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Islands Tierwelt – welche Tiere leben auf der Atlantikinsel?

Islands Tierwelt – welche Tiere leben auf der Atlantikinsel?

Verifizierter Experte

Eines der berühmtesten und begehrtesten Tiere Islands, der Papageientaucher

Obwohl Island eine karge, vulkanische Insel mit sehr wenig Vegetation ist, hat es sich zur Heimat für eine Vielzahl von Tierarten entwickelt. Entdecke, welche Tiere dem Land seinen unverwechselbaren nationalen Charakter verleihen. Lies weiter, um alles über die Tierwelt Islands zu erfahren. 



Bevor die Menschen im 9. Jahrhundert begannen, Island zu besiedeln, gab es hier nur ein Landsäugetier – den Polarfuchs. Die restlichen Geschöpfe waren entweder Vögel oder Meerestiere. Ganz anders 1000 Jahre später: Inzwischen haben sich jede Menge Lebewesen an das raue Klima gewöhnt.

Angefangen bei den einzigartigen Nutztieren, die die Isländer in ihren schwierigsten Zeiten am Leben erhielten, bis hin zu den Tieren, die der Gefangenschaft entkamen und heute eine wilde Population bilden – die Tierwelt Islands gedeiht und gehört zu den Attraktionen, die Besucher aus aller Welt anlocken.

Haustiere in Island

Ein Islandpferd in der Nähe des Vestrahorn

Die überwiegende Mehrheit der Tiere, die du auf deiner Reise durch Island siehst, sind Haustiere. Schließlich ist dies eine Nation, die stark auf die Landwirtschaft angewiesen ist.

Auch wenn Nutztiere nicht die faszinierendsten Kreaturen zu sein scheinen, so waren doch die Art und Weise, wie sie sich an das Klima des Landes angepasst haben, und ihre Rolle in der isländischen Geschichte für das menschliche Überleben unerlässlich. 

Das Islandschaf   

Ein Paar isländischer Lämmer

Schafe waren jahrhundertelang das Lebenselixier Islands. Sie kamen mit den ersten Siedlern aus Norwegen hierher, und es lag allein an ihrer Wolle und ihrem Fleisch, dass die Menschen unter den harten Bedingungen des Landes überleben konnten.

Man braucht nur den Roman Independent People von Nobelpreisträger Halldor Laxness zu lesen, um die Verehrung der Isländer für ihre Schafe zu verstehen – sie sind das Hauptgesprächsthema unter den meisten Landbewohnern!

Obwohl sie nicht die interessantesten Tiere Islands sind, haben sie eine herausragende Bedeutung für die Geschichte des Landes: Wann immer die Nation Katastrophen oder Wachstumsschübe erlebte, spielten die Schafe eine zentrale Rolle.

So zum Beispiel beim Ausbruch des Vulkans Laki 1783, dem tödlichsten in der Geschichte Islands: Bis zu 25 Prozent der Bevölkerung starben, vor allem an Hungersnöten, die dadurch verursacht wurden, dass 80 Prozent der Schafe des Landes an den Folgen der giftigen Asche verendeten.

Ein Mutterschaf und seine Lämmer, die im Sommer frei herumstreifen

Andererseits ging auch Islands große Zeit des Wachstums und der Industrialisierung während des Ersten Weltkriegs auf diese Tiere zurück. Da die europäische Landschaft vom Krieg verwüstet wurde, war isländische Wolle sehr gefragt. Dank des Reichtums, der in diesen vier Jahren aus dem Verkauf von Schafprodukten entstand, konnte Island zu der modernen Nation werden, die wir heute kennen.

In Island gibt es etwa 800.000 Schafe, weit mehr als doppelt so viele wie Menschen. Aus ihrer Wolle werden einzigartige Kunsthandwerke – z. B. der typische Islandpullover „Lopapeysa“ – hergestellt, und ihr Fleisch ist in fast allen traditionellen Gerichten ohne Fisch enthalten. Das vielleicht klassischste Gericht der Nation ist die Lammsuppe – sie ist weltberühmt!

