Überlegst du, im September nach Island zu fahren? Wie ist das Wetter in Island im September? Wie unterscheidet es sich vom Wetter im August? Ist es noch zu früh, um die Nordlichter zu sehen? Welche sind die besten Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten in diesem frühen Herbstmonat? Lies weiter und erfahre alles, was du über Island im September wissen musst.

September ist ein toller Monat, um Island zu besuchen. Der isländische Herbst hält langsam und sanft Einzug, und die Farben des arktischen Laubs ändern sich allmählich: Die sattgrünen Blätter nehmen nun Rot-, Orange- und Gelbtöne an.



Herbstfarben im Thingvellir-Nationalpark

Die Tage werden kälter, aber der Winter hat noch nicht richtig begonnen – der einzige Schnee, den du zu Gesicht bekommst, liegt hoch oben auf den Bergen. Tatsächlich dauert die Wärme des isländischen Sommers bis in den September hinein an, sodass alle Straßen außerhalb der Stadt offen bleiben und sogar abgelegenste Teile der ruhigen Westfjorde noch gut erreichbar sind.  



Die meisten deiner Lieblings-Sommerattraktionen sind somit auch im September zugänglich. Es kann allerdings sein, dass einige davon in der zweiten oder dritten Woche des Monats schießen und etwas Planung notwendig ist, um ganz abgeschiedene Gegenden zu bereisen. Island präsentiert noch dieselben atemberaubenden Landschaften, nur sind sie in dieser Zeit weniger überlaufen und in leuchtende Herbstfarben gehüllt.


  • Finde hier die günstigsten Mietwagen in Island

Was du über Island im September wissen musst

Der Thingvellir-Nationalpark in Herbstfarben gehüllt

Im September kannst du noch viele der im Sommer beliebten Outdoor-Aktivitäten wie GletscherwandernReitenSchnorcheln und Schneemobilfahren genießen – und das Wetter ist dabei kein Hindernis.

Wetter in Island im September

Ostfjorde im SeptemberFoto von Nanna Gunnarsdóttir

Mit jedem neuen Tag steigt das Regenrisiko. Das isländische Wetter ist allerdings berühmt für seine Unbeständigkeit, sodass du zu jeder Jahreszeit mit Regen rechnen musst.

Die mittlere Höchsttemperatur liegt im September bei 11°C und die mittlere Tiefsttemperatur bei 6°C, was Schneefall eher unwahrscheinlich macht. Die Temperatur steigt nicht über 15°C. Aber das ist Island – rechne also immer mit dem Unerwarteten! Sei auf alles vorbereitet, sowohl auf eisige Winde als auch auf Hitzewellen (wobei Erstere öfter vorkommen).

Im September beginnen Tiefdruckgebiete (auf Isländisch passend „haustlægð“-Herbstdepression genannt) das Land zu durchqueren.  Diese Systeme verursachen starke Winde, die leicht mit Orkanen verwechselt werden und starken Regen mit sich bringen können. Manchmal strömt der Regen horizontal, und die Wasserfälle fließen nach oben, wenn ein Tiefdruckgebiet über Island liegt. 

Denk also daran, warme Sachen einzupacken, damit du Island genießen kannst – ganz gleich bei welchem Wetter. Und eine schöne Windjacke, nur für den Fall, dass du plötzlich in einen heftigen Regenschauer gerätst.



Tageslicht in Island im September

Die Tage werden dunkler im September

Im September kehrt die Nacht nach Island zurück. Die Tage sind immer noch hell und lang, sodass du fantastische Sonnenaufgänge und -untergänge erleben kannst, doch jede Nacht bringt mehr Dunkelheit und so steigen die Chancen, die flüchtigen Nordlichter zu erblicken.



Preise und Andrang in Island im Herbst

Die Attraktionen sind im September weniger überlaufenFoto von Jórunn Sjöfn Guðlaugsdóttir

Wenn du einen Besuch im September planst, kannst du vielleicht ein paar Euro sparen, denn der Monat gilt als Nebensaison. Die Flugtickets beispielsweise sind erheblich billiger als in den Sommermonaten. Darüber hinaus sind deine Lieblingsattraktionen außerhalb der Hochsaison weniger überlaufen, sodass du besser in die Wildnis dieser nordatlantischen Insel eintauchen kannst. 



Was es in Island im September zu tun gibt

Die Besichtigung des Golden Circle ist ein absolutes Muss in Island

Ganz gleich zu welcher Jahreszeit, es gibt ein paar bedeutende Sehenswürdigkeiten und Erlebnisse in Island, die man sich nicht entgehen lassen sollte: Dazu gehören die Besichtigung des Golden Circle, Whale Watching, ein Bad in der Blauen Lagune und die Erkundung der Hauptstadt Reykjavík. Und dann gibt es noch einige Dinge, die du im September zu deiner Reiseroute hinzufügen solltest. 


