nahegelegenen Naturreservat Skaftafell führen oft hierher. Svínafellsjökull ist auch berühmt als Drehort und Szenen der Hollywood Blockbuster Interstellar und Batman Begins wurden hier gefilmt.



Svartifoss im Naturreservat Skaftafell

Das Naturreservat Skaftafell war früher mal ein eigenständiger Nationalpark doch gehört seit dem Jahr 2008 zum Gebiet des Vatnajökull-Nationalparks, das nun das gesamte Gletschergebiebt umfasst.

Nichtdestotrotz ist das beliebteste Informationszentrum des Vatnajökull-Nationalparks in Skaftafell und bietet einen Campingplatz, eine Cafeteria sowie eine Vielzahl an malerischen Wanderpfaden und dient als Treffpunkt für Gletscherwanderungen.



Vulkanausbruch in Grímsvötn in Island

Das aktivste Vulkansystem im ganzen Land, Grímsvötn, befindet sich ebenso unter dem Vatnajökull. Der letzte Vulkanausbruch fand in Holuhraun am Bardarbunga statt. Er begann am 29. August 2014 und hielt etliche Monate an.



Die Gletscherlagune Jökulsárlón im Schatten des Vatnajökull

Natürlich kannst du entlang des Vatnajökulls auch die beliebte Gletscherlagune Jökulsárlón auf der südöstlichen Seite des Gletschers besuchen. Die Lagune ist wunderschön und Islands tiefster See. Eisbrocken unterschiedlichster Formen, Größen und Farben glitzern hier auf dem Wasser.

Der Diamant-Strand in Island

Nicht weit entfernt von der Lagune, genauer gesagt an der anderen Straßenseite, befindet sich der Diamant-Strand. Er ist bekannt für die angetriebenen Eisbrocken, die nach ihrer Reise ins Meer wieder herangespült wurden. Sie schillern im Sonnenlicht wie Diamanten auf schwarzem Samt.

Der Vatnajökull-Nationalpark umfasst den gesamten Gletscher und einen weitläufigen Bereich rundherum. Er ist der größte Nationalpark in Europa, mit einer Gesamtfläche von 12.000 Quadratkilometern!

Der Gletscher Svínafellsjökull

Da der Park so riesig ist, ist es natürlich schwierig alles im Detail zu erfassen. Am besten erlebt man den Gletscher bei einem Besuch in Skaftafell und bei Jökulsárlón, aber auch wenn man an der Ostseite an ihm vorbei fährt. Um die Nord- und Westseite des Vatnajökull zu sehen benötigt man einen guten Allradwagen und dies ist auch nur im Sommer möglich.



Langjökull-Gletscher

Auf dem Langjökull-Gletscher in IslandFoto: Helicopter Tour | The Golden Circle & Touchdown on Langjökull

Der Langjökull ist der zweitgrößte Gletscher in Island. Der Name bedeutet "langer Gletscher" und leitet sich von seiner Form ab. Er befindet sich im Westen des isländischen Hochlands und man kann ihn zum Beispiel gut vom Gebiet rund um den Geysir aus sehen.

Er ist beliebt für Schneemobiltouren, die gerne zusammen im Paket mit einer Golden Circle Tour angeboten werden. Die Touren starten vom Wasserfall Gullfoss und sind eine tolle Art, möglichst viel vom Gletscher in kürzester Zeit zu erleben.

Schneemobil-Fahrt auf dem LangjökullFoto: Snowmobile Tour & The Ice Tunnel 

Falls du den Gletscher lieber von Innen erkundest, anstatt über ihn zu flitzen, dann hast du seit 2015 Glück. In diesem Jahr wurde ein von Menschenhand gebauter Tunnel im Langjökull eröffnet, der Besuchern ein einmaliges Erlebnis bietet.

Im Inneren des Langjökull auf Island

Du kannst dich für eine Eistunnel-Tour entscheiden oder sogar etwas ganz Extravagantes unternehmen und im Gletscher heiraten - es gibt eine kleine Kapelle im Inneren! Ebenso findet sich eine natürliche Spalte im Tunnel, die du auf dem Bild oben siehst.

Unter dem Langjökull gibt es übrigens auch zwei aktive Vulkane.



Hofsjökull-Gletscher

Das isländische Hochland nahe des HofsjökullFoto: South Coast & Highlands | Kjölur & the Golden Circle

Der Hofsjökull ist der drittgrößte Gletscher in Island und schwer zugänglich. Er befindet sich im zentralen Hochland. Das Hochland Islands ist nur im Sommer zugänglich und sollte nur nach eingehender Planung oder, bevorzugt, mit erfahrenem Guide befahren werden.



Ein Fluss in Island

Hofsjökull ist der größte aktive Vulkan Islands, ein Schildvulkan mit Caldera. Er ist auch Quelle verschiedener Flüsse in Island, darunter der Þjórsá, Islands längster Fluss.

Die Kjölur-Hochlandpiste verläuft zwischen Hofsjökull und Langjökull und verbindet so den Süden mit dem Norden des Landes.



