Sónar Musikfestival 2016

Vom 18. bis 20. Februar geht das Sónar Reykjavík in seine vierte Runde und vor kurzem wurde der letzte Schwung an Bands und DJs verkündet, die dieses Jahr den etwa 3500 Festivalbesuchern einheizen werden. Grund genug für tónlist.de, euch hier auf Guide to Iceland einen Ausblick auf das Festival sowie Tipps zu geben, welche isländischen Künstler ihr keinesfalls verpassen dürft, falls ihr euch selbst im kalten und dunklen Februar dort hin begeben solltet!

Das Iceland Airwaves Festival, welches jährlich seit 1999 stattfindet, ist mit seinen zuletzt etwa 9000 Besuchern zwar das größte und bekannteste isländische Musikfestival. Aber es ist bei weitem nicht das einzige! Neben etlichen kleinen Festivals gehören vor allem das Metal-Festival Eistnaflug, das erst kürzlich etablierte, zur Sommersonnwende stattfindende Secret Solstice Festival und das Sónar Reykjavik zu den Festivals, die über eine Anziehungskraft auch über die Insel hinaus verfügen. Das Sónar ist teil einer internationalen Festivalreihe, welche ihren Ursprung 1994 in Barcelona hatte. Inzwischen finden Sónar-Festivals nicht nur dort und in Reykjavík statt, sondern auch in Stockholm sowie vier weiteren südamerikanischen Städten, darunter z.B. in Buenos Aires.

Das Festival findet, anders als das über die Stadt verteilte Airwaves, vollumfänglich in den Konzertsälen der Harpa, dem großen Konzerthaus Reykjavíks, unten am Hafen statt. Dabei wird unter anderem ein Teil der Tiefgarage in einen Club umgewandelt. Mit der eindrucksvollen Architektur bietet die Harpa also schon mal eine spektakuläre Umgebung für interessante Konzerte und ausgelassene Feiern. Musikalisch werden euch vor allem elektronische Klänge, hier und da auch etwas experimenteller und ausgefallener sowie der eine oder andere HipHop Act erwarten. Szenekundigen dürften gerade die internationalen Headliner wie Hudson Mohawke oder die deutschen Vertreter Boys Noize oder Ellen Allien ein Begriff sein. Aber auch die Lokalmatadoren aus Island schicken ein paar großartige und sehens- bzw. hörenswerte Künstler ins Rennen!

Kiasmos

Da wäre vor allem das Duo Kiasmos, bestehend aus Janus Rasmussen und Ólafur Arnalds. Letzterer ist auch über Island hinaus durch seine Soloprojekte internationalem Publikum bekannt geworden und hat weltweite Tourneen hinter sich. Bei Kiasmos bringt er seine ruhigen, minimalistischen Kompositionen, bei denen er instrumental gerne auf Streicher und Klavier setzt, mit dem elektronischen Sound seines kongenialen Partners Janus zusammen. Dabei kommt ein dermaßen entspannter aber gleichermaßen tanzbarer Soundmix heraus, dass Kiasmos neben den Altmeistern von Gusgus das momentan vielleicht heißeste Eisen im isländischen Elektro-Ofen ist.

 

Kiasmos hat bisher ein selbstbetiteltes Album aus dem Jahr 2014 am Start und vor nicht allzulanger Zeit ein neue Single, “Swept”, veröffentlicht. Zu bewundern sind sie am Freitag um 23:30 im SonarClub, der Hauptbühne des Festivals.

President Bongo & The Emotional Carpenters

Apropos Gusgus. Seit der Gründung des Musikerkollektivs 1995 wurde die Besetzung ebenso oft gewechselt wie der Musikstil. Eines der Gründungsmitglieder ist Stephan Stephensen, auch bekannt unter seinem Pseudonym President Bongo. Bei Gusgus ist er momentan zwar nicht mehr aktiv, hat aber neben seiner Kooperation unter dem Namen Gluteus Maximus mit Islands bekanntestem Plattendreher DJ Margeír auch noch ein sehr interessantes, neues Soloprojekt laufen. Vergangenen Oktober ging daraus das Album “Serengeti” hervor. Und wie die für ihren Reichtum an verschiedensten,in vielen Fällen vom Aussterben bedrohten Tierarten bekannte Savannenlandschaft im Norden Tansanias, ist auch President Bongos musikalische Reise dorthin ein Faszinosum von eindrucksvoller Kreativität. Hier wird ein Song von afrikanisch anmutenden Rhythmen auf Congas und Bongos getragen, dort von den sehnsüchtigen, geheimnisvollen Klängen eines Schifferklaviers. Immer wieder mischen sich minimalistisch-eketronische Arrangements, aber auch verzerrte E-Gitarren oder Streichinstrumente darunter - eine unglaublich spannende und innovativ klingende Herangehensweise an ein Konzeptalbum. Keine Musik zum nebenbei hören, sondern anspruchsvoll und enorm lohnenswert, lässt man sich darauf ein.

Am Festival-Samstag kann man sich um 20:45 Uhr im SonarClub von President Bongo mit auf seine Reise nehmen lassen und wir werden sicher mit dabei sein!

Reykjavíkurdætur

“Die Töchter Reykjavík´s”, wild, laut und beeindruckend. Die Band besteht aus 16 Frauen, die mit Rap und energiegeladenen Bühnenshows nicht nur in Island auf sich aufmerksam gemacht haben. Kurz vor dem Iceland Airwaves Festival im November vergangenen Jahres feierte ihr Video zu dem Song “Hæpið” Premiere im Club Húrra. Ihre Texte handeln von sexueller Emanzipation, Politik, und gescheiterten Beziehungen. Meistens stehen nicht alle 16 Frauen auf der Bühne. Bei Auftritten wie zum Beispiel im kleinen Ìslenski Barinn war die Gruppe nur zu zehnt unterwegs. Allerdings ist ihre Performance immer wieder kraftvoll und ganz bestimmt nie langweilig, auch nach dem 5. Auftritt auf dem Airwaves. Kürzlich erschien ihr neues Video “Tilfinna”, in der nur ein Mitglied der Truppe zu sehen ist.

Am Donnerstag spielen die Mädels um 19:30 im SonarClub. Wer Lust hat auf eine ausgefallene Show mit mindestens 10 Frauen auf der Bühne hat, die auf isländisch rappen, sollte sich den 18. Februar schon mal fett im Kalender notieren.