Der Grund, warum isländisches Lamm so köstlich schmeckt, ist eher morbide: Da die Tiere den ganzen Sommer über frei herumstreifen, grasen sie auf isländischem Thymian und würzen ihr Fleisch unwissentlich, während sie noch am Leben sind.

Der Islandhund    

Ein Islandhund. Foto von Árni Einarsson

Isländische Schäferhunde entwickelten sich –  wie das Vieh Islands – aus ihren nordischen Cousins, die vor Hunderten von Jahren mit den frühen Siedlern nach Island kamen. Seitdem sind sie unerlässlich für die Unterstützung der Landwirte, die Herdenhaltung und die Bewachung von Eigentum.

Wie die meisten Tiere, die nach Island gebracht wurden, sind sie etwas kleiner als ihre Verwandten im Ausland. Zudem zeigen sie sich – aufgrund der isolierten Lage Islands –anfälliger für Krankheiten und waren ab Ende des 19. Jahrhunderts sogar vom Aussterben bedroht. Ausgehend von einem Importverbot für andere Hunderassen und später Haustierimpfungen und moderner tierärztlicher Versorgung – die den ersten Schritt überflüssig machten – hat sich die Population jedoch wieder erholt.

Abgesehen vom Größenunterscheid haben die isländischen Schäferhunde viel mit anderen Schäferhunderassen gemeinsam, z. B. das flauschige Fell und die gewellten Schwänze. Außerdem legen sie das gleiche Verhalten an den Tag: Sie sind voller Energie, robust, agil und freundlich – und somit großartige Begleiter für alle, die genug Zeit und Platz haben, um sie herumtollen zu lassen. Die überwiegende Mehrheit der Islandhunde lebt auf dem Land, wo sie ihre hohe Energie und ihren natürlichen Herdeninstinkt nutzen können, um ihren Besitzern zu helfen.

Das Islandpferd  

Islandpferde unterscheiden sich erheblich von ihren Artgenossen. Auf den ersten Blick scheint es, als seien sie lediglich kleiner – sie erreichen nur selten eine Größe von 1,50 Metern; nach wenigen Minuten in ihrer Gesellschaft zeigt sich jedoch, dass sie auch geselliger, neugieriger und intelligenter sind als andere Pferde. Diese Charakterzüge haben sie zu einem zentralen Bestandteil der isländischen Identität gemacht.

Der Grund für ihren unvergleichlichen Charme liegt in der Geschichte: Zur Zeit der ersten Besiedlung Islands konnte lediglich ein Pferd pro Langboot befördert werden, und da viele der frühen Siedler wohlhabende Häuptlinge waren, nahmen sie jeweils das beste aus ihrem Bestand mit. So verfügte Island am Ende der Besiedlungszeit über eine gesunde Population der robustesten, stärksten und intelligentesten Pferde aus Norwegen.

Islandpferde sind nicht besonders besorgt über das isländische Winterwetter.

Anfangs wurden die Pferde fast ausschließlich für den Transport und manchmal für Kämpfe zwischen Klans verwendet. Im Laufe der Jahrhunderte setzte man sie jedoch zunehmend auch für landwirtschaftliche Arbeiten ein, und sie übernahmen eine zentrale Rolle für das Überleben der Nation.

Wer sich im Besitz eines Pferdes befand, konnte vom Land in die Städte und zu den Handelsposten reisen – und so mehr Reichtum und Chancen erlangen; die anderen dagegen waren isoliert und so einer größeren Gefahr der Verarmung ausgesetzt.

Als später der Pferdesport immer beliebter wurde, rückte eine weitere Besonderheit der Islandpferde in den Vordergrund: Während die meisten Rassen auf der Welt über drei oder vier „Gangarten“ (Laufstile, wie Trab und Galopp) verfügen, beherrschen Islandpferde fünf. Ihre einzigartiger Gangart – der „Skeid“ – ist ein bequemer Stil, der sich aufgrund des rauen isländischen Geländes entwickelt hat und eine rasche Beschleunigung ermöglicht.



Islandpferde sind beliebt für Dressur, Reiten und ihr Fleisch.

