Das Hochland bei Laki

Islands Hochland: Wann ist es befahrbar? Was sind die besten Hochlandrouten und Sehenswürdigkeiten im Landesinneren?

Das isländische Hochland erstreckt sich über 40.000 Quadratkilometer und gehört zu den größten unbewohnten Gebieten Europas. Es ist das pulsierende Herz unserer Insel und eine aus den Vulkanen des mittleren atlantischen Grabenbruchs gebildete Wunde, durch die sich die Erde über sich selbst ergießt. 

Das Hochland ist ein Zentrum ursprünglicher und gewaltiger Energie. Hier wird neues Land geformt und altes Land wird nach Westen und Osten in Richtung der nordamerikanischen und eurasischen tektonischen Platten verschoben.

Das isländische Hochland im FrühlingDas isländische Hochland im Frühling 

Das südliche Hochland wurde größtenteils während der letzten Eiszeit geformt und ist somit der jüngste Teil dieser märchenhaften Gebirgskette. Viele der reizvollsten Naturschutzgebiete Islands befinden sich hier und ziehen im Sommer in der Hochsaison unaufhörlich abenteuerlustige Reisende an.

Sobald der Schnee geschmolzen ist und die wieder geöffneten Bergstraßen zu einer Tour einladen, findest du im südlichen Hochland zahlreiche Naturschätze. Die für mich fünf besten Reiseziele im isländischen Hochland beschreibe ich in diesem Artikel. Alle sind mit Bus-Touren oder Touren für Selbstfahrer von Islands Hauptstadt Reykjavík aus zu erreichen.

Jedes Jahr im Sommer werden die Hochlandrouten aufs Neue eröffnet. Je nach Route und Jahreszustand geschieht das zwischen Juni und Juli, die meisten Strecken bleiben bis September geöffnet. Auf der Seite der isländischen Straßen- und Küstenverwaltung findest du weitere Informationen.



5. Þórsmörk

Eingebettet in drei Gletscher – EyjafjallajökullMýrdalsjökull und Tindafjallajökull – liegt das Naturreservat Þórsmörk (Thors Wald).

Seltsame Landschaften aus Flüssen, die sich in tosendem Weiß durch den schwarzen Wüstensand schlängeln, und der starke Kontrast zwischen Wüste und den frischen Oasen aus Moos, Farnen und Birkenwäldern, machen Þórsmörk zu einem der beliebtesten Wanderziele in Island.

Die kontrastreiche Landschaft von Þórsmörk Die kontrastreiche Landschaft von Þórsmörk. Foto von Iurie Belegurschi.

Wie die Zacken einer Krone geformt, liegen die bedrohlichen Bergkämme am Horizont von Þórsmörk. Die mit Eis bedeckten Gipfel sind fast immer in einen gespenstischen und hypnotisierenden Nebelschleier gehüllt, der beim Aufeinandertreffen der aufsteigenden warmen Luft aus dem Tal mit dem kalten Atem der hohen Gletscher entsteht.

Diese Berge sind ein Paradies für jeden Wanderer. Die unzähligen raunenden Höhlen und sich windenden Schluchten machen dieses Gebiet zu einer der atemberaubendsten Wanderrouten Islands. 

Der Fimmvörðuháls-Bergkamm Entdecker beim Überqueren des Fimmvörðuháls-Bergkamms 

Der 30 km lange Fimmvorduhals-Wanderweg führt dich über steile Hügel unterhalb des Gletschervulkans Eyjafjallajökull über den Fimmvörðuháls-Bergkamm zu den dampfenden Vulkankratern, die sich während des letzten Vulkanausbruchs 2010 gebildet haben.

Auf der berühmtesten Wanderroute Islands – dem 55 km langen Laugavegur-Wanderweg – gelangst du von Þórsmörk nach Landmannalaugar, wo Raum und Zeit wie in Hypnose dahinplätschern.



4. Landmannalaugar

Vom Wind glatt gefegt, liegt dieses geothermale Wunderwerk an den Obsidian-Rändern des messerscharfen Laugahraun-Lavafelds, flankiert von Rhyolith-Bergen, deren lebendige Farben sich unaufhörlich mit der Bewegung der Sonne verändern. 

