Walsprünge zu beobachten, ist ein unvergleichliches Erlebnis

In den letzten 20 Jahren hat sich Island rasch zum wohl wichtigsten Whale-Watching-Zentrum Europas entwickelt. Im Folgenden erfährst du alles, was du über die Walbeobachtung in Island wissen musst. 



Die isländische Folklore ist voller fantasievoller Erzählungen, die die bedeutende Rolle der Wale bei der Gestaltung der kulturellen und wirtschaftlichen Geschichte Islands widerspiegeln.

Schon in der Heimskringla-Sage von König Olaf Tryggvason taucht dieses Motiv auf: Der Legende nach plante der hinterhältige König Harald Blauzahn, in Island einzufallen; er schickte einen Zauberer voraus, der die Gestalt eines schrecklichen Wals annahm, um die ungeschützten Stellen der Insel ausfindig zu machen.

Karte von Island, ca. 1590

Der Wal-Magier versuchte viermal, an Land zu gehen, doch jedes Mal wehrten ihn die Landwichte  Islands – ein Drache im Osten, ein Greif im Norden, ein Stier im Westen und ein Bergriese im Süden – ab und vereitelten somit die Invasionsbemühungen des Königs.    

Obwohl es unzählige Legenden gibt, die bemerkenswerte Geschichten über Begegnungen zwischen Isländern und magischen Walfischwesen erzählen, lief das erste offizielle Whale-Watching-Schiff erst 1991 aus dem Hafen aus. Es beförderte weniger als ein Dutzend neugieriger Passagiere, die den sanften Riesen des Meeres gerne mal persönlich begegnen wollten.



Keiko, der Killerwal

Keiko am 1. Dezember 1998Keiko am 1. Dezember 1998. Foto von Unbekannt. Wikimedia Creative Commons

Der berühmteste Wal, der je die isländischen Gewässer beehrte, war jedoch kein magisches Wesen aus der antiken Literatur oder Folklore, sondern der Protagonist eines Hollywood-Blockbusters. 

Der männliche Killerwal (Orca) Keiko, der den Titelhelden im Film Free Willy (1993) darstellte, wurde 1979 im Alter von zwei Jahren im Reyðarfjörður-Fjord in Ostisland gefangen. Danach wurde er gekauft und an verschiedene Aquarien und Meeresparks weiterverkauft, wo er lernte, vor Publikum aufzutreten – bis er schließlich von den Warner Brothers Studios gecastet wurde.

Nachdem Keiko zum Superstar aufgestiegen war, wurde 1995 die Free-Willy-Foundation gegründet – um ein besseres Zuhause für ihn zu finden; und im Jahr 1998 staunte die Welt nicht schlecht, als Keiko an Bord einer C-130-US-Air-Force-Frachtmaschine geladen und von den USA zurück in seine Heimat Island geflogen wurde; Keiko konnte endlich wieder im Ozean schwimmen – und man hoffte, dass er sich eines Tages wieder mit anderen Killerwalen vereinen würde. 

Die folgenden Jahre verbrachte Keiko in der Klettsvík-Bucht der Westmänner-Inseln, wo er ein umfangreiches Trainingsprogramm durchlief – als Vorbereitung auf ein Leben in Freiheit auf offener See. 

Im August 2002 verließ Keiko die isländischen Gewässer mit einer Gruppe von wilden Killerwalen, aber im September tauchte er im norwegischen Skålvik-Fjord wieder auf – auf der verzweifelten Suche nach menschlichem Kontakt; seine Auswilderung war fehlgeschlagen und am 12. Dezember des darauffolgenden Jahres starb Keiko an einer Lungenentzündung, während er allein in den norwegischen Fjorden schwamm. Er war 27 Jahre alt. 

Kein anderer Meeresbewohner lenkte je so große Aufmerksamkeit auf die isländischen Wale wie Keiko, und seit seinem tragischen Ableben hat sich Whale Watching in Island schnell zu einer blühenden Industrie entwickelt. Allein im letzten Jahr gingen knapp 300.000 Menschen von isländischen Häfen aus auf Whale-Watching-Tour.

