Wie kann man die Nordlichter in Island fotografieren? Braucht man eine spezielle Kamera, oder reicht ein Smartphone? Welche anderen Geräte sind erforderlich? Lies weiter, um alles über Nordlichter-Fotografie in Island zu erfahren. 



Viele, die nach Island kommen, tun dies fast einzig und allein, um die Polarlichter zu sehen; und die meisten Reisenden möchten Bilder von ihnen machen, um ihre Erinnerungen ein Leben lang festzuhalten und ihren Freunden und ihrer Familie zu Hause zu zeigen. Die Lichter mit der Kamera einzufangen, ist jedoch nicht immer ganz einfach.

Wenn du eine Nordlichter-Tour in Island unternimmst, wird dein Guide wohl etwas über Nordlichter-Fotografie wissen, aber ein Profi-Fotograf ist er in der Regel nicht. Eine Ausnahme bildet dieser Fotografie-Workshop: Er wird von einem Mitbegründer von Guide to Iceland, dem weltberühmten Fotografen und Künstler Iurie Belegurschi – der alle Bilder zu diesem Artikel aufgenommen hat – geleitet.

Diese Tour ist sehr empfehlenswert; da aber nicht jeder daran teilnehmen kann, wird im Folgenden alles detailliert beschrieben, was du über das Fotografieren der Nordlichter ohne Iuries Hilfe wissen musst. 



Wo man die Nordlichter in Island fotografieren kann

Die stille und berühmte Gletscherlagune Jökulsárlón ist wahrscheinlich der beste Ort in Island, um die Nordlichter zu beobachten.

Die Nordlichter erscheinen überall im Land, es gibt also keinen bestimmten Zielort für die Aurora-Suche – einzige Voraussetzung: Du musst nachts losziehen! Die Lichter zeigen sich natürlich nur, wenn der Himmel dunkel ist, und je weiter du nach Norden kommst, desto länger sind die Nächte. Das macht jedoch meist keinen großen Unterschied für die Jagd.

Viel wichtiger ist es, die Lichtverschmutzung der Städte – insbesondere des pulsierenden Reykjavík – hinter sich zu lassen. Zwar ist es auch möglich, dunkle Plätze in der Stadt zu finden, z. B. am Leuchtturm Grótta, meist ist es aber viel lohnender, eine Tour zu buchen oder ein Auto zu mieten und selbst in die Natur hinauszufahren.

Dies garantiert nicht nur geringere Lichtverschmutzung, sondern auch eine schönere Kulisse für die Nordlichter-Aufnahmen. Jeder Fotograf weiß, dass die Komposition eines Bildes der Schlüssel zum perfekten Foto ist; du solltest also versuchen, eine Gebirgskette, einen Wasserfall oder die Eisberge der Gletscherlagune Jökulsárlón einzubeziehen, um deinem Bild Tiefe und Schönheit zu verleihen.

Besonders gut gelingen die Aurora-Fotos an ruhigen Tagen vor einem Gewässer (See, Fluss oder Ozean), in dem sich die Lichter spiegeln.



Wann man die Nordlichter in Island fotografieren kann

Ein Aurora-Regenbogen über dem Þingvellir-Nationalpark.

Die Nordlichter erscheinen das ganze Jahr über und zu jeder Tageszeit, aber Voraussetzung für eine Sichtung sind Dunkelheit und klarer Himmel. Da es in Island im Sommer aufgrund der Mitternachtssonne gar nicht dunkel wird, sind die Lichter nur im Winter – von September bis April – zu sehen.

Du musst jedoch nicht bis mitten in die Nacht warten, um einen Blick auf die Aurora zu erhaschen; wenn die Lichter stark ausgeprägt, kann man sie oft auch sehr deutlich in der Abend- oder Morgendämmerung sehen. Das Fotografieren der Nordlichter, wenn es nicht komplett dunkel ist, kann sogar Vorteile haben: So kannst du besser fokussieren und mehr Landschaft auf dem Bild unterbringen.

Bei einer schwachen Aurora hingegen heißt es warten, bis die Nacht vollständig hereingebrochen ist, und deine Augen müssen sich erst an die Dunkelheit gewöhnen. Ein guter Trick, um herauszufinden, wo schwache Nordlichter tanzen, ist die Beobachtung über den Kameramonitor, da Objektive mehr Licht hereinlassen als das menschliche Auge. 