Die Rhyolith-Berge von Landmannalaugar Die Rhyolith-Berge von Landmannalaugar

Eine Landmannalaugar-Tour bringt dich zu dem faszinierenden Explosionskratersee Ljótipollur und zum farbenfrohen Vulkan Brennisteinsalda (Schwefelwelle) mit dampfenden Schloten und Schwefelablagerungen. Anschließend kannst du vom Vulkan Bláhnúkur (Blaue Spitze) aus deinen Blick über fünf Gletscher und die gesamte Gegend um Landmannalaugar schweifen lassen. 

Die heißen Quellen von LandmannalaugarDie Landmannalaugar-Bäder. Bild von der Landmannalaugar-Super-Jeep-Tour.  

Als krönenden Abschluss der Tageswanderung tauchst du deine müden Knochen in die warmen Strömungen der Naturbäder von Landmannalaugar ein, wo Wanderer seit Jahrhunderten nach ihren langen Wegstrecken neue Kraft schöpfen.  



3. Der Vulkan Hekla

30 km westlich von Landmannalaugar gelegen, befindet sich Hekla – einer der aktivsten Vulkane unseres Planeten. 

Seit der ursprünglichen Besiedelung Islands gab es mehr als zwanzig katastrophale Ausbrüche, bei denen dieser urzeitliche Heizkessel Lavafelder mit einem größeren Volumen produzierte als jeder andere aktive Vulkan auf der ganzen Welt. Kein anderes Naturphänomen in Island hat zu mehr Mythen und Legenden inspiriert.

Der Vulkan HeklaHekla reckt sich ungefähr 1500 Meter hoch in den Himmel des südlichen Hochlands von Island und bedroht seit jeher den zerbrechlichen Frieden der Sommernacht. 

Der erste Ausbruch der Hekla wurde 1104 aufgezeichnet. Daraufhin verbreiteten sich merkwürdige Geschichten in ganz Europa, in denen der Vulkan mit verschiedenen diabolischen Gestalten, schwarzer Magie und schließlich mit der Hölle und dem Teufel selbst in Verbindung gebracht wurde.

Mönche, Priester und Gesalbte brachten diverse Theorien in Umlauf, nach denen Hekla die Manifestation des Fegefeuers auf Erden ist. Die Seelen von Kriminellen, Ehebrechern, ertrunkenen Frauen und Ungläubigen wurden, so erzählt man sich, auf dem Rücken von Dämonen zum Gipfel der Hekla getragen. Dort rezitierte der Teufel Psalmen, marterte die Verdammten auf den Eis- und Schneefeldern, brutzelte sie im Feuer und malträtierte sie noch einmal im Schnee – auf diese Weise würden sich die Verdammten selbstverständlich niemals an die Hitze gewöhnen können.

Eine alte isländische KarteEine Karte von 1585, die den Ausbruch der Hekla zeigt. Im Text steht: „Die Hekla, für immer verdammt zu Sturm und Schnee, speit unter entsetzlichem Lärm Steine.“

Laut den Aufzeichnungen im Flatey-Jahrbuch wurde während des Ausbruchs von 1341 beobachtet, wie Seelen in Form von Vogelschwärmen in den glühenden Kessel des Vulkans flogen. Mitte des 16. Jahrhunderts leitete der deutsche Gelehrte und Physiker Caspar Peucer schließlich daraus ab, dass die Tore zur Hölle an keinem anderen Ort auf der Erde zu finden seien als in dem „bodenlosen Schlund der bestialischen Hekla“. 

Der verbreitete Glaube, dass Hekla das Tor zur Hölle sei, hielt sich bis ins späte 19. Jahrhundert. Heute lockt die apokalyptische Landschaft des Vulkans Besucher aus der ganzen Welt an, die es zu den gewaltigen Abhängen von Katla – eines der beliebtesten Reiseziele in Island – zieht.

