Party in Island, Bild von Óskar Hallgrímsson

Wie sieht es mit Reykjavíks Nightlife aus? Wann beginnt das Nachtleben in Island und wo befinden sich die besten Bars und Clubs?

Was macht das Nachtleben in Island so besonders?

Reykjavík ist seit einigen Jahren für sein Nachtleben bekannt und wird von Touristen und Reisemagazinen in aller Welt gepriesen.

Anfangs war ich ziemlich überrascht, wenn Leute aus anderen Ländern zu mir meinten, Reykjavík habe ein tolles Nachtleben. Die Stadt ist so klein und es gibt so wenige Läden zum Ausgehen – verglichen mit Großstädten wie London oder New York. Inzwischen habe ich selbst an verschiedenen Orten im Ausland gelebt und verstehe nun, was Islands Nachtleben so attraktiv macht.

Alles liegt nahe beieinander, jeder kennt jeden, die Bars sind zu Fuß erreichbar, der Eintritt ist frei, die Schlangen sind kurz, es gibt kaum Dresscodes (obwohl alle sehr modebewusst sind!), es gibt keine VIP-Räume (mit 1-2 Ausnahmen) und die Bars sind bis spät geöffnet (an Wochenenden bis 5 Uhr).

Bild vom Icelandic Airwaves

Bildquelle: Alexander Matukhno, Iceland Airwaves Flickr

Die Kneipen sind voll und niemand verzieht eine Miene, wenn die Gäste anfangen, auf den Tischen und Stühlen zu tanzen oder Instrumente zu spielen und Lieder dazu zu singen.

Und das ist nur der normale Wochenend-Trubel. Zu Festivalzeiten und an Silvester gibt es zudem verrückte Outfits, jede Menge Gesang und noch mehr Alkohol!



Wo findet das Nachtleben in Reykjavik statt?

Laugavegur–Einkaufsmeile in Reykjavík. Bild von Wikimedia Commons

Das Nachtleben in Reykjavík konzentriert sich auf die Gegend um die Haupteinkaufsmeile: Laugavegur. Trubel herrscht auch in der Parallelstraße Hverfisgata und im weiteren Verlauf der Laugavegur, die zunächst in die Bankastræti und später in die Austurstræti übergeht. Neben der Austurstræti verläuft die Hafnarstræti, von der wiederum die Naustin abgeht – auch in diesen beiden Straßen finden sich einige Kneipen.

Keine der Bars verlangt Eintritt (außer bei Live-Konzerten oder anderen Special Events). Du kannst also gemütlich von einer Kneipe zur andern spazieren und einfach weiterziehen, wenn dir ein Song nicht gefällt (oder wenn du nach der Liebe suchst!)



Zwischen den Bars liegen Fußwege von nur 10 Sekunden bis 1 Minute (oder im Höchstfall vielleicht 10 Minuten). Daher sind die Straßen stets voller Menschen und Einheimische treffen fast immer jemanden, den sie kennen.

Wenn das Wetter also nicht allzu schlecht ist und du vor einem Laden anstehen musst, keine Sorge – das Warten in der Schlange kann durchaus unterhaltsam sein!



Gehen die Leute in Kneipen, Clubs oder Cafés?

Nachtleben in Island von Óskar Hallgrímsson

Die meisten haben mehrere Lieblingskneipen, die sie gerne durchstreifen. Nur selten kommt es vor, dass die Nachtschwärmer den ganzen Abend an einem Ort bleiben. Bei diesem „Bar-Hopping“ trifft man jede Menge Leute und hört die verschiedensten Musikstile. Und nicht verzweifeln, wenn du deine Freunde mal verlieren solltest: Die Szene ist klein und du findest sie bestimmt wieder – oder schließt schnell neue Freundschaften.



„Clubs“ dagegen findet man fast gar keine in Island – zumindest nicht solche, wie man sie im Rest der Welt kennt. Es gibt hier KEINEN Club über 3 Etagen mit 7 großen Räumen – jeder davon mit eigener Dekoration und Musik – und einer enormen Terrasse oder Ähnliches. Der einzige Laden, der zu Recht als „Club“ bezeichnet werden konnte, war NASA (mit nur einem großen Raum und einer Lounge oben), aber dieser wurde vor ein paar Jahren geschlossen.

