Was sind die Hauptcharakteristiken der isländischen Küche und wie gut ist sie? Ist es wahr, dass die Isländer nur getrockneten Fisch und fermentierten Hai essen? Was sollten Reisende bei einem Besuch in Island probieren? Lies weiter, um alles über das Essen in Island und die Zutaten zu erfahren, die die Küche des Landes so köstlich machen.  



Früher gab es nur spärliche Ressourcen in Island; der Mangel an Sonnenlicht schränkte die Fang- und Jagdmöglichkeiten stark ein, und die abgeschiedene Lage der Insel knapp unterhalb des Polarkreises, machte den Import von Waren und Lebensmitteln im besten Fall schwierig.

Jahrhundertelang ernährten sich die Isländer daher von einfacher Kost, die die harten natürlichen Bedingungen widerspiegelte, unter denen sie ums Überleben kämpften. 

Doch Island liegt inmitten des fischreichen nordatlantischen Ozeans und ist zudem mit Süßwasser und einer sauberen Natur gesegnet.

Der technologische Fortschritt und die Nutzung von Erdwärme haben inzwischen die Möglichkeit eröffnet, das ganze Jahr über frisch angebaute, lokal bezogene Zutaten zu verwenden; und in den letzten Jahrzehnten hat sich die Küche des Landes von ihren bescheidenen Anfängen zu einer kosmopolitischen Angelegenheit entwickelt.

Der Berg Vestrahorn im Osten Islands

Im heutigen Island findest du fast alles, was dein kulinarisches Herz begehrt. Restaurants auf der ganzen Insel bieten eine große Auswahl an ausländischen und isländischen Gerichten an, die von den Zutaten der Natur inspiriert sind. 



Die Schlüsselelemente der isländischen Ernährung haben sich jedoch seit der Besiedlung des Landes vor über 1000 Jahren kaum verändert: Die beliebtesten Gerichte sind nach wie vor Fisch, Lamm und der isländische Skyr. Moderne Köche bereiten die Speisen allerdings mit mehr Fantasie zu und kombinieren neue Zutaten mit alten Rezepten.

Fisch und Meeresfrüchte

Zubereitung eines Fisch-Dinners im Von MathúsFotoquelle: Von Mathús

Da Island ein Inselstaat ist, war nichts wichtiger für das Überleben des Volkes als die Fischerei. Sie brachte nicht nur Lebensmittel auf den Tisch, sondern die Fischexporte trugen auch dazu bei, das Land von einem der ärmsten in Europa Anfang des 19. Jahrhunderts zu einem der reichsten heute zu machen. 



Die Fischerei ist daher ein wesentlicher Bestandteil der isländischen Kultur und des isländischen Erbes; Fischbilder schmücken isländische Münzen, und es wurden schon Kriege um die Fischereirechte geführt, was zeigt, wie ernst diese Nation ihre Fische nimmt und welche Anstrengungen sie unternehmen würde, um ihr wertvollstes Produkt zu schützen.

Unser tägliches Brot

Hardfiskur oder StockfischFoto von Reykjavik by Food Walking Tour

Vor Beginn des 19. Jahrhunderts war in Island kaum Getreide vorhanden. Es musste aus Dänemark importiert werden, was es für die meisten Isländer zu teuer machte. Alles Getreide und Mehl, das sie bekommen konnten, kam in den Brei, um es länger haltbar zu machen – und Brot galt als Luxusgut.

So aßen die Isländer nicht – wie in den Nachbarländern üblich – zu den Mahlzeiten ein Stück Brot, sondern getrockneten Stockfisch. Und auch wenn er heute nicht mehr ganz so oft auf den Tisch kommt, bleibt Stockfisch eines der beliebtesten Gerichte aus der alten isländischen Tradition.