Kommerzieller Walfang

Walfang wird in Island schon seit dem 12. Jahrhundert betrieben, und trotz Keikos Popularität und der Zunahme des Whale-Watching-Tourismus in den letzten Jahren ist Island noch immer eine der wenigen Nationen der Welt, die Wale jagen und töten.

Im Jahr 1986 wurde Islands höchst umstrittene Walfangindustrie weltweit infrage gestellt, als Anti-Walfang-Aktivisten der Sea Shepherd Conservation Society die Walfangschiffe Hvalur 6 und Hvalur 7 (siehe Abbildung unten) versenkten – diese machten die Hälfte der vier Boote starken isländischen Walfangflotte aus.

Walfangschiffe in Island, Foto von Wurzeller, Wikimedia Creative CommonsParadoxerweise liegen die alten Walfangschiffe heute im Hafen von Reykjavík am selben Dock wie die Boote von Islands größter Walbeobachtungsgesellschaft.

Die Versenkung der Schiffe entfachte eine hitzige internationale Debatte zwischen verschiedenen radikalen und moderaten Tierschutzorganisationen, die allerdings nicht zugunsten von Sea Shepherd ausfiel; die meisten Umweltschützer verurteilten das Vorgehen der Organisation als zu extrem, und einige gingen sogar so weit, den Vorfall als terroristischen Akt zu bezeichnen.

In Island schwenkte die öffentliche Meinung daraufhin schnell um – zugunsten der zuvor unbeliebten Walfangindustrie; die allgemeine Bevölkerung betrachtete den Vorfall als grobe Einmischung von außen in die inneren Angelegenheiten des Landes. Die beiden versunkenen Schiffe wurden umgehend wieder geborgen, und in den Jahren danach setzten die Walfänger ihre Tätigkeit fort – mit breiterer öffentlicher Unterstützung als zuvor. 

Mit dem Aufstieg der isländischen Walbeobachtungsindustrie wurde der Walfang unter den Einheimischen in den vergangenen Jahren jedoch wieder unbeliebter – nur ein Bruchteil des isländischen Walfleischs wird tatsächlich von Isländern verzehrt, genauer gesagt weniger als 2%. Der Rest wird entweder nach Japan exportiert oder den Touristen serviert.

Im heutigen Island gilt der Walfang allgemein als Ausdruck eines alten Weltbildes, das langsam aber sicher verschwindet.

Viele alte isländische Walfangschiffe werden inzwischen genutzt, um Wale in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten und zu erforschen, und IceWhale (der isländische Whale-Watching-Verband) hofft, dass der kommerzielle Walfang in wenigen Jahren ganz aus den isländischen Gewässern verbannt sein wird.

Wale in Island

Reichlich Tageslicht im Sommer und eine einzigartige Mischung aus kalten und warmen Meeresströmungen in den flachen Fjorden sorgen dafür, dass die isländischen Hoheitsgewässer eine große Vielfalt an Krill und Fischen beheimaten; sie erweisen sich somit als ertragreiches Nahrungsgebiet, das 23 verschiedene Walarten – vom riesigen Pottwal bis zum kleinen sanften Schweinswal – anlockt.

Die in isländischen Gewässern vorkommenden WalartenDieses Schaubild von WDC zeigt die in Island am häufigsten vorkommenden Walarten.

Die Chancen, auf einem Whale-Watching-Trip eine bestimmte Walart zu erspähen, schwanken je nach Ausgangshafen, doch der Minkwal ist das bei weitem am öftesten gesichtete Tier – er ist überall im Land das ganze Jahr über zu bewundern.

Hier die Arten, denen man auf den Trips am häufigsten begegnet:

Minkwale: Minkwale sind die am weitesten verbreiteten „Großwale“ in isländischen Gewässern – viele kommen im Sommer hierher und einige verweilen auch während der Wintermonate. Sie sind relativ klein im Vergleich zu anderen Arten, werden aber dennoch bis zu über neun Meter lang. Sie verhalten sich eher scheu, sind jedoch dank ihrer großen Anzahl regelmäßig von fast allen Whale-Watching-Häfen – einschließlich Reykjavík – aus zu sehen.