Wie man die Nordlichter fotografieren kann

Nordlichter über einem verlassenen Fischerboot in den Westfjorden Islands.

Das Einfangen der Nordlichter mit der Kamera erfordert die richtige Ausrüstung, Kenntnis, Kleidung und Einstellung. Nachstehend findest du eine Liste mit Dingen, die es zu beachten gilt, bevor und während du die Aurora Borealis aufnimmst.

Verwende die richtige Kamera

Eine sehr starke Aurora kann auch mit dem Smartphone eingefangen werden, allerdings erreicht es niemals die Qualität einer professionellen Kamera. Ein guter Apparat, bei dem du Objektiv und Einstellungen ändern kannst, erhöht die Fotoqualität.

Verwende das richtige Objektiv

In der Regel gilt: Wenn dein Objektiv eine größere Blende hat, machst du bessere Fotos. Größere Blendenöffnungen lassen mehr Licht durch, sodass der Verschluss nicht so lange offen bleiben muss (weitere Infos siehe unten). Außerdem kannst du so mehr von der Landschaft ablichten und eine bessere Komposition erzielen. 



Verwende die richtigen Einstellungen

Das Kennen deiner Ausrüstung ist entscheidend für Nordlichter-Fotografie in Island.

Das Wichtigste, um die Polarlichter mit der Kamera einzufangen, ist eine lange Belichtungszeit; je länger der Verschluss offen ist, desto mehr Licht gelangt hinein und desto besser gelingt das Bild. Auf den intensivsten Aurora-Fotos sieht man oft eine kleine Bewegung der Sterne, weil der Verschluss so lange geöffnet war.

Ein hoher ISO-Wert, der die Lichtempfindlichkeit der Kamera bei schlechten Lichtverhältnissen beeinflusst, ist ebenfalls entscheidend und ermöglicht es, die Belichtungszeit zu verkürzen, um mehr Bilder aufzunehmen. Aber Achtung: Hohe ISO-Einstellungen führen oft zu sehr körnigen Endprodukten.

Jeder Fotograf wird dir sagen, wie wichtig es ist, deine Ausrüstung zu kennen, um Fotos zu schießen, auf die du stolz sein kannst. Es ist daher eine gute Idee, zu Hause zu üben, bevor du nach Island aufbrichst; teste schon mal vorab das Fotografieren bei schlechten Lichtverhältnissen, um die geeignete Balance zwischen Belichtung und ISO zu finden.

Eine Balance zwischen ISO- und Belichtungseinstellungen sorgt für professionelle Nordlichter-Bilder.

Die meisten Digitalkameras haben eine automatische Einstellung, was für Hobbyfotografen in Ordnung ist, die sich nicht allzu sehr für die Qualität der Bilder interessieren, sondern nur ihre Erinnerungen festhalten möchten. Perfektionisten und Profis dagegen haben mehr Erfolg, wenn sie ihre Einstellungen manuell anpassen.

Und eine letzte Anmerkung zu den Kameraeinstellungen: Der Blitz sollte natürlich ausgeschaltet sein!

Verwende ein Stativ

Wenn der Verschluss deiner Kamera geöffnet ist, wirkt sich jede Bewegung am Gehäuse auf das Bild aus. Wer die Kamera in einer kalten Nacht in zitternden Händen hält, wird daher verschwommene Fotos mit bunten Klecksen mit nach Hause bringen, die Familie und Freunde kaum beeindrucken dürften.

Ein Stativ stabilisiert die Kamera und stellt sicher, dass deine Bilder gestochen scharf werden und die Geschichte vermitteln, die du erzählen möchtest.



Verwende einen Fernauslöser oder verzögerte Aufnahme

Halte deine Kamera so ruhig wie möglich, während du die Aurora Borealis aufnimmst.

Selbst ein kleiner Schubs, während du den Auslöser drückst, kann zu einem verschwommenen Ergebnis führen. Professionelle Astrofotografen achten daher immer darauf, einen Fernauslöser am Kameragehäuse anzubringen, um keinen Millimeter Bewegung zuzulassen.

Eine alternative Option, die die meisten Kameras bieten, ist die Verzögerung der Aufnahme um einige Sekunden. Das bedeutet zwar, dass du die Nordlichter nicht genau im gewählten Moment erfasst, aber zumindest wird so eine Verzerrung des Bildes verhindert.