Gesalzener Kabeljau, zum Trocknen aufgehängtGesalzener Kabeljau beim Trocknen im Wind. Foto von Matito bei Flickr

Dieses proteinreiche Essen wird ausschließlich aus frischem Fisch (meist Schellfisch, gestreifter Seewolf oder Kabeljau) zubereitet, der mit lebenden oder künstlichen Ködern gefangen wurde.

Nach dem Putzen und Entgräten wird der Fisch zum Trocknen aufgehängt. Traditionell geschieht dies im Freien, in der Nähe des Meeres, wo der Wind salzige Luft durch den Fisch bläst. Diese Methode dauert ca. 4 bis 6 Wochen, aber dank moderner Technologie kann die Zeit inzwischen auf 36 bis 48 Stunden verkürzt werden.



Mit der Verbesserung der Kühlmethoden wurde frischer Fisch immer bedeutender für den Speiseplan des Landes. In den 1950er- und 60er-Jahren gab es in Island noch jeden Tag Fisch, manchmal sogar zum Frühstück!

Heute essen die Isländer im Durchschnitt zweimal pro Woche Fisch und über die Hälfte der Bevölkerung konsumiert Fischöl, oder Lýsi, mindestens viermal pro Woche.

Was ist gut?

Ein Abendessen mit isländischem Hummer oder Langusten Foto von der Nordlichter und Hummer-Dinner-Tour

Die meisten Restaurants in Island servieren den „Fisch des Tages“, und das Land ist übersät mit zahlreichen Fischrestaurants, die hauptsächlich Kabeljau, Schellfisch, Lachs und Seeteufel anbieten.

Die heutigen Köche sind Meister darin, hervorragende Gerichte zu zaubern und den Reichtum des Ozeans mit Kräutern und Gewürzen aus der isländischen Natur zu verfeinern. Doch neben den tollen Essen in den Restaurants, solltest du unbedingt auch diese Leckereien kosten:

  • Hardfiskur oder Stockfisch. Er ist in jedem Lebensmittelgeschäft oder auf dem Kolaportid-Flohmarkt erhältlich und wird als Snack gegessen, entweder direkt aus der Tüte oder mit dickem Butteraufstrich. 
  • Plokkfiskur oder Fischeintopf. Ursprünglich ein simpler Mix aus weißem Fisch, Kartoffeln, Zwiebeln, Mehl, Milch und Gewürzen, doch inzwischen enthalten einige Rezepte auch Zutaten wie Schnittlauch, Curry, Bearnaise-Sauce oder Käse. 
  • Humar oder isländischer Hummer/Langusten. Die Langusten, die in den Gewässern entlang der Südküste gefangen werden, sind bekannt für ihr leckeres, zartes Fleisch. Sie werden gegrillt, gebacken, gebraten oder sogar auf Pizza serviert.

Brot

Die Siedler in Island waren ein eigensinniges Volk – was vielleicht notwendig ist, um in einem Land aus Eis und Feuer zu leben. Jahrhundertelang versuchten sie, ihr Leben so zu führen, wie es die Skandinavier taten – als Hirten, die Rinder und Schafe züchteten und Getreide für Brot und Futtermittel anbauten.

Brot galt bis zum 20. Jahrhundert als Luxus in Island.Fotoquelle: Von Mathús

Die bäuerlichen Tätigkeiten der Wikinger hatten erhebliche Auswirkungen auf die isländische Landschaft: Weitreichende Erosionen und Entwaldung setzten ein und machten einen Großteil des Landes unfruchtbar. Bis auf ein paar herzhafte Gemüsesorten wie Kartoffeln, Rüben, Karotten, Blumenkohl, Weiß- und Grünkohl konnte in Island nur noch wenig wachsen – und es gab fast kein Getreide.

Island wurde nie wieder ein autarkes Getreideproduktionsland. An manchen Stellen konnte Gerste angebaut werden, aber wegen des Wetters war der Ertrag oft sehr gering. Nach einer Zeit, die als „kleine Eiszeit“ bekannt ist, verschwand der Getreideanbau fast völlig aus Island; erst im 20. Jahrhundert begann man wieder, Getreide anzubauen, vor allem Gerste, die den größten Teil der Getreideernte ausmachte; und heute finden sich auch wieder ein paar Haferbauern auf der Insel.