Dank ihres Charakters, ihres Aussehens und ihrer einzigartigen Eigenschaften sind Islandpferde im Dressursport sehr beliebt. Heute leben mehr Islandpferde außerhalb des Landes als im Land (100.000 im Ausland, 80.000 im Inland).

Wenn die Pferde Island einmal verlassen haben, können sie nie wieder zurückkehren; außerdem sind keine anderen Rassen auf der Insel erlaubt. Dies liegt daran, dass die isolierte einheimische Rasse anfällig ist für Krankheiten und eine Fremdinfektion von außen die gesamte Population lahmlegen könnte.

Das Reiten auf einem Islandpferd ist eine der authentischsten Island-Erfahrungen, die du machen kannst. Im ganzen Land werden eine Vielzahl von Reittouren angeboten, und da die Ausritte in der Regel nur wenige Stunden dauern, ist es möglich, diese Ausflüge mit vielen anderen Aktivitäten zu kombinieren, wie z.B. Schnorcheln, Höhlenerkundungen oder Sightseeing am Golden Circle. 



Rinder in Island

Auch die isländischen Rinder kamen mit den Wikingern nach Island.

Ein weniger verbreitetes Nutztier in Island ist die Kuh, aber auch die isländischen Rinder sind eine einzigartige Rasse. Sie wurden, wie die Pferde, mit den frühesten Siedlern aus Norwegen hierhergebracht und haben seitdem ihre ganz eigenen Eigenschaften entwickelt. Zwei Gemeinsamkeiten teilen sie mit den Islandpferden: Sie sind kleiner als ihre europäischen Pendants und sehr anfällig für ausländische Krankheiten.

Allerdings schneiden die Islandpferde mit ihren anderen Besonderheiten im weltweiten Vergleich eher positiv ab, was für die isländischen Rinder leider nicht gilt.

Eine isländische Kuh. Wikimedia, Creative Commons, Foto von Christian Bickel

Die Landwirtschaftliche Universität von Island veröffentlichte kürzlich eine Studie, in der festgestellt wurde, dass schwedische Kühe mehr Milch zu niedrigeren Kosten als die einheimische Rasse produzieren; die Untersuchung ergab, dass eine entsprechende Umstellung der Wirtschaft zugutekommen würde. Obwohl sich die isländische Bevölkerung mit ihren Kühen nicht so stark verbunden fühlt wie mit ihren Pferden, regte sich dennoch Widerstand gegen diese Idee. 

Seit einem Jahrtausend produzieren isländische Rinder wichtige Milchprodukte, von denen viele zu einem festen Bestandteil der Kultur des Landes geworden sind. Ein besonders nennenswertes Beispiel ist Skyr, ein dicker, joghurtartiger Käse. Aus diesem Grund halten viele die einheimischen Rinder für zu wichtig für das isländische Erbe, um auf sie zu verzichten. Außerdem werden sie auch wegen ihrer vielfältigen Farben und Muster favorisiert.

Nicht einheimische Wildtiere in Island

Eine der invasiven Arten in Island, das Kaninchen. Wikimedia, Creative Commons, Foto von J J Harrison

In Island gab es nur ein einheimisches Landtier, als die Nordländer hier eintrafen. Heute dagegen tummelt sich eine Vielfalt von Arten auf der ganzen Insel. Keine davon kam auf natürliche Weise ins Land; sie wurden entweder von Menschen eingeführt oder haben sich auf Booten herübergeschlichen, aber alle haben sich erfolgreich etabliert – sei es zum Guten oder zum Schlechten. 

Rentiere in Ostisland   

Rentier in Ostisland. Foto von Þorvarður Árnason

Rentiere wurden erst im 18. Jahrhundert – viel später als die Haustiere – nach Island gebracht. Ursprünglich sollten sie, wie in ganz Skandinavien üblich, gezüchtet werden; doch die Isländer übernahmen diese Praxis nicht, und so entstand eine wilde Population.

Etwa 3000 Rentiere leben heute im Land, alle konzentriert im Osten. Am häufigsten anzutreffen sind sie in der Umgebung des Snaefell, im Sommer in den höheren Lagen und im Winter in den wärmeren Tiefebenen; sie wurden aber auch schon so weit südlich wie nahe der Gletscherlagune Jökulsárlón und so weit nördlich wie in der Gegend von Vopnafjördur gesichtet. Wer durch die Ostfjorde fährt oder sich dort aufhält, hat gute Chancen, eine Herde zu entdecken.