Heklas Abhänge im SommerHeklas Abhänge im Sommer. Foto Börkur Sigurbjörnsson, Wikimedia Creative Commons.

Ein Fußmarsch zum Gipfel der Hekla dauert etwa 3 bis 4 Stunden. Im Winter ist man aber mit einer Schneemobil-Tour viel schneller oben. Zur Hekla kommst du mit den Landmannalaugar-Bussen. Übernachtungen sind auf Bauernhöfen in der Gegend oder im Hekla Leirubakki Besucherzentrum möglich. 

Auch wenn Hekla seit 1970 etwa alle zehn Jahre ausgebrochen ist – zuletzt Ende Februar 2000 – ist eine Tour zu dem Vulkan keine gefährliche Unternehmung. Hekla und die Umgebung werden kontinuierlich von Wissenschaftlern beobachtet. Sollte es auch nur die leisesten Anzeichen für eine Vulkanaktivität geben, wird niemand mehr in die Nähe der Hekla gelassen. 



2. Kerlingarfjöll 

Im Sommer bringt dich auch ein alter Wagen mit Allradantrieb von Landmannalaugar aus über das raue Gelände der wüstenähnlichen Hochlandpassage Kjölur in das Gebirge Kerlingarfjöll. Hier werden dem Auge einige der merkwürdigsten und surrealen Landschaften der Erde geboten. 

Sommer in KerlingarfjöllSommer in Kerlingarfjöll. Foto von Krator, Wikimedia Creative Commons. 

Zwischen den Gletschern Hofsjökull und Langjökull finden sich im Kerlingarfjöll (Trollfrau-Gebirge) und in dessen Umgebung zahlreiche sonderbare und fantastische Landschaften aus extremen Vulkanformationen, Minigletschern, energiereichen Geothermalspots, Rhyolithgewölben und alten Kratern. 

Über Jahrhunderte wurde Kerlingarfjöll fast nie besucht, obwohl der nahegelegene Hochlandweg im Sommer die Hauptverbindung zwischen Nord- und Südisland war. Aber die Gegend galt einfach als zu abgelegen und rau. 

In der Mitte des 20. Jahrhunderts hat sich die Gegend jedoch in ein Sommer-Skigebiet entwickelt, in dem Isländer auf abschmelzenden Gletschern und Restschnee Ski fahren.   

Im Sommer 2000 war der Winter- und Gletscherschnee auf den Hängen aufgrund des warmen Klimas nahezu vollständig weggeschmolzen. Das Kerlingarfjöll-Hochlandresort bietet aber bis heute Unterkunft, Verpflegung und andere Leistungen für den nicht abreißenden Strom an Besuchern, die nach der Kraft ursprünglicher Natur und der wundervollen Landschaft dort Ausschau halten.  



1. Hveradalir

Eines der warmen Bäder in HveradalirEines der warmen Bäder in Hveradalir. Bild von der 9-tägigen Camping-Tour für Selbstfahrer mit Allradwagen

Innerhalb von 5 Kilometern ab dem Kerlingarfjöll-Resort liegt das Geothermalgebiet Hveradalir – ein Tal mit heißen Quellen und nicht markierten Wanderwegen, auf denen Wanderer mehrere Tage zubringen könnten. Eine bequeme Tagestour ist jedoch die Route vom Hochlandresort Kerlingarfjöll nach Hveradalir und zurück.

Das Geothermalgebiet HveradalirDas Geothermalgebiet Hveradalir. Bild von Laurent Deschodt, Wikimedia Creative Commons.

Hveradalir – eines der größten Geothermalgebiete Islands – ist das Ergebnis eines anhaltenden Zweikampfs zwischen Feuer und Eis. Eine Wanderung nach Hveradalir führt in ein mächtiges Reich, in der heiße natürliche Quellen und arktische Vegetation im Wettstreit stehen mit abschmelzenden Minigletschern, von denen Berge tauenden Eises hinabgleiten und dem Besucher die Gelegenheit geben, mit eigenen Augen die Entstehung einer neuen Landschaft zu beobachten.