Mýrdalsjökull- und Eyjafjallajökull-Gletscher

Der Mýrdalsjökull ist der viertgrößte Gletscher in Island und befindet sich direkt neben dem Eyjafjallajökull, welcher sich als der sechstgrößte Gletscher im Land bezeichnen darf. Beide Gletscher befinden sich im Süden Islands.

Obwohl der Mýrdalsjökull größer als der Eyjafjallajökull ist und mit dem Vulkan Katla einen (weiteren) der größten und aktivsten Vulkane des Landes beheimatet, ist der Eyjafjallajökull in den letzten Jahren in aller Munde gewesen, als dort 2010 ein wesentlich kleinerer Vulkan ausbrach, jedoch auf Wochen fast den gesamten Flugverkehr in Europa zum Erliegen gebracht hat. Die Meisten werden sich vermutlich noch daran erinnern.

Der Skógafoss in Island liegt zwischen zwei Gletschern

Zwischen den beiden genannten Gletschern gibt es den beliebten Wanderweg Fimmvörðuháls, über den man jetzt direkt auf den Gipfel des 2010 ausgebrochenen Vulkans kommt. An der Ausbruchsstelle sieht und spürt man immer noch die vom Ausbruch aufsteigende Restwärme. Die Wanderung beginnt bei den Treppen des bekannten Wasserfalls Skógafoss.

Sólheimajökull-Gletscher

Gletscherwanderung auf dem Sólheimajökull-GletscherFoto: Gletscherexpedition auf dem Sólheimajökull

Der Gletscher Sólheimajökull ist Teil des größeren Mýrdalsjökull-Gletschers und eine sogenannten Gletscherzunge. Der Sólheimajökull ist sehr beliebt zum Eisklettern und Gletscherwandern, da er leicht von Reykjavík aus über die Ringstraße erreichbar ist.

Die Gletscherzunge ist zerklüftet und bietet viele beeindruckende Gletscherspalten, die sie zum Spielplatz für Abenteuer macht. Achtung: Geht niemals auf eigene Faust auf einen Gletscher und haltet euch immer an erfahrene Guides. Während einer Gletscherwanderung trifft man beim Sólheimajökull vielleicht auch auf kleinere Eistunnel oder Höhlen.



Drangajökull-Gletscher

Der Gletscher Drangajökull

Der Drangajökull befindet sich in den Westfjorden und ist der fünftgrößte Gletscher des Landes. Er ist der einzige Gletscher, dessen Größe in den letzten Jahren nicht abgenommen hat, und außerdem der Einzige, der sich vollständig unterhalb eine Höhe von 1000 Metern befindet.

Drangajökull-Gletscher zur MitternachtssonneFoto: Drangajökull Glacier Midnight Adventure

Weiterhin markiert er den Beginn von Islands entlegensten Ecke, Hornstrandir in den Westfjorden, und ist damit recht schwer zugänglich. Von Ísafjörður aus werden jedoch Touren angeboten, auch zur Zeit der Mitternachtssonne.



Snæfellsjökull-Gletscher

Der Snaefellsjökull-Gletscher auf der Halbinsel Snæfellsnes

Der Snæfellsjökull gehört nicht zu den größten isländischen Gletschern und steht nur an 13. Stelle. Leider schrumpft er die letzten Jahre rapide, aber dennoch ist er einer der berühmtesten Gletscher von Island.

Er befindet sich am oberen Rand der Halbinsel Snæfellsnes und ist an klaren Tagen von Reykjavík aus sichtbar und setzt der Faxaflói-Bucht (der riesigen Bucht zwischen Reykjanes und Snæfellsnes) buchtsäblich die Krone auf.

Der Snæfellsjökull aus der Ferne

Der kleine Gletscher ist demnach das Juwel und Namensgeber des Snæfellsjökull-Nationalparks, einer von drei Nationalparks des Landes. Wie viele andere Gletscher im Land, befindet sich unter dem Snæfellsjökull ein Vulkan, genauer gesagt ein kegelförmiger Stratovulkan.

Er wurde dank Jule Vernes "Reise zum Mittelpunkt der Erde" für alle Zeiten berühmt, da er dort als Eingang zum Inneren der Erde fungiert. Im August 2012 war der Gipfel zum ersten Mal seit Anbeginn der Erfassung nicht komplett mit Eis bedeckt. Auch wenn ich an dieser Stelle nicht näher auf die globale Erwärmung eingehen möchte, am Snæfellsjökull (wie auch an anderen) kann man den Rückgang der Gletscher auf Island leider sehr eindeutig beobachten.

Die umgebende Natur des Snæfellsjökull ist atemberaubend und bietet Lavafelder, schwarze und weiße Sandstrände, eine reiche Tierwelt (z.B. Vögel und Robben), Wasserfälle und ungewöhnliche Gesteinsformationen und Klippen. Die Halbinsel Snæfellsnes ist einfach zu erreichen und der Gletscher kann entweder ganz umfahren oder sogar erklommen werden. Für die Straße östlich des Gletschers ist ein Allradwagen nötig.