Buckelwale sind mit ihrem spektakulären Verhalten wohl die fotogensten WaleBild von Traditionelles Whale Watching in Húsavik

Buckelwale: Buckelwale kommen ebenfalls im Sommer nach Island, und im Gegensatz zu den Minkwalen sind sie für ihr geselliges und akrobatisches Verhalten bekannt. Bei Whale-Watching-Touren sieht man oft, wie sie springen, mit ihren Schwänzen und Fluken aufs Wasser klatschen und Nahrung zu sich nehmen. Tourenveranstalter aus Städten des Nordens – z.B. Akureyri und Húsavík – hatten schon Saisons, in denen mindestens ein Buckelwal pro Exkursion erspäht wurde.

Ein Buckelwal beim SpringenBild von Traditionelles Whale Watching in Húsavik

Weißschnauzendelfine: Weißschnauzendelfine sind die am häufigsten gesichteten Delfine in Island, denn sie halten sich das ganze Jahr über in Ufernähe auf. Sie leben in Gruppen – von denen manche nur wenige, andere wiederum bis zu 100 Tiere umfassen – und obwohl sie recht massig sind, sieht man sie oft beim Bugwellenreiten, Springen und Spielen an der Wasseroberfläche.

Schweinswale: Der Schweinswal zählt zu den kleinsten Walarten, und mit einem geschulten Auge kann man ihn ganzjährig überall im Land erspähen. Diese Wale sind klein und scheu und zeigen sich in der Regel nur für wenige Augenblicke – allein oder in winzigen Gruppen – an der Wasseroberfläche. Bei Nahrungsaufnahme oder Bedrohung können sie jedoch auch übers Wasser rasen (ein als „Roostering“ bekanntes Verhalten) und so ein dramatisches, aufsehenerregendes Spektakel bieten.

Ein Schweinswal

Orcas: Etwa 5000 Exemplare dieser weltweit größten Delfinart leben das ganze Jahr über in den Gewässern um Island und kommen in den Sommermonaten näher ans Ufer heran. Bei jedem Whale-Watching-Trip gibt es die Chance, Orcas – auch Killerwale genannt – zu entdecken; allerdings halten sie sich meist nicht lange in derselben Gegend auf und sind daher schwerer zu sichten als andere Arten. Wenn man sie jedoch zu Gesicht bekommt, begeistern sie die Zuschauer mit ihrer Größe und ihren akrobatischen Kunststücken – und zählen daher zu den beliebtesten Beobachtungsobjekten.

Am häufigsten kommen sie in den ergiebigen Heringsgründen der Ostfjorde, um die Halbinsel Snæfellsnes und entlang der Südküste vor. Keiko, einer der berühmtesten Orcas der Welt, tummelte sich einst vor den Westmännerinseln.

Rücken eines weiblichen OrcasBildquelle: 2-tägige Snaefellnes-Tour

Das sind die Arten, die am öftesten gesichtet werden; daneben gibt es aber noch weitere Spezies, die ebenfalls durch isländische Gewässer schwimmen und sich – wenn man Glück hat – den Besuchern zeigen:

Andere große Wale: Buckel- und Minkwale sind vielleicht die am weitesten verbreiteten Bartenwale, aber nicht die einzigen. Die zwei größten Kreaturen, die jemals die Erde bewohnten – der Blau- und der Finnwal – können ebenfalls während der Sommermonate gesichtet werden, wenn auch viel seltener. Gelegentlich sind auch Seiwale zu beobachten.

Ein Blauwal von oben

Zahnwale: Begegnungen mit dem größten Zahnwal – dem mächtigen Pottwal – sind an der Westküste Islands im Frühling und Sommer nicht selten. In den nördlichen Gewässern wurden auch schon Gruppen von Belugas und Narwalen gesichtet, die normalerweise nur oberhalb des Polarkreises zu beobachten sind.

Grindwale: Diese großen, eleganten, kontaktfreudigen Tiere können überall im Land gelegentlich gesichtet werden; insgesamt gibt es schätzungsweise 35.000 Exemplare dieser Delfin-Spezies. Da sie jedoch nicht lange an einem Ort bleiben und die meiste Zeit auf offener See leben, sieht man sie nicht so oft, wie vielleicht zu vermuten wäre.