Stattdessen findest du zahlreiche Cafés, die sich zunächst in Bars und später – mit fortgeschrittener Stunde (und steigendem Alkoholpegel) – in Tanzlokale verwandeln.

Dresscode und Altersbeschränkungen

Das Nachtleben in Island kann ganz schön verrückt sein. Bild von Óskar Hallgrímsson

Die meisten Läden haben keinen Dresscode und du musst auch nicht über 20 sein, um hineinzukommen (20 ist das gesetzliche Mindestalter für Alkoholkonsum in Island). Wer jünger aussieht als 20, muss sich allerdings oft ausweisen; vergiss also nicht, einen Ausweis mit Geburtsdatum und Lichtbild mitzunehmen.

Da es hier keinen Dresscode gibt, spielt es keine Rolle, was du anziehst – auch wenn sich die Ausgehmeute meist in Schale wirft. Männer tragen manchmal sogar Anzüge mit Krawatten oder Fliegen oder auch einfach nur Jacketts mit Jeans. Frauen zeigen sich gern in schicken Tops oder Kleidern; dazu tragen sie Stiefel oder High Heels und auch Leder, Denim und Pelz sind sehr beliebt. Im Winter empfiehlt es sich, mehrere Kleiderschichten zu kombinieren (drinnen ist es warm, draußen aber meist bitterkalt) – pack dich warm ein mit Jacke, Handschuhen und Mütze.

Manche betrinken sich so hemmungslos, dass sie am Ende auf die Straße pinkeln oder sich übergeben – und oftmals Glasscherben auf dem Boden hinterlassen. Es sollte eigentlich klar sein, dass Urinieren auf der Straße oder auch sonst in der Öffentlichkeit verboten ist – wer sich trotzdem dabei erwischen lässt, kriegt eine saftige Geldstrafe. Außerdem kommt es gelegentlich zu unvermeidlichen Handgemengen.

Die meisten Leute sind allerdings freundlich und harmlos, und du kannst dich spät nachts auf den Straßen von Reykjavík absolut sicher fühlen.



Öffnungszeiten der Kneipen und Pubs in Reykjavík

Nachtleben in Reykjavik – Bild vom Secret Solstice Festival

Von Sonntag bis Donnerstag schließen alle Kneipen um 1 Uhr. Danach werden keine Drinks mehr serviert, aber die letzten Gäste bleiben oft noch bis kurz vor 2 Uhr sitzen.

In letzter Zeit haben sich die Dienstagabende (und Sonntagabende!) ebenfalls zu „kleinen Samstagen“ entwickelt – immer mehr Menschen strömen nun auch an diesen Tagen in die Bars.

Doch – wie in den meisten anderen Ländern auch – tobt hier das Nachtleben vor allem an Freitagen und Samstagen. Obwohl die meisten Kneipen den ganzen Tag über (oder ab nachmittags) geöffnet sind, füllen sie sich erst nach Mitternacht, so gegen 2 Uhr früh. Und ein Großteil von ihnen schließt um 5 Uhr morgens; mit etwas Glück findet man aber vielleicht eine Afterparty, die noch um einiges länger geht!

Special Events im Nachtleben von Reykjavik

Es gibt viele Festivals in Reykjavík, die das Nachtleben betreffen. Die größten Musikfestivals sind: Sónar Reykjavík im Februar im Konzerthaus Harpa; das Secret Solstice Festival im Juni um die Sommersonnenwende im Erholungsgebiet Laugardalur; und Iceland Airwaves, das im November in der ganzen Stadt und sogar in der Blauen Lagune stattfindet.

Außerdem gibt es noch zahlreiche kleinere Festivals, die das Nachtleben bereichern.



Kulturnacht, Harpa in Reykjavik

Neben den Festivals gibt es weitere jährliche Termine, die die Isländer ins Stadtzentrum locken. Dazu gehören der 1. März, auch Isländischer Biertag genannt, und der „offizielle erste Sommertag“ an einem Donnerstag Ende April. Und auch beim Gay Pride Festival Anfang August strömen Massen von LGBTQs und Straights nachts in die Kneipen der Stadt.

Die Culture Night findet jedes Jahr am 3. Samstag im August in Reykjavík statt – dieser Abend ist voller freier künstlerischer Aktivitäten und Events und endet mit einem nächtlichen Feuerwerk. Auch der zweite Weihnachtsfeiertag (26. Dezember) hat sich inzwischen zu einer angesagten Partynacht entwickelt. Eigentlich verwandelt sich hier jeder Abend vor einem nationalen Feiertag schnell in eine große Partynacht, so auch der des 16. Juni vor dem isländischen Unabhängigkeitstag (17. Juni).