Da in Island fast kein Getreide wuchs, musste es importiert werden und war entsprechend teuer. Zudem waren Öfen – aufgrund des Mangels an Brennholz – nahezu unbekannt, und so konnten sich nur die ganz Reichen Brot leisten. In Island gab es bis Anfang des 19. Jahrhunderts keinen einzigen professionellen Bäcker! 

Über den Tellerrand hinaus schauen

Doch trotz der Knappheit an Getreide, Öfen und Bäckern gibt es in Island einige traditionelle Brote, die so oft wie möglich gebacken werden. 

Kurz vor Weihnachten treffen sich viele Familien, um Laufabraud (Laubbrot) zu machen – ein rundes, sehr dünnes Flachbrot, das mit blattartigen geometrischen Mustern verziert ist. Familien verbringen Zeit damit, schöne Muster im Brot zu kreieren, bevor sie es kurz in der Pfanne ausbacken. Laufabraud wird dann mit Butter zum Weihnachtsessen serviert.



Traditionelles isländisches Flachbrot (Flatkaka)

Ein weiteres traditionelles Brot ist „Flatkaka“, ein dünnes, rundes Roggen-Flachbrot mit ganz eigenen Mustern. Die Flatkaka-Tradition geht vermutlich auf die Zeit der Besiedlung zurück, als das Brot auf heißen Steinen oder direkt auf der Glut des Feuers gebacken wurde – so entstanden die charakteristischen Fleckenmuster; später wurden dann kleine, aber schwere gusseiserne Pfannen verwendet. 

Wenn du das Land besuchst, vergiss nicht, isländisches Roggenbrot oder „Rúgbraud“ zu probieren – ein dunkles, süß schmeckendes Brot mit dicker Konsistenz, aber ohne Kruste. Traditionell wird es in einem Topf gebacken (auf der Glut eines ausgehenden Feuers), dann mit Torf bedeckt und über Nacht stehen gelassen.

Alternativ kann man den Topf auch in der Nähe einer heißen Quelle vergraben und das Rúgbraud von der geothermischen Wärme backen lassen. Wird diese Methode verwendet, nennt man es in der Regel „Hverabraud“ oder Heiße-Quellen-Brot.

Rúgbraud passt vielleicht am besten zu Fisch (und ist eine wichtige Beilage zum bereits erwähnten „Plokkfiskur“-Fischeintopf), eignet sich aber auch als eigenständige Mahlzeit. Sowohl Rúgbraud als auch Flatkaka schmecken köstlich mit Belägen wie Hammelpastete, Butter, Käse, eingelegtem Hering oder geräuchertem Lamm. 

Was ist gut?

Isländsiche Snúdur-Zimtschnecken und amerikanische Donuts. Foto von Mitchel Jones bei Flickr

Im 19. Jahrhundert wurde Zucker in die isländische Ernährung eingeführt, und jahrelang galt er als notwendiger Bestandteil. Zu dieser Zeit waren Öfen bereits weiter verbreitet, und es gab auch schon einige Bäcker auf der Insel. Während deines Island-Urlaubs solltest du auf jeden Fall das traditionelle Flatkaka- und Rúgbraud-Brot probieren, aber auch eine Bäckerei oder ein Café ansteuern, um diese „modernen“ Leckereien zu genießen:

  • Snúdur. Eine Zimtschnecke, die mit Schokolade, Karamell oder Zuckerguss überzogen ist
  • Pönnukökur oder isländische Pfannkuchen. Dünne, crépe-ähnliche Pfannkuchen, die in der Regel gerollt mit viel Zucker oder sorgfältig gefaltet mit Marmelade und Schlagsahne serviert werden
  • Rúgbraudsís oder Roggenbroteis. Zu finden im Kaffi Loki Café in Reykjavík

Lamm

Isländisches Lamm wird allgemein als Gourmet-Fleisch bezeichnet.Fotoquelle: Lambakjöt

Neben den Fischen waren Schafe seit ihrer Ankunft mit den Wikingern das Lebenselixier dieser Nation. Ihre Wolle hielt uns warm, und ihr Fleisch trug dazu bei, uns unter schwierigen klimatischen Bedingungen am Leben zu erhalten.