Obwohl Rentiere in ganz Island sehr beliebt sind, wird ihre Population saisonal kontrolliert; es gibt Bedenken, dass sie den frei lebenden Schafen das Futter von den Weiden wegfressen könnten. Im Falle eines harten Winters oder eines großen Vulkanausbruchs –  beides in Island keineswegs ungewöhnlich – würde dies der Wirtschaft erheblichen Schaden zufügen.

Nagetiere und Nerze in Island   

Ein Nerz, eine der invasiven Arten in Island. Fotoquelle: Wikimedia, Creative Commons, Foto von Pdreijnders

Wann immer Menschen im Laufe der Geschichte neue Länder entdeckten und besiedelten, brachten sie Nagetiere mit – und Island ist da keine Ausnahme. Wanderratten sowie Wald- und Hausmäuse kamen entweder mit den frühen Siedlern oder später mit den Handelsschiffen und bildeten Populationen auf der Insel; die Ratten leben hauptsächlich in besiedelten Gebieten, während sich die Mäuse über das gesamte Land verteilt haben.

Island beherbergt auch eine Population von wilden Nerzen, die sich erst in jüngerer Vergangenheit entwickelt hat. Die Tiere wurden Anfang des 20. Jahrhunderts für die Verwendung auf Pelzfarmen importiert, entkamen aber und sind inzwischen wild. Heute kann man sie oft dabei beobachten, wie sie in den Gewässern rund um Reykjavík fischen oder auf Nistklippen nach Vogeleiern jagen; außerdem sind sie zum Fluch der Hühnerzüchter im ganzen Land geworden.

Eine weitere invasive Art sind die Kaninchen, die sich sogar noch später breitmachten als die Nerze; die meisten von ihnen sind Nachkommen von Haustieren, die 2010 freigelassen wurden. Inzwischen haben sie sich über die Insel verteilt und richten überall Chaos an.

In Öskjuhlíd, einem bewaldeten Gebiet in Reykjavík, nagen sie sich durch Baumwurzeln und Zäune; dabei schädigen sie die Natur und von Menschenhand erschaffene Konstruktionen gleichermaßen. Auf Bauernhöfen im ganzen Land graben sie sich auf zerstörerische Weise in das Heu, das für andere Tiere gedacht ist, und ihre Gewohnheit, auf die Straßen zu laufen, hat schon mehrere Unfälle verursacht.

Dennoch bieten sie einen charmanten Anblick auf den Grünflächen der Hauptstadt.

Einheimische Wildtiere in Island

Ein Buckelwal beim SpeisenBild von Whale Watching ab Akureyri

Wie bereits erwähnt, hat Island nur ein einziges einheimisches Landsäugetier. Das heißt aber nicht, dass es der einheimischen Tierwelt an Vielfalt mangelt! Island bietet eine reiche Fauna in seinen Meeren und am Himmel, die Besucher aus aller Welt anlockt; die Insel ist einer der besten Orte, um Vögel, Robben und Wale zu beobachten. 

Polarfüchse in Island   

Ein Polarfuchs in Island

Vor der menschlichen Besiedlung waren Polarfüchse das einzige Landsäugetier, das in Island lebte. Während der letzten Eiszeit wanderten sie übers gefrorene Meer zur Insel und blieben dort gestrandet, als das Eis vor über 10.000 Jahren schmolz. Diese unglaublich anpassungsfähigen Kreaturen schafften es zu überleben, indem sie sich von Eiern, Vögeln, wirbellosen Tieren und Beeren ernährten.

Als die Menschen kamen, jagten sie die Füchse ausgiebig, um Pelze zu gewinnen und den Viehbestand zu schützen; mit der Entstehung der Pelzfarmen entfiel der frühere Grund, aber die Bauern behaupten weiterhin, dass eine Populationskontrolle für ihre Wirtschaft unerlässlich sei. Einerseits bedeutete die Jagd natürlich eine Beeinträchtigung der Fuchspopulationen; andererseits brachten die Menschen aber auch einen Reichtum an neuen Lebensmitteln in Form von Nagetieren, Speiseresten und Lämmern mit ins Land, die ein Weiterbestehen der Art ermöglichten.