Im Mai werden die College- und Universitätsabschlüsse gefeiert: Hunderte von Studentinnen und Studenten ziehen tagsüber ihre Trachten über, bevor sie abends in die Straßen ausschwärmen – erkennbar an ihren weißen Kappen.

Ein weiteres Ereignis, das im Mai stattfindet und – für Auswärtige vielleicht etwas überraschend – große Auswirkungen auf das isländische Nachtleben hat, ist der Eurovision Song Contest.

99% der Isländer schauen sich den internationalen Gesangswettbewerb an, der irgendwann im Mai übertragen wird und von 19 bis ca. 22 Uhr dauert. Während dieser drei Stunden ist es mucksmäuschenstill im Stadtzentrum. Kurz danach allerdings füllen sich Reykjavíks Straßen mit massenhaft Menschen, von denen viele ziemlich angetrunken sind; einige tragen glitzernde Outfits oder krasses Makeup und fast alle trällern mit, wenn in den Kneipen die Eurovisions-Klassiker erklingen.



Wo sich die Kneipen und Pubs in Reykjavík befinden

Stadtzentrum von Reykjavik

Das Zentrum Reykjavíks (PLZ 101) wird von den Einheimischen in zwei Gebiete unterteilt, wenn es ums Nachtleben geht: oberhalb und unterhalb der Lækjargata.

Die meisten Pubs und Kneipen säumen die Laugavegur und ihre Verlängerungen Bankastræti und Austurstræti. Die restlichen Läden befinden sich in Seitenstraßen (und in der Hverfisgata) und sind von den Hauptstraßen zu sehen.

Oberhalb der Lækjargata kannst du zwischen zahlreichen Kneipen und Clubs wählen, z.B.: Kex HostelDillonBostonÖlstofa Kormáks og SkjaldarKaffibarinnRósenbergClub KikiBravóThe Lebowski BarPrikiðKofinnB5Den Danske KroHverfisbarinnBar 11Ský LoungeLoft HostelPeterson SuiteMikkeller & FriendsÍslenski Barinn (die isländische Bar) und Bar Ananas.

Unterhalb der Lækjargata kannst du zum Beispiel diese Läden ansteuern: HressóHúrraPalomaTívolíAusturThe English PubAmerican BarThe Dubliner, The Drunk RabbitGaukurinnMicro BarSkúli Craft BarBryggjan Brewery oder Slippbarinn. Der jüngste Neuzugang hier ist die Pablo Discobar, die Ende 2016 eröffnet wurde.



Craft-Biere in Reykjavik

Die Namen und Standorte der Kneipen wechseln ziemlich schnell, obwohl es einige schon seit Jahren gibt. Die Adresse der Läden bleibt meist dieselbe – aber mit neuem Besitzer, neuem Namen, neuer Musik und neuen Dekorationen ändert sich oft auch das Publikum. Diese Liste wird so oft wie möglich aktualisiert.

Wenn du also vor ein paar Jahren das letzte Mal in Island warst, ist es gut möglich, dass deine Lieblingsbar entweder gar nicht mehr existiert oder so anders geworden ist, dass du sie nicht mehr erkennst. Darüber hinaus gibt es noch: eine Reihe von Cafés, die Bier ausschenken, aber etwas früher schließen (22:00 – Mitternacht); noble Hotelbars, die von 22–01 Uhr geöffnet sind; und einige Restaurants, die gegen Mitternacht leckere Cocktails servieren.



Die besten Bars und Kneipen in Reykjavík 

Welche die besten Kneipen und Nachtclubs sind, hängt natürlich von deinem Musikgeschmack ab. Hier einige der beliebtesten Läden der Stadt:

1. Die Kaffibarinn (kurz KB) ist die mit Abstand bekannteste Kneipe von Reykjavík – sie diente als Kulisse in dem Film „101 Reykjavík“ und ihr Miteigentümer ist Damon Albarn. Die Bar ist immer voller Leute (manchmal zu voll); sie wird von Musikern und „Hipstern“ besucht. Hauptsächlich Alternative und Elektro-Pop-Musik.