Die ursprünglichen Siedler importierten diese Tiere, die sich seither in völliger Isolation entwickelt haben – unbeeinflusst von anderen Rassen. Das Islandschaf wird daher auch manchmal als „Besiedlungsrasse“ bezeichnet.

Obwohl Islandschafe für ihre Wolle berühmt sind – die für „Lopapeysa“-Wollpullover, verwendet wird –, werden sie in erster Linie wegen ihres Fleisches gezüchtet. Jedes Frühjahr lasen die Bauern die Schafe aus dem Stall, damit sie frei durch die Landschaft streifen und den ganzen Sommer über in der pestizidfreien Natur grasen können. 

Da das Klima das Wachstum von Getreide verhindert, leben die Schafe von Gras, Engelwurz, Beeren und Algen. Das Fleisch benötigt daher wenig Reifung, ist zart und hat einen milden Geschmack.

Geräuchertes Lamm

Traditionelles isländisches Weihnachtsessen mit geräuchertem Lamm Fotoquelle: Lambakjöt

Neben dem frischen Fleisch, das man in Lebensmittelgeschäften und Restaurants findet, empfiehlt es sich, bei einem Besuch in Island geräuchertes isländisches Lamm oder „Hangikjöt“ zu probieren.

Bevor es Kühltechnik gab, war Räuchern eine beliebte Methode, um Lebensmittel haltbar zu machen. Es ermöglichte nicht nur die Konservierung des Fleisches, sondern sorgte auch für zusätzliche Aromen. Hangikjöt, übersetzt „Hängefleisch“, wurde nach der alten Tradition des Räucherns benannt, bei der das Fleisch an den Sparren einer Räucherhütte hängt.

In Island gibt es zwei Haupträucherarten: „Birkireykt“ und „Tadreykt“. Bei der ersten wird Birkenholz als Material verwendet, bei der zweiten getrockneter Schafsmist gemischt mit Heu. Nicht nur Hangikjöt wird zum Teil nach der Tadreykt-Methode geräuchert, sondern auch Lachs, Würstchen und sogar Bier.

Hangikjöt wird in der Regel gekocht und entweder heiß oder kalt in Scheiben serviert. Es ist ein traditionelles Weihnachtsgericht, zu dem es meist Kartoffeln in Béchamelsauce, grüne Erbsen, Rotkohl und „Laufabraud“ gibt. Laut einer aktuellen Studie essen rund 90% der Isländer diese Spezialität mindestens einmal während der Festtage. 

Was ist gut?

Hot Dog im isländischen Stil„Ein med öllu“ Isländischer Hot Dog. Foto von Tomi Knuutila bei Flickr

Geräuchert, gegrillt, langsam gegart, in einem Döner oder als Pfannengericht: Im ganzen Land finden sich zahlreiche Variationen des isländischen Lamms. Und genau wie bei den Meeresfrüchten ist alles – egal, was du auswählst – mit Sicherheit köstlich. Doch wer es den Einheimischen gleichtun möchte, sollte Folgendes zu probieren.