Ein Grindwal beim Erkundungssprung, Wikimedia Creative Commons, Foto von Barney Moss

Schnabelwale: Schnabelwale gehören zu den am wenigsten bekannten Gruppen: Sie verbringen nur wenig Zeit an der Wasseroberfläche, tauchen stattdessen stundenlang unter Wasser und verhalten sich etwas ängstlich, wenn Boote in der Nähe sind. Dennoch wurden sie schon im ganzen Land gesichtet. Man geht davon aus, dass es in Island bis zu 40.000 Entenwale gibt, die meisten davon im Südosten.

Die Beobachtung von Walen und Delfinen in Island ist ein faszinierendes und lohnenswertes Erlebnis, und man kann es von vielerlei Orten aus tun. Húsavík, eine Stadt in Nordisland, wird auch die „Whale-Watching-Hauptstadt Europas“ genannt. Die Touren starten in den Sommermonaten von hier, Akureyri und der Halbinsel Snæfellsnes – und das ganze Jahr über vom Alten Hafen von Reykjavík.

Húsavík in Nordisland ist als „Whale-Watching-Hauptstadt Europas“ bekanntBild von Traditionelles Whale Watching in Húsavik

Der Minkwal ist von Natur aus neugierig und Boote wecken stets sein Interesse, sodass Erkundungsreisende immer reichlich Möglichkeiten haben, diese großartigen Tiere aus der Nähe zu betrachten.

Auf dem preiswertesten Whale-Watching-Trip, der von Reykjavik aus startet, sind am häufigsten Minkwale, Weißschnauzendelfine und Schweinswale zu sehen; ein Whale-Watching-Trip in Húsavik – in der Skjálfandi-Bucht in Nordisland – wiederum bietet weitaus bessere Chancen, einen schwergewichtigen Buckelwal zu entdecken.

Welche Touren sind die besten?

Eine Whale-Watching-Tour ist immer ein unvergessliches Erlebnis und es gibt unzählige verlockende Optionen für Whale-Watching-Enthusiasten.

Ich empfehle diese Liste von Whale-Watching-Touren, um sich einen Überblick über das Angebot zu verschaffen: Es gibt alle möglichen Schiffe – von traditionellen isländischen Eichenbooten bis hin zu modernen RIB-Schnellbooten – und die Touren sind unterschiedlich lang: Manche dauern nur ein paar Stunden, andere wiederum ganze Tage.

Papageitaucher sind in Island ebenso heimisch wie die Isländer selbst

Der Papageitaucher, Islands inoffizieller Nationalvogel, brütet in großen Kolonien auf vorgelagerten Inseln und Küstenklippen, und einige Touren schließen daher auch Puffin Watching mit ein. 

Nachstehend findest du eine Liste der günstigsten Whale-Watching-Touren, die von Islands wichtigsten Whale-Watching-Häfen aus starten.

  OrtGünstigste Tour  Sichtungsrate    Meistgesehene Walart   Verfügbarkeit 

Reykjavík

9,900 ISK -Preiswerte Walbeobachtung | ab Reykjavík

95%

Mink- und Buckelwale, Weißschnauzendelfine und Schweinswale

Ganzjährig
Akureyri

10,990 ISK - Whale Watching-Tour | ab Akureyri

99%Buckel- und Minkwale, Schweinswale und WeißschnauzendelfineGanzjährig
Húsavík

10,300 ISK -Traditionelles Whale Watching in Húsavík

99%Buckel- und Minkwale, Blauwale und WeißschnauzendelfineApril - November
Dalvík

9,900 ISK - Whale Watching-Tour | ab Dalvík, Nordisland

98%Buckelwale und WeißschnauzendelfineMärz - November
 Snæfellsnes 

9,900 ISK  - Walbeobachtung | ab Snaefellsnes

98%Orcas, Pott- und Minkwale, Buckelwale, Weißschnauzendelfine, SchweinswaleGanzjährig (außer Oktober)