2. Das Húrra befindet sich in dem Gebäude, in dem früher das Harlem – ein anderer beliebter Laden – untergebracht war. Inzwischen hat sich das Húrra selbst als toller Ort für großartige Live-Musik und DJs etabliert und lässt sich auch stets etwas Neues einfallen (z.B. Kinoabende). An Montagabenden gibt es Jazz von der wunderbaren Hausband (Eintritt frei). Im Húrra werden alle möglichen Arten von Musik gespielt, der Schwerpunkt liegt jedoch auf Live-Musik und Elektro-DJs.

3. Der Club Kiki ist der neuste Gay-Club der Stadt; er befindet sich an derselben Adresse wie schon viele Gay-Bars vor ihm: Laugavegur 22. Hier wird hauptsächlich Chart- und Disco-Musik gespielt.

4. Das Ölstofa Kormáks og Skjaldar (kurz „Ölstofan“) ist bestens geeignet, um sich gemütlich hinzusetzen, Bier zu trinken und mit Freunden zu plaudern; in der Regel wird keine oder nur leise Musik gespielt.

5. Das Rósenberg verlangt normalerweise Eintritt – weil immer Live-Bands spielen (hauptsächlich Jazz). Hier kannst du einige der tollsten Musiker Islands sehen und hören.

6. Im Prikið läuft an den meisten Abenden Old School Hip-Hop – außerdem gibt es hier tagsüber leckeres Essen. Das Publikum ist meist relativ jung.

7. Die Bar 11 bleibt manchmal etwas länger geöffnet als andere Kneipen (bis 5:30-6 Uhr); im Hintergrund läuft Rock-Musik.

8. Das Kex Hostel veranstaltet oft Live-Musik-Events und ist eine nette Bar mit guter Musik und leckerem Essen (koste die Datteln im Speckmantel!). Die Hostel-Bar ist allerdings nicht so lange geöffnet – sie schließt bereits um 22 oder 23 Uhr. Das Kex Hostel ist in einer alten Keksfabrik untergebracht, die in einer Nachbarstraße der Hverfisgata und zu Fuß etwa 5 Minuten vom nächtlichen Hauptgeschehen entfernt liegt. Auf dem Weg ins Stadtzentrum lohnt sich ein Stopp im Dillon (Rock-Bar) oder Boston (Lounge-Bar mit trendigem Dekor und Partyatmosphäre).

9. Das Bravó ist eine schöne Bar, die meist gut gefüllt ist – mit Gästen, die sich entweder auf ein Bier oder einen Plausch treffen oder auf der winzigen Tanzfläche tanzen. Es ist direkt unterhalb des Clubs Kiki.

10. Das English Pub ist ein nettes Universal-Pub. Hier gibt es ein großes Glücksrad an dem du einen ganzen Meter Bier gewinnen kannst! Außerdem treten oft Musiker mit ihrer Akustikgitarre auf. Zu empfehlen am frühen Abend und an Wochentagen, nicht so gut geeignet zum Tanzen.

11. Die Ankunft der Bar Ananas bereicherte das Nachtleben der Stadt wie eine warme Sommerbrise: Mit einem fruchtigen Cocktail kannst du wunderbar der Realität entfliehen – wenn das Wetter draußen so ganz und gar nicht an die Bahamas erinnert. Es gibt sogar Sand auf dem Boden!

12. Das B5 ist beim glanzvollen VIP-Publikum sehr beliebt. Dies ist einer von sehr wenigen Orten in Reykjavík mit einem strengen Dresscode und 2 VIP-Lounges. Zieh einen Anzug oder ein Kleid mit Absatzschuhen an und stell dich auf Chart-Musik ein.

13. Das Paloma befindet sich in der obersten Etage eines Hauses, in dem 3 Läden untergebracht sind. Hier ist jede Menge los: Unter hölzernen Deckenbalken tanzen die Gäste zur Musik lokaler und internationaler DJs, meistens zu Techno. Das Paloma behauptet, Reykjavíks einziger Club zu sein!

14. Die Pablo Discobar ist im Obergeschoss über dem südamerikanischen Restaurant Burro untergebracht. Hier gibt es leckere Cocktails, flippiges Dekor und so viel Disco, wie nötig.

Da die meisten Kneipen keinen Eintritt kosten, solltest du so viele wie möglich ausprobieren, bevor du deine Favoriten auswählst!

Und noch zum Abschluss: „Prost“ heißt auf Isländisch „Skál“!