  • Finde hier ausführliche Informationen über Reykjavík

 Nordlichter-Touren im September

Da die Nächte im September dunkel sind, gibt es immer eine Chance, die Nordlichter zu sehen

Die ideale Zeit, um Nordlichter zu sehen, ist zwischen September und April; Dunkelheit ist die Voraussetzung für ihre Sichtung, und von April bis September ist es nicht dunkel genug.



Manchmal reicht es, einfach zum richtigen Zeitpunkt aus dem Fenster deiner Unterkunft in Island zu schauen und schon entdeckst du die Polarlichter; die besten Chancen hast du allerdings, wenn du die Luftverschmutzung der Stadt in einer klaren Nacht hinter dir lässt und aufs dunkle Land hinausfährst. Ab und zu erscheinen die Nordlichter auch am Himmel über Reykjavík, aber die einfachste und zuverlässigste Möglichkeit, einen Blick auf dieses himmlische Schauspiel zu werfen, ist eine geführte Nordlichter-Tour.

Auf diesen Touren führt dich ein professioneller Guide von der Lichtverschmutzung weg in die unberührte Natur, wo die Aurora Borealis am dunklen Himmel tanzt und flackert und du ihre Pracht in vollen Zügen genießen kannst.

Mt. Kirkjufell unter dem grünen Glanz der Aurora Borealis

Wer im September nach Island reist, erlebt somit das Beste aus zwei Welten: Du jagst schon optimistisch den Nordlichter hinterher, kannst aber auch noch an Touren teilnehmen, die nur im Sommer stattfinden. 

Gletscherlagune Jökulsárlón und Vulkane

Eisberge, die auf der Gletscherlagune Jökulsárlón treibenEine der beliebtesten Sightseeing-Routen in Island ist die Straße, die an der Südküste entlangführt. An dieser Strecke liegen einige der berühmtesten und einzigartigsten Attraktionen des Landes, wie z. B. die Wasserfälle Seljalandsfoss und Skógafoss, die Gletscher Eyjafjallajökull und Mýrdalsjökull sowie der schwarze Sandstrand Reynisfjara

Wer die Südküste bereist, sollte unbedingt einen Stopp an der fantastischen Gletscherlagune Jökulsárlón einlegen. September ist der letzte Monat, in dem du mit dem Boot durch die Lagune schippern kannst; so siehst du aus nächster Nähe die enormen Eisberge, die übers eisige Wasser treiben.



Die leere Magmakammer des Thrihnukagigur-Vulkans Foto von derFahrt ins Innere eines Vulkans | Thrihnukagigur

In der Zeit zwischen Ende September und Mitte Oktober enden auch viele Vulkan-Touren in Island. Nach dem Herbst musst du bis zum nächsten Frühling warten, um wieder das warme Wasser des Askja-Kratersees zu erleben, in eine leere Magmakammer des Þríhnúkagígur-Vulkans hinabzusteigen oder eine Vulkan-Tour zu den Westmänner-Inseln zu unternehmen. 



Island-Rundreise im September

Eine gewundene Straße in Island

Wenn der Schnee nicht ganz so früh eintrifft, sind die Straßen in Island bis Mitte/Ende September geöffnet. Es besteht also noch die Möglichkeit, viele Teile des Hochlands zu besuchen. 

Selbstfahrer können die Rhyolitberge von Landmannalaugar ansteuern und dort ein Bad in einer natürlichen heißen Quelle nehmen. Um das Hochland näher kennenzulernen, empfiehlt sich eine geführte Tour. Einige dieser Touren werden im Superjeep zurückgelegt, einem großen Geländewagen, der dich abseits der normalen Wege zu verborgenen Schmuckstücken des Landes bringt.



Das Hochland ist im September besuchbar

Die Straßen zu einer der schönsten, aber am wenigsten besuchten Gegenden in Island – den Westfjorden – sind im Sommer alle mit Kleinwagen befahrbar; im Winter dagegen sind nur die Hauptstraßen geöffnet. Unabhängig von der Jahreszeit ist ein Wagen mit Allradantrieb und guten Winterreifen stets ratsam. Im September erreichst du in der Regel noch den schönen Dynjandi-Wasserfall, bevor die Straßen dorthin schließen. 



 

Die berühmte Ringstraße ist natürlich das ganze Jahr über geöffnet (außer bei heftigen Schneestürmen), doch mit Einbruch des Winters wird das Befahren der Strecke immer schwieriger.

Im September sollte es aber noch relativ einfach sein, die Ringstraße entlangzufahren, um Sehenswürdigkeiten wie den Golden Circle, die Halbinsel Snæfellsnes, den Mývatn-See  und die Südküste zu besichtigen.