  • Hangikjöt-Sandwich. In dünnen Scheiben ist Hangikjöt ein beliebtes Fleisch zum Mittagessen, das auf Sandwiches oder einem traditionellen „Flatkaka“-Brot serviert wird. 
  • Kjötsúpa oder Fleischsuppe. Hergestellt aus den zäheren Teilen des Lammes, herzhaftem Gemüse und einer Vielzahl von isländischen Kräutern. Vorzüglich an einem kalten Wintertag. 
  • Pylsa (Pulsa) oder Hot Dog. Gilt oft als das Beste, was man in Island essen kann, und wird es aus einer Mischung von Lamm, Rind und Schweinefleisch zubereitet. Bestelle „ein med öllu“ (mit allen Zutaten) und du bekommst den Hot Dog mit knusprigen frittierten Zwiebeln, rohen Zwiebeln, Ketchup, süßem Senf und cremiger Remouladensauce. 

Umstrittenes Fleisch

Ein Schild in der Laugarvegur-Straße in ReykjavíkFoto von Ken Chen bei Flickr

Neben Lamm findest du auch traditionelles Fleisch in Lebensmittelgeschäften und Restaurants wie Schweinefleisch, Rindfleisch und Huhn. Sei jedoch nicht überrascht, wenn du zudem Pferdefleisch oder sogar Rentier auf der Speisekarte entdeckst und dir auf der Reise durchs Land noch weitere Dinge begegnen, die etwas Stirnrunzeln hervorrufen könnten.

Papageientaucher

Burger aus dem Grillmarkaðurinn-RestaurantPapageientaucher-, Wal- und Rentier-Burger im Grillmarkadurinn-Restaurant

Der Papageientaucher ist Islands berühmtester Vogel und einer, den sowohl Touristen als auch Einheimische gerne in freier Wildbahn sehen. Viele finden es daher seltsam, dass er auch auf den Speisekarten einiger Restaurants steht.

In der Vergangenheit mussten kriselnde Küstengemeinden wie solche in Island all ihre natürlichen Ressourcen zum Überleben nutzen. Dazu gehörte auch der Verzehr dieser bezaubernden kleinen Vögel. Während der Papageientaucher heute in anderen Ländern gesetzlich geschützt ist, erlauben Island und die Färöer-Inseln noch immer die Papageientaucherjagd. So ist der Papageientaucher seit Jahrhunderten Bestandteil der Ernährung beider Nationen und gilt heute als Delikatesse.

Im Sommer ist Island die Heimat von rund 10 Millionen Papageientauchern, und die größten Brutkolonien finden sich auf den Westmänner-Inseln. Diese Inseln, nur 10 km südlich des Festlands gelegen, beherbergen rund 20% der weltweiten Papageientaucherpopulation und somit die größte Papageientaucher-Kolonie der Erde. 



In den letzten Jahren haben die Papageientaucher-Kolonien jedoch begonnen, zu schrumpfen. Dies wird nicht auf die Zerstörung oder Überjagung ihrer Lebensräume zurückgeführt, sondern auf mehrere gescheiterte Brutzeiten. Aufgrund der schwindenden Vogelzahlen wurden zum Schutz der Art vorübergehende Jagdbeschränkungen erlassen. 

Die Papageientaucher-Kolonien werden strengstens überwacht; du musst dir also keine Sorgen machen, wenn du Papageientaucher auf der Speisekarte siehst – es ist immer noch in Ordnung, ein paar zu jagen. Das Fleisch des Vogels wird normalerweise gegrillt oder geräuchert und erinnert manche an Pastrami. 

Wal

 Gegrilltes WalfleischFoto von Grillmarkadurinn-Restaurant

Das vielleicht umstrittenste Essen in Island ist Walfleisch. Der Walfang begann in Island im 12. Jahrhundert mit der Speer-Drift-Waljagd. Dies blieb die wichtigste Waljagd-Methode, bis ausländische Unternehmen das Land Ende des 19. Jahrhunderts in den kommerziellen Walfang einführten und neue Werkzeuge und Technologien mitbrachten.