Ein "weißer" Polarfuchs. Fotoquelle: Wikimedia, Creative Commons, Foto von Jonathen Pie

Die Polarfüchse in Island gibt es in zwei Farbversionen – weiß und blau. Weiße Füchse wechseln ihr Fell zwischen den Jahreszeiten komplett; im Winter sind sie schneeweiß und im Sommer braun-weiß. Das Fell der blauen Füchse wechselt nicht, wird aber im Sommer gebleicht, sodass es bei Wintereinbruch viel heller ist. Beide Varianten legen sich in den kälteren Monaten ein dickeres Fell zu – und verlieren es wieder, wenn es wärmer wird.

Polarfüchse sind überall in Island zu finden, kommen aber hauptsächlich in den Westfjorden vor – und hier insbesondere im abgelegenen Hornstrandir-Reservat ganz im Norden, wo sie geschützt sind. In dieser Region sind sie für ihre Furchtlosigkeit gegenüber Menschen bekannt, sodass Tierfotografen oft hierherkommen, um die Füchse aus nächster Nähe aufzunehmen.

Seit 2007 gibt es in der Ortschaft Súdavík ein Polarfuchszentrum; dieses spielte eine Vorreiterrolle bei der Erforschung der Polarfüchse, bei der Aufklärung über deren Gefährdungen sowie bei der Förderung des Öko-Tourismus.

Wale in Island    

In Island gibt es über 20 Arten von Walen, Delfinen und Tümmlern.

In den fruchtbaren subarktischen Gewässern Islands, die vom Golfstrom gespeist werden, leben über 20 verschiedene Wal- und Delfinarten. Die Insel zählt zu den besten Orten der Welt, um Wale zu beobachten – besonders im Sommer, wenn die Großwale hierherziehen, um Futter zu finden. Die Whale-Watching-Industrie verändert die Art und Weise, wie die Isländer die Kreaturen der Tiefe betrachten, denn die Beziehung zwischen den beiden ist historisch und komplex.

Die frühen Isländer waren Seefahrer und stellten die Wale in ihren Berichten oft als schreckliche Meerungeheuer dar. Eine besonders denkwürdige Geschichte erzählt von einem Zauberer, der versuchte, Island zu erobern, indem er die Gestalt eines Wals annahm; allerdings wurde er an allen vier Uferseiten von einem jeweils anderen Schutzgeist abgewehrt.



Ein Buckelwal in HúsavíkBild von Traditionelles Whale Watching in Húsavík

Obwohl die Wale in ihrer natürlichen Umgebung gefürchtet waren, schätzte man sie sehr, wenn sie an Land gespült wurden. Das Fleisch eines einzigen Tieres konnte mehrere Gemeinden ernähren, und das Walöl wurde für Kerzen und Laternen verwendet, die die Menschen durch den dunklen Winter brachten. Das Wort für „Glücksfall“ auf Isländisch entspricht dem Begriff für einen gestrandeten Wal.

Island begann Ende des 19. Jahrhunderts mit dem kommerziellen Walfang, später als die meisten anderen Nationen, und kämpfte viele Jahrzehnte lang mit dem Widerstand dagegen. Er wurde mehrfach verboten und wieder eingeführt – aufgrund von Problemen mit der Bestandspopulation, internationalem Druck und lokalen Ansichten.

Der Walfang dauert bis heute an; allerdings gibt es innerhalb des Landes eine ständige Debatte darüber, ob er in Zukunft weitergeführt werden soll oder nicht. Was mit Sicherheit  eine Zukunft haben wird, ist das Whale Watching. Die Touren starten von Häfen im ganzen Land – mit unglaublich hohen Erfolgsraten und einer vielfältigen Auswahl von Lebewesen, die man erspähen kann. 