Festivals in Island im September

Dj Flugvel og Geimskip bei einem Festival

Der isländische Kulturkalender füllt sich im Herbst mit Kunst-, Musik- und Filmfestivals im ganzen Land. Im September finden einige in der Stadt und eines nur eine kurze Autofahrt entfernt auf der Reykjanes-Halbinsel statt. 

Ljosanott – Lichternacht-Festival

Feuerwerk in der Nacht des Lichternacht-Festivals in ReykjanesbaerFeuerwerk bei der Lichternacht 2016 Foto von Reykjanesbær

Wenn die hellen Tage des Sommers von den dunklen Nächten des Herbsts abgelöst werden, veranstalten die Einwohner von Reykjanesbær ein Festival zu Ehren der Dunkelheit: Das alljährliche Ljósanótt- oder Lichternacht-Festival gibt den Besuchern einen Einblick in das Beste, was die lokale Kultur zu bieten hat.

Künstler präsentieren ihre Arbeiten in der Stadt, und Galerien sowie private Ateliers sind für Besucher geöffnet. Außerdem treten viele Musiker in der Umgebung auf, und du kannst die leckere traditionelle Kjötsúpa-Fleischsuppe kosten, eine Oldtimer-Sammlung besichtigen und dich auf Fahrgeschäften amüsieren.

Den Höhepunkt erlebst du am Samstagabend bei Dämmerung, wenn die Bewohner von Reykjanesbær die Lichter einschalten, um Bergið – die Klippen mit Blick auf die Stadt – zu erhellen; am nächsten Morgen klingt die Nacht dann mit einem prächtigen Feuerwerk aus.

Reykjavik International Film Festival - RIFF

Bei dem jährlich Ende September stattfindenden Reykjavík Film Festival (oder RIFF) sind in nur elf Tagen rund 100 Filme aus über 40 Ländern zu sehen.

Das Festival zeigt eine große Auswahl an Dramen und Non-Fiction-Filmen, wobei Nachwuchsfilmemacher mit der Kategorie „New Vision“ besonders im Fokus stehen; in dieser Kategorie sind ausschließlich die ersten oder zweiten Langfilme eines Regisseurs zugelassen.

Zu den weiteren Kategorien gehören: „A Different Tomorrow“ für Filme, die uns zu besseren Weltbürgern machen sollen; „Icelandic Panorama“ mit Werken vieler der talentiertesten Filmemacher in Island; und „Focus On“ mit Augenmerk auf die Filmgeschichte eines einzelnen Landes.

Schwimmkino beim RIFF 2016Schwimmkino. Foto von Reykjavik International Film Festival

Ein Großteil der Filme wird im Arthouse-Kino Bíó Paradís gezeigt, aber Special-Events finden überall in Reykjavík statt. Du kannst z. B. ein Filmkonzert im Konzerthaus Harpa besuchen oder das Schwimmkino im beheizten Hallenbad von Sundhöll Reykjavíkur ausprobieren. 



Oktoberfest SHI

Das alljährliche zweiwöchige Oktoberfest in München lockt Millionen von Besuchern an und dient als Inspiration für zahlreiche Veranstaltungen in aller Welt, die sich ebenfalls „Oktoberfest“ nennen. Das Volksfest wird üblicherweise mit Bier in Verbindung gebracht.

Das isländische Oktoberfest oder Oktoberfest SHÍ begann einst als kleines Gruppentreffen von Deutschstudenten an der Universität Island. Die Studenten schlugen ein Zelt auf dem Campus auf, tranken Bier und hörten bayerische Musik. Als die Gruppe ihren Abschluss machte, übernahm der Studentenrat die Organisation und das Festival wuchs.



Festivitäten beim SHI OktoberfestFoto von der Facebook-Seite des isländischen Studentenrats

Etwa 20.000 Biere werden jedes Jahr auf diesem neuen und verbesserten Oktoberfest konsumiert. Das Festival dauert von Donnerstag bis Samstag und wird von ca. 2000 Menschen – zum Großteil Studenten – besucht. 

Die traditionelle bayerische Musik wurde durch einige der besten isländischen Bands und Künstler ersetzt – wie z. B. Retro Stefson, AmabAdamA und Paul Oscar –, die in großen Zelten vor den grölenden Massen betrunkener Studenten auftreten. 



Kulturelle Aktivitäten im September

Islandpferd bei Sonnenuntergang

Die skurrile und wunderschöne isländische Landschaft hat die Kultur des Landes weitgehend geprägt, und im September kannst du zwei uralte Traditionen miterleben: „Berjamó“ und „Réttir“.  

Berjamó

Krähenbeeren sind die am weitesten verbreiteten Beeren in IslandKrähenbeeren. Foto von OpioÅ‚a Jerzy, Wikimedia Creative Commons

Eine der Lieblingsbeschäftigungen der Einheimischen im September ist das Beerenpflücken oder „Berjamó“. Bei dieser altehrwürdigen Tradition verlassen die Isländer – als Familie oder auch alleine – die Stadt, um die wilden, pestizidfreien Beeren zu pflücken, die im ganzen Land wachsen.

Während der Aktivität herrscht eine gewisse Stille, die sehr entspannend sein kann. Man sitzt inmitten der unberührten Natur und es ist nichts zu hören außer dem Geräusch der Beeren, die in den Eimer fallen, und vielleicht einem Raben, der in der Ferne krächzt.

Blaubeeren wachsen wild in der isländischen Natur Foto von ruby fenn

In der moosbedeckten Lava wachsen wilde Krähenbeeren, die häufigste Beerenart in der isländischen Natur. Diese frischen, aber leicht bitteren Beeren werden schon seit Jahrhunderten in isländischen Desserts und Säften verwendet. Andere hier vorkommende Beerenarten sind Heidelbeeren – saftige blaue Beeren, die gern mit isländischem Skyr kombiniert werden – und Blaubeeren. 

Aus der „Beute“ des Tages machen die Isländer verschiedene Marmeladen, Kuchen, Säfte und Wein. Wenn du nur für kurze Zeit da bist und nicht die Mittel hast, deine eigene Konfitüre zu kochen, kannst du die frischen Beeren auch zu Vanilla-Skyr oder einfach als Snack genießen. 



Réttir (Schaf- und Pferdeabtriebe)

Die isländischen Schafe streifen im Sommer frei durch die LandschaftFoto von Jórunn Sjöfn Guðlaugsdóttir

Im September sind die Papageientaucher bereits verschwunden, aber dafür kehrt die Polarmöwe Mitte des Monats aus ihren Brutgebieten in Kanada und Grönland zurück. Etwa zur gleichen Zeit machen sich viele Isländer auf den Weg aufs Land, um an einer der ältesten Traditionen des Landes teilzunehmen, dem jährlichen Schafabtrieb („Réttir“).

Die isländischen Schafe streifen den ganzen Sommer über frei durch die Wildnis und grasen auf frischen Wiesen und Kräutern. Jedes Jahr im September laden die Bauern ihre Familien, Freunde und manchmal auch Fremde dazu ein, ihnen zu helfen, die Schafe von den Hochebenen zusammenzutreiben. 

Die Schäfer holen die Schafe zu Fuß oder zu Pferde – und oft mithilfe eines isländischen Schäferhundes – von den Weiden. Danach werden sie in den Schafpferch getrieben, wo das Sortieren – und der Spaß – beginnt. Lämmer werden im Frühling sorgfältig gekennzeichnet, sodass sie im September zu ihren Besitzern zurückkehren können. 



In Nordisland gibt es eine reiche Tradition der Pferdezucht und -ausbildung, und Skagafjörður ist der einzige Bezirk in Island, in dem mehr Pferde als Menschen leben. Ab Ende September oder Anfang Oktober werden die Pferde, die sich zuvor wild in den Bergen herumtreiben, eingesammelt.

Das Zusammentreiben der Tiere ist Bestandteil eines sehr alten Brauchs. Vor dem Bau der Straßen lebten die Familien im ganzen Land verstreut – ohne oder mit wenig Kommunikationsmöglichkeiten. Réttir war eine der wenigen Gelegenheiten im Jahr, bei denen die Bauernfamilien an einem Ort zusammenkamen.

Dieser Anlass wurde genutzt, um Pferde oder Schafe zu handeln und Streitigkeiten zwischen Bauern (manchmal mit Fäusten) beizulegen; außerdem versuchten junge Männer beim Réttir, junge Mädchen zu beeindrucken, indem sie mit widerspenstigen Pferden rangen. Inzwischen ist alles etwas anders, aber gefeiert wird immer noch. Pferde werden bis heute gehandelt und junge Männer versuchen weiterhin, jungen Mädchen zu imponieren. 



Es gibt mehr Pferde als Menschen im Bezirk Skagafjörður.

Wenn sich in Island Freunde oder Familien treffen, wird meist gesungen (und die Flasche herumgereicht) – und Réttir ist da keine Ausnahme. Nachdem den ganzen Tag Schafe und Pferde zusammengetrieben wurden, findet oft ein Réttarball für die Teilnehmer statt.

Wenn du also im September auf dem Land unterwegs bist, halte Ausschau nach großen Schaf- und Pferdeherden auf der Straße – mit etwas Glück wirst du vielleicht zum Réttarball eingeladen! 



Würdest du Island gerne im September besuchen? Was würdest du unternehmen? Das Hochland besuchen, nach den Nordlichtern jagen oder doch eher Beeren pflücken?