Die Internationale Walfangkommission verabschiedete ein Moratorium für den kommerziellen Walfang, das 1986 weltweit in Kraft trat. Im Gegensatz zu Norwegen lehnte Island das Verbot nicht offiziell ab und beendete in diesem Jahr den kommerziellen Walfang. Der Walfang für die „Forschung“ wurde jedoch bis 1989 fortgeführt, dann allerdings auch nach erheblichem Druck aus dem Ausland eingestellt.

Der Walfang zu kommerziellen und wissenschaftlichen Zwecken wurde im Jahr 2006 wieder aufgenommen; er wird nun von der isländischen Fischereidirektion reguliert, die eine Walfangquote von 200 Walen gewährt; diese Zahl wurde jedoch nie erreicht – im Jahr 2017 wurden 17 Wale gefangen. 

Walfangboote am DockFoto von Magnus Manske Wikimedia Creative Commons

Die Direktion gestattet die Jagd auf Zwerg- und Finnwale. Zwergwalfleisch wird an lokale Restaurants und Lebensmittelgeschäfte verkauft, während Finnwale in großen Mengen nach Japan exportiert werden. In den letzten Sommern wurden jedoch keine Finnwale mehr gefangen, und es ist auch keine Finnwal-Jagd für die kommenden Jahre geplant. Allerdings fing die private isländische Waljagdfirma Hvalur im Jahr 2018 ein Exemplar der gefährdeten Blauwalart.

Guide to Iceland hat sich gegen den Walfang in Island ausgesprochen und fordert andere auf, dies ebenfalls zu tun, damit diese Praxis beendet wird.

Walfleisch ist in Island kein Alltagsessen. 65% des Walfleisches werden an isländische Restaurants verkauft, was darauf hindeutet, dass es in erster Linie an Touristen vermarktet wird – trotz internationaler Ablehnung der Walfangpraxis. 

Walfleisch ist zwar geschmackvoll, aber die jüngste Forschung hat gezeigt, dass das Flesch größerer Wale große Mengen an Quecksilber enthält; dieses Metall kann, wenn es über einen längeren Zeitraum aufgenommen wird, genetische Veränderungen bei Föten verursachen. 

Guide to Iceland ist der Meinung, dass eine der fantastischen Whale-Watching-Touren – bei der du diese wunderbaren Kreaturen bestaunen kannst – einer Walmahlzeit in jedem Fall vorzuziehen ist!



Skyr

Skyr in der freien NaturFoto von Stefan „Stoipi“ Seger bei Flickr

Im Nationalmuseum Islands stehen drei Gläser, die mit etwas gefüllt sind, das an graue Felsen erinnert. Dabei handelt es sich um die Reste einer „Skyr“-Mahlzeit von vor über 1000 Jahren! Skyr ist ein traditionelles Milchprodukt, das Joghurt ähnelt, aber offiziell als Käse gilt.

Als sich die Wikinger in Island niederließen, brachten sie die kulinarischen Traditionen ihrer Heimat mit. Diese nordischen Gerichte haben sich seitdem in jedem Land unterschiedlich entwickelt, und jede Nation hat ihre eigenen Variationen hervorgebracht. Der Skyr dagegen scheint in Skandinavien völlig verschwunden zu sein, während er in Island eine Blütezeit erlebte – und inzwischen findet man ihn sogar in den Regalen ausländischer Lebensmittelgeschäfte.

Das Produkt wird aus Magermilch hergestellt, deren Sahne abgetrennt wurde; die Milch wird anschließend pasteurisiert und mit lebenden Kulturen aus früheren Skyr-Batches versetzt. Wenn das Produkt eingedickt ist, wird es gefiltert und mit verschiedenen Aromen wie Vanille oder Beeren – und in jüngster Zeit auch Mango, Kokosnuss oder sogar Lakritze – angereichert. 

Skyr dient der Nation zu jeder Tageszeit als Mahlzeit – und das schon seit vielen Jahren. In den letzten Jahren diente er jedoch zudem als Symbol des Protestes gegen die Regierung: Bei Demonstrationen wurde das Parlamentsgebäude mit Skyr beworfen.