Vergewissere dich, dass die Batterien geladen sind

Island ist im Winter kalt und nachts noch kälter, sodass die Batterien schnell zu Ende gehen. Achte darauf, dass deine vor der Abfahrt voll aufgeladen sind, und wenn du vorhast, die Aurora für längere Zeit zu jagen, nimm entweder Ersatzteile mit oder vergewissere dich, dass dein Mietwagen eine Möglichkeit bietet, die Batterien aufzuladen.

Halte dich warm

Wer in den kalten Nächten des isländischen Winters lange genug ausharren will, um eine gute Show zu erleben, muss sich warm halten; es gibt nichts Schlimmeres, als in den Genuss eines tollen Aurora-Spektakels zu kommen und dies dann aufgrund ungenügender Vorbereitungen abkürzen zu müssen. Es wird daher dringend empfohlen, eine Decke, eine Thermoskanne mit heißer Schokolade oder Tee und vielleicht sogar einen Campingstuhl mitzunehmen – so kannst du dich gemütlich hinsetzen, ohne auf der eisigen Erde festzufrieren. 



Kleide dich richtig

Die isländischen Temperaturen liegen im Winter meist unter dem Gefrierpunkt, pack dich also warm ein für die Nordlichter-Fotografie.

Hinsichtlich des letzten Punkts können die richtigen Kleider den Unterschied machen – zwischen einer langen Nacht, in der du die Nordlichter bestaunst, ohne dir Gedanken über das Wetter zu machen, und einer kurzen, in der du dich in den Bus oder ins Auto kauerst und dir Sorgen um eine bevorstehenden Lungenentzündung machst.

Die Gliedmaßen werden zuerst kalt, daher sind dicke Socken, feste Schuhe und Handschuhe wichtig. Wer plant, vor Ort an seinen Kameraeinstellungen herumzuspielen, sollte vielleicht Handschuhe mit „Kapuzen“ über den Fingern tragen – so kann man schnell und schmerzlos notwendige Änderungen vornehmen. 

Was den Rest der Kleidung angeht, solltest du dich so anziehen, wie es für alle Outdoor-Aktivitäten in Island im Winter empfohlen wird. Thermounterwäsche, wollene oder synthetische Kleidung, Daunenjacken sowie wind- und wasserdichte Außenschichten sind notwendig, um sich vor den unvorhersehbaren Wettereinflüssen zu schützen.

Kenne deinen Zielort

Vestrahorn ist ein tolles Ziel für die Aurora-Fotografie.

Dies gilt nicht für Teilnehmer an Nordlichter-Touren, aber wer selbst fährt, sollte sein „Jagdgebiet“ kennen. Auf Islands Wetter-Webseiten kannst du die Aurora- und Wolken-Vorhersage verfolgen, um deine Route entsprechend zu planen. Du möchtest dich bestimmt nicht nachts verirren oder auf Islands Winterstraßen festsitzen, ohne zu wissen, wo du bist. 



Bei der Ortswahl kannst du auch berücksichtigen, welche Motive du in deine Kompositionen einbringen möchtest. Um z. B. einen Wasserfall aufs Bild zu bekommen, empfiehlt es sich, entlang der Südküste zu suchen. Wer dagegen Lava-Landschaften bevorzugt, sollte die Reykjanes-Halbinsel ansteuern, und Eisberge hat die Gletscherlagune Jökulsárlón zu bieten.

Sei geduldig 

Die Nordlichter zeigen sich nicht jede Nacht in Island.

Die Nordlichter sind ein Phänomen der Natur und somit unberechenbar und unbeständig. Wer sie mit der Kamera festhalten will, sollte daher nicht gleich aufgeben, wenn sie nicht sofort erscheinen oder sich nur schwach zeigen und dann wieder verschwinden. Manchmal verschiebt sich das Spektakel einfach nur um ein paar Stunden, und ein bisschen zähes Warten wird reich belohnt.

Und selbst wenn alle Bedingungen stimmen und du die ganze Nacht auf der Jagd bist, ohne Erfolg zu haben – lass dich nicht entmutigen oder abschrecken! Obwohl es nie eine Garantie für die Sichtung der Lichter gibt, ist eines in allen Nächten sicher: Die Sonnenaktivität, die das schöne Schauspiel erzeugt, ist konstant – und mit Geduld und Zeit kommt man weit! 



Die Nordlichter spiegeln sich schön in den Wasserläufen, die durch den Þingvellir-Nationalpark führen.