Robben in Island

Robben an der Gletscherlagune Jökulsárlón. Fotoquelle: Stephen AU

Robben nutzen die isländischen Ufer seit Jahrtausenden, um sich an Land zu ziehen, sich zu vermehren und sich zu häuten. Das kalte fruchtbare Wasser und die langen felsigen unbewohnten Küstenstreifen ermöglichten die Entwicklung großer Kolonien, bevor der Mensch überhaupt einen Fuß an diese Stelle setzte.

Ihre Anzahl und Furchtlosigkeit gegenüber Menschen waren ein Segen, als die ersten Siedler eintrafen; die Robben versorgten die Ankömmlinge mit lebenswichtigen Ressourcen (von Nahrung über Kleidung bis hin zu Öl) und halfen so dabei, das karge neue Land bewohnbar zu machen. Ihre Populationen schrumpften stark im 20. Jahrhundert, als sie zunehmend auch für die Mode – und nicht nur aus Notwendigkeit –  gefangen wurden, doch heute sind ihre Zahlen wieder relativ stabil.

Eine Robbe, die sich an Land zieht. Fotoquelle: Silverstylus

Robben werden in Island immer noch gelegentlich gejagt – wegen der Schäden, die sie an Fischereiausrüstungen anrichten, und der Art und Weise, wie sie Rundwürmer an Fischbestände weitergeben; und einige werden auf Privatgrund bis heute zur Pelzgewinnung gefangen. Diese Praktiken wurden im Zuge des Booms der Seal-Watching-Industrie immer mehr in Frage gestellt, insbesondere seit der Eröffnung des Icelandic Seal Centre in Hvammstangi, das sich der Erforschung dieser Tiere und der Sensibilisierung für ihre Gefährdung widmet.

Zwei Robbenarten leben ständig an Islands Ufern: der Seehund und die Kegelrobbe. Sie sind überall in Island zu finden, aber die besten Orte für eine zuverlässige Sichtung sind die Westfjorde, die Halbinsel Vatnsnes, die Halbinsel Snaefellsnes und die Gletscherlagune Jökulsárlón.

Sie sind jedoch nicht die einzige Art, die in isländischen Gewässern vorkommt. Sattel-, Bart-, Mützen- und Ringelrobben sind alle gelegentliche Besucher, und sogar Walrosse werden manchmal in den Westfjorden entdeckt. Walrosse hatten hier früher eine große Population, wurden aber im 17. Jahrhundert bis zum Aussterben gejagt.



Papageientaucher in Island   

Papageientaucher zählen zu den berühmtesten Tieren Islands.

Papageientaucher gelten in den meisten Teilen der Welt als seltene und schwer zu findende Vögel, aber in Island gibt es eine Fülle von ihnen. Ihre Ankunft im April und Mai markiert den Beginn des Sommers, und sie sind in vielen Gegenden des Landes bis August aus nächster Nähe zu bestaunen.

Etwa 60 Prozent der Weltpopulation der Papageientaucher brüten in den Klippen Islands; es gibt Millionen von Brutpaaren. Diese Vögel lassen sich meist nur dort nieder, wo es noch andere Exemplare ihrer Art gibt – so sind fast überall da, wo du einen erspähst, noch Hunderte weitere zu finden.

Papageientaucher können vom Boot oder von Land aus bewundert werden. Vom Alten Hafen in Reykjavík aus kann man auf eine einstündige Tour zu einer der beiden Inseln (Lundy und Akurey) in der vorgelagerten Bucht gehen, wo sie zu Tausenden nisten. Diese Schiffe sind klein genug, um sich den felsigen Ufern zu nähern, und auf den Touren werden oft Ferngläser verteilt, damit man die Vögel noch besser sehen kann. Viele Whale-Watching-Touren umfassen einen Abstecher zu diesen Inseln.

Nistende Papageientaucher sind fast immer paarweise zu finden - und als Paare bleiben sie ein Leben lang zusammen.

Wer im Sommer in die Westfjorde reist, braucht noch nicht einmal ein Boot zu besteigen, um Papageientaucher zu sehen. Die Klippen von Látrabjarg, die bis zu 440 Meter in die Höhe ragen und sich über 14 Kilometer erstrecken, sind an sich schon eindrucksvoll, doch die reiche Vogelwelt macht sie atemberaubend!

Wenn man am Rande dieser Klippe entlanggeht, ist es möglich, bis auf Armlänge an die nistenden Papageientaucher heranzukommen. Sie haben keine Angst vor Menschen und fliegen nur weg, wenn man versucht, sie zu berühren. Aus dieser Nähe sind die Details ihrer bunten Schnäbel und ihres reizenden Gesichtsausdrucks deutlich zu erkennen.

Dies sind jedoch nicht die einzigen Orte, an denen Papageientaucher nisten. Sie sind zudem in riesigen Populationen rund um die Westmännerinseln, auf dem Felsbogen von Dyrhólaey, in den Ostfjorden und auf der Insel Grímsey im Norden zu finden.

Wie gut dokumentiert, haben die Isländer eine Vorliebe für ungewöhnliches Fleisch. Es ist daher das einzige Land der Welt, in dem du tagsüber Papageientaucher beobachten und später einen davon zum Abendessen genießen kannst.

Andere Vögel in Island  

Ein Rabe, gilt als magischer Vogel in der Folklore. Wikimedia, Creative Commons, Fotoquelle: David Hofmann

Papageientaucher sind die bei weitem beliebtesten Vögel in Island, aber die kleine Insel bietet auch sonst eine unglaublich reiche Vogelwelt. Die Klippen von Látrabjarg in den Westfjorden und Krýsuvíkurbjarg auf der Reykjanes-Halbinsel beherbergen Tausende von Exemplaren und viele verschiedene Arten, wie z.B. Lummen, Eissturmvögel, Möwen, Alken, Strandläufer und Kiebitze.

An den Meeresufern sind zudem Küstenseeschwalben und Seeadler zu finden, und auch im Süßwasser tummelt sich eine große Vielfalt; der Mývatn-See allein beheimatet 14 verschiedene Entenarten sowie Gänse und Singschwäne. Und abseits der Gewässer gibt es noch mehr: Gierfalken, Goldregenpfeifer, Schnepfen und Schneehühner sind ebenfalls auf der Insel zu Hause.

Kein Gespräch über die Vögel Islands wäre jedoch komplett ohne die Erwähnung des Raben. Dieser zählt zu den am weitesten verbreiteten Tieren der Welt, und auch in Island kommt er sehr häufig vor. Hier wird er wegen seiner Intelligenz und Bedeutung für die isländische Folklore und den heidnischen Glauben verehrt.



Polarbären aus Grönland      

Eisbären sind keine einheimische isländische Art, sondern sehr seltene Besucher aus Grönland.

Anders als viele denken, lebt in Island keine ständige Population von Eisbären. Sehr selten kann es allerdings vorkommen, dass Polarbären von Grönland auf Eisschollen herübertreiben und in den Westfjorden landen.

Leider sind diese bei ihrer Ankunft meist hungrig, und als eines der wenigen Tiere, die aktiv Menschen jagen, stellen sie eine erhebliche Bedrohung für die Bewohner der Region dar. Aufgrund dessen und der Kosten für das Fangen, die Gesundheit und die Rückführung der Eisbären in ihre Heimat (geschätzt bis zu 75,000 Euro) werden sie bei der Ankunft getötet.

Der letzte Eisbär wurde im Juli 2016 in Island gesehen. Da sich das Klima jedoch ändert und das Eis zunehmend schmilzt, ist zu erwarten, dass künftig immer mehr hier eintreffen werden.

Ein Islandpferd bei Sonnenuntergang

In etwas mehr als einem Jahrtausend hat sich Island zu einer Insel entwickelt, die weit davon entfernt ist, ein karges Land mit nur einem Lebewesen zu sein.

Egal durch welchen Teil des Landes du heute reist, es gibt stets eine riesige Auswahl an Haustieren zu sehen, die in dem rauen Klima gedeihen. Und wenn du weißt, wo du suchen musst, wirst du noch viele weitere Arten entdecken. Von Großwalen bis hin zu entlaufenen Nagetieren – Islands wilde und sonstige Tierwelt prägt den Charakter des Landes.