Das gruselige Zeug

Traditionelles isländisches Essen kann etwas gruselig sein.Fotoquelle: Wikimedia Creative Commons 

Obwohl es in Island eine ganze Reihe von kulinarischen Köstlichkeiten gibt, hat das Land die alten Methoden der Essenszubereitung nicht vergessen. Noch heute findet man traditionell geräuchertes Fleisch in Lebensmittelgeschäften und Restaurants, und einmal im Jahr findet im ganzen Land ein Mittwinterfest statt, das sich einer Auswahl an  historischen Gerichten widmet.

Bei „isländischem Essen“ denken viele an die traditionelle Art der Fleischpökelung, und die Spezialitäten hören sich gruselig an: Fermentierte Haie, eingelegte Widderhoden und gekochte Schafsköpfe klingen eher wie Zutaten eines Horrorfilms als Dinge, die man sich auf den Teller legt. 

Doch diese Methoden der Nahrungszubereitung entstanden eher aus einer Notwendigkeit heraus – und nicht, um die Menschen zu schockieren. Frische Lebensmittel waren in den Wintermonaten kaum verfügbar, und man musste die Nahrung konservieren, um in dieser trostlosen und harten Umgebung zu überleben. 

In Zeiten, als es noch keine Kühltechnik gab, wurden weltweit Verfahren wie das Salzen eingesetzt, um Lebensmittel haltbar zu machen. Um Salz aus dem Meer zu gewinnen, muss man das Wasser – entweder unter der Sonne oder über einem Feuer – verdunsten lassen. Island hat jedoch nur wenig Sonnenlicht und noch weniger Bäume, die verbrannt werden könnten. 

Außerdem führte der Mangel an Vegetation dazu, dass tierische Produkte die isländische Küche dominierten, und die Armut hinderte die Inselbewohner daran, irgendeinen Teil des Tieres wegzuwerfen. Das Fleisch und die Innereien wurden über den Winter konserviert, indem man Methoden wie das Einlegen in fermentierter Molke oder Sole, Trocknen und Räuchern anwandte; diese verliehen den traditionellen Bauerngerichten ihren unverwechselbaren Geschmack.

Das süße Zeug

Isländische Süßigkeiten, die meisten sind mit Schokolade überzogene Lakritze.Foto von Jason Eppink bei Flickr

Ab 1880 – kurz nach Beginn des Zuckerimports – bis 1950 stieg der Zuckerverbrauch in Island um über 710% an! Es schien Liebe auf den ersten Blick zu sein (Geschmack). Seitdem ist der Zuckerkonsum der Nation der Traum eines jeden Zahnarztes! 

Obwohl man inzwischen weiß, dass Zucker (wirklich) schlecht für uns ist, fällt es den Isländern immer noch schwer, darauf zu verzichten, und die Zuckergewohnheiten des Landes können als extrem bezeichnet werden. Doch so schlecht er auch sein mag, Zucker kann einfach verdammt lecker schmecken.

Eis(creme)land

Bragdarefur-Eiscreme

Es spielt keine Rolle, ob sie sich mitten im Winter befinden, ein eisiger Wind weht und Schnee vom Himmel fällt – Isländer essen trotzdem Eis! In fast jeder isländischen Stadt findet sich ein Eissalon – oft in der Nähe eines geothermischen Pools, da das Eisessen ein weit verbreitetes Vergnügen nach dem Schwimmen ist.

Am beliebtesten ist Softeis; besonders zu empfehlen ist die üppige Variante in einer Schale mit Dip (meist Schokolade) und Süßigkeiten, die „ís med dýfu og kurli“ genannt wird.

Und wer bis zum Äußersten gehen möchte, sollte einen „Bragdarefur“ bestellen: Bei dieser Version kommt das Softeis – meist Vanille, aber in manchen Läden auch andere Sorten – in einen großen Behälter. Danach wählst du drei Arten von Süßigkeiten und/oder Früchten von der Theke aus (wer besonders hungrig ist, kann gegen ein Aufgeld noch ein zusätzliches Topping bekommen). Das Ganze wird dann in einen großen Mixer gegeben, mit weiteren Süßigkeiten versehen und – voilà: Dies ist das ultimative isländische Eiscreme-Erlebnis!

Eine seltsame Obsession

Freyju Lakkrísdraumur-SüßigkeitLakritze mit Schokoladenüberzug. Foto von Bodo bei Flickr

Beim Gang durch die Süßwarenabteilungen der Supermärkte stellst du fest, dass die meisten isländischen Süßigkeiten salzige Lakritze oder „Lakkrís“ enthalten. Die beliebteste Art ist Lakritze mit Schokoladenüberzug, aber es gibt auch seltsamere Kombinationen, wie z. B. Rosinen, Datteln und Mandeln mit Lakritz-Pulver.

Und natürlich findest du auch Lakritz-Eis; dieses kannst du zusätzlich in Lakritz-Dip tunken und mit Lakritz-Pulver bestreuen lassen (obwohl die meisten zustimmen würden, dass das ein wenig übertrieben ist).

Dieser salzige schwarze Leckerbissen hat sogar seinen Weg aus der Süßigkeitenabteilung in die normale Küche gefunden: Inzwischen gibt es Lakritz-Salz, Lakritz-Sauce für Lamm und sogar Lakritz-Käse!

Die Besessenheit begann vor einigen Jahrhunderten, als Lakritze von den Skandinaviern in Island eingeführt und dort als Süßstoff verwendet wurde. Die Isländer hatten keinen Honig und keinen Zucker, also wurde diese Wurzel verwendet, um das süße Verlangen des Landes zu stillen. Man nahm an, diese Wurzel helfe auch bei Erkältungen, und isländische Apotheker verwendeten sie in Hustensirupen und Lutschtabletten, um verschiedene Krankheiten zu bekämpfen. 

Anfang des 20. Jahrhunderts beraubten Kriege und Einfuhrbeschränkungen das Land der ausländischen Süßigkeiten. Und im Jahr 1971 erfuhren Süßwaren aus dem Ausland einen weiteren Tiefschlag, als eine – inzwischen widerlegte – Studie behauptete, der rote Farbstoff Nr. 2 (ein häufiger Bestandteil von Süßigkeiten) stelle ein krebserregendes Risiko dar. Und so produzierten isländische Hersteller ihre eigenen Süßigkeiten, wobei sie oft (du ahnst es schon) Lakritze verwendeten.

Was ist gut?

Opal-Lakritz-Pastillen

Heute sind ausländische Süßigkeiten wieder in Island erhältlich, aber die Isländer bevorzugen noch immer ihre eigenen salzigen Süßwaren. Die Liebe zur Lakritze hat hier inzwischen den Höhepunkt der weltweiten Liebe zum Speck erreicht. Wenn du also das Land besuchst, solltest du unbedingt „Lakkrís“ probieren. Hier einige Favoriten der Nation:

  • Draumur und Thristur, schokoladenüberzogene Lakritz-Riegel
  • Opal, Lakritz-Pastillen, die es schon seit 1945 gibt
  • Appolo Stjörnurúlla, eine Lakritz- und Marzipanrolle
  • Lakkrísrör, ein Lakritz-Strohhalm für Softdrinks, meist Appelsín-Orangenlimonade oder Coca-Cola 
  • Gammeldags lakrids, reine, salzige Lakritze

Wenn du also nach Island reist, dann musst du dir keine Sorgen um den Verzehr von Haien oder Widderhoden machen. Du hast eine große Auswahl und findest bestimmt etwas, das dir schmeckt.

Was würdest du am liebsten probieren? Oder, wenn du schon einmal da warst, was hältst du von isländischem Essen? Was war dein Favorit? Wir freuen uns auf